Lieber Herr Goth, wie hat CADdent die Coronakrise erlebt?
Manfred Goth: Zunächst kam es im April und Mai 2020 zu einem maximalen Umsatzrückgang von nahezu 100 Prozent. Daraufhin haben wir sofort zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die Kosten zu reduzieren, beispielsweise das Verhängen eines Investitionsstopps, das Beantragen von Kurzarbeit und nicht zuletzt das Reduzieren der Ausgaben. Absolute Priorität hatte bei CADdent die Sicherung der Arbeitsplätze (Abb. 1 und 2). Mittlerweile hat sich die Branche und auch CADdent gut erholt. Während der Krise wurde unter anderem am Markenauftritt gearbeitet und die Tochterfirma ­CADtools mit eigenen ­Zirkonoxidblanks gegründet beziehungsweise an den Start gebracht. Insgesamt lag der Fokus während dieser herausfordernden Zeit vor allem auf einer positiven Zukunftsentwicklung, und so lautete unser „Schlachtruf“ auch: „Volle Kraft voraus!“.

Abbildung 01 und 02

Weshalb haben Sie damals nicht nur Ihre Kunden, sondern sogar Ihre Mitbewerber unterstützt?
Goth: (lacht) Ganz einfach: Weil wir in der glücklichen Lage waren, dies tun zu können und weil man sich in Zeiten der Not immer hilft, getreu dem Motto: „Wir halten zusammen!“ (Abb. 3). Hintergrund war, dass der Materialeinkauf bei CADdent wie gewöhnlich bereits am Jahresanfang stattgefunden hatte und dadurch Liquidität für andere Bereiche frei war.

Welche konkreten Angebote sind und waren das?
Goth: Für alle Kunden, Partner und Mitbewerber, die sich noch in einer Notsituation befinden, das gilt auch für die Opfer der verheerenden Überschwemmungen der vergangenen Monate, haben wir besondere Angebote zusammengestellt. Konkret sind das: verlängertes Zahlungsziel, flexible Monatsraten, individueller Sonderrabatt und günstige Einkaufskonditionen auf Material.

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung der Branche ein?
Goth: Bisher hat der Medizinprodukte-Markt Krisen gut gemeistert. Dieses Jahr wird sogar wirtschaftlich überdurchschnittlich erfolgreich. Vermutlich wird sich diese Entwicklung allerdings im nächsten Jahr wieder etwas legen.

Gibt es schon Pläne für die Zeit nach Corona?
Goth: Die sind schon in vollem Gange! Im Grunde sind es dieselben Pläne wie vor Corona: Wachsen und gedeihen. Um es zu konkretisieren: CADdent wird sein Team ausbauen, sprich neue Arbeitsplätze schaffen, und das Produktportfolio wird weiter entsprechend der Kundenwünsche ausgerichtet. Weiter planen wir zu expandieren und die Produktionskapazitäten sowie die Geschäftsfelder zu erweitern. Ein wichtiges Projekt wird außerdem der Ausbau von CADtools sein, im Einzelnen arbeiten wir hier vor allem an neuen Materialien, Produktneuerungen et cetera. CADdent übernimmt die Materialien von CADtools, so kann der Kunde nicht nur die Ronde kaufen, sondern auch die Fräsdienstleistung erhalten. Der Kunde kann sich beispielsweise Lagerkosten sparen, indem er nur die gängigsten Farben der Blanks vorrätig hat und den „Rest“ bei Bedarf an CADdent outsourced.

Worauf hat sich CADdent von Anfang 2020 bis heute fokussiert?
Goth: Der Fokus lag noch stärker auf unseren Kernkompetenzen Lasermelting, Fräsen, 3D-Druck und Service. Aber auch die Markenbildung hat bei CADdent einen hohen Stellenwert. So gelang uns die Einführung der Eigenmarken CADtools Zirkon, CADtools PMMA Mono, Multi und Clear, CADtools Titanium und CADtools Cobalt-chrome. 2021 sind wir zudem eine zukunftsträchtige Partnerschaft im Bereich Poliermaschinen mit GPAINNOVA eingegangen. Intern konnten wir am Jahresende das Kurzarbeiter-Geld unserer Mitarbeiter aufstocken beziehungsweise ausgleichen. Am Herzen liegt uns auch das Thema Umweltschutz. Hier hat CADdent bereits einige Investitionen getätigt und beispielsweise neue, umweltfreundliche Verpackungen eingeführt. Betreut werden die Nachhaltigkeitsprojekte von unserem hauseigenen Ingenieur für Umwelt und Verfahrenstechnik. Wir sind auch sehr stolz auf unsere Beteiligung an diversen Forschungsprojekten mit mehreren Hochschulen.

Woran arbeiten Sie gerade bei CADdent?
Goth: Unser Kundenservice wird stetig optimiert und unsere Lieferzeiten noch weiter verbessert. Ein sehr aktuelles Thema ist außerdem die Qualitätssicherung entsprechend der MDR (Medical Device Regulation), die das Medizinproduktegesetz (MPG) ersetzt und verschärfte Anforderungen an das Labor stellt. Auch die Forschung und Entwicklung neuer Produkte wird bei ­CADdent weiter vorangetrieben. Diese Neuentwicklungen bilden die Basis für den Ausbau von CADtools, wobei wir momentan insbesondere an der Weiterentwicklung der Zirkonoxide arbeiten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Abbildung 03