Herr Langner, Sie wurden auf der ADT 2019 für Ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch dazu! Sind Sie nach 40 Berufsjahren noch immer Zahntechniker mit „Leib und Seele“, und wenn ja, warum?
Jan Langner: (lacht) … Die Jahre mag ich überhaupt nicht zählen; sie gingen viel zu schnell vorbei. Ich bin sehr dankbar, einen so innovativen und abwechslungsreichen Beruf erlernt zu haben, der mich nach wie vor in seinem Bann hält. Der Beruf „Zahntechniker“ bringt so viele Facetten mit sich, dass zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommt. Für mich ist die Berufswahl ein „Glücksfall“ gewesen, denn die stetig anfallenden verschiedenen Anforderungen und die Suche nach Lösungswegen kommen meinem Naturell sehr entgegen. Ich hinterfrage Dinge immer gern, um die für mich richtigen Antworten zu finden, und dies hat mich in meiner beruflichen Laufbahn immer weitergebracht.

Ztm. Jan Langner

Ztm. Jan Langner

Weshalb haben Sie den Beruf „Zahntechniker“ gelernt und – Hand aufs Herz – würden Sie es heutzutage wieder tun?
Langner: Wir wohnten im selben Haus, in dem mein Onkel eine Zahnarztpraxis führte. Zu der Praxis gehörte ein kleines Labor, in dem ich mich als Kind oft aufgehalten habe. Die Gerüche und die handwerkliche Tätigkeit hatten eine besondere Wirkung auf mich. Modellguss, der von Spreidler in Stuttgart gefertigt wurde, ließ mich erahnen, dass das, was ich in der Praxis zu sehen bekam, nur ein Teil der damaligen Technik war. Meine Lehrstelle zum Zahntechniker verdanke ich einem glücklichen Zufall, denn die Suche über das Arbeitsamt war damals in ganz Baden-Württemberg erfolglos. Ich begann eine Lehre zum Stahlgraveur. Drei Monate danach suchte ein Labor in Schwäbisch Gmünd (mein späterer Ausbildungsbetrieb) per Zeitungsinserat einen Zahntechnikerlehrling. Als ich das 14 Tage später erfuhr, stellte ich mich – ehrlich gesagt mit wenig Hoffnung – in dem Labor vor. Und: Ich war glücklicherweise der Einzige, der sich bis dato für diese Stelle interessiert hatte. Nach dem Motto, besser einen als keinen Lehrling, stellte mich das Labor Mayer ein. Um den letzten Teil Ihrer Frage zu beantworten: (lacht) … Es war mir nicht möglich, meine beiden Töchter von dem Beruf abzuhalten. Anscheinend habe ich so viel Begeisterung geweckt, dass sie das Gleiche tun wollten. Für viele Talente, die ein Mensch mitbringen kann, steht in diesem schönen Beruf ein Türchen offen.

„Wenn wir glauben, Maschinen könnten die Individualität eines Menschen ersetzen, dann irren wir uns.“

Glauben Sie, dass das Zahntechnikerhandwerk trotz zunehmend maschineller Fertigung erhalten bleiben wird? Oder bewegen wir uns komplett weg vom Handwerk?
Langner: Wenn wir glauben, Maschinen könnten die Individualität eines Menschen ersetzen, dann irren wir uns. Sie sind Gehilfen unserer täglichen Arbeit und nicht mehr. Wir sind und bleiben der Kopf unserer Tätigkeit und der ist nicht zu ersetzen. Zahntechnik ist nicht nur Handwerk, Zahntechnik ist Wissen sowie Können und Zahntechnik lebt.

Vielleicht erinnern Sie sich, wir haben uns im Jahr 2008 schon einmal in einem Interview (dental dialogue, 9/2008) unterhalten; damals sprachen Sie unter anderem über die Vorteile der Presstechnik. Wie stehen Sie heute, mehr als zehn Jahre später, dazu?
Langner: Ich war schon damals begeistert und bin es noch heute. Vollkeramische Materialien für die Presstechnik sind fester Bestandteil unserer täglichen Arbeit. Dafür gibt es hauptsächlich zwei Gründe. Erstens ist es die hohe Stabilität, die sich durch den Verbund mit dem natürlichen Zahn ergibt. Und zweitens sind es die tollen lichtoptischen Eigenschaften bis hin zur Gingiva. Unter anderem diese beiden Faktoren ermöglichen viele neue Ansätze in der restaurativen Zahnmedizin, wie beispielsweise das substanzschonende, minimalinvasive Vorgehen. Auch die Oberflächen von gepressten vollkeramischen Restaurationen sind meiner Erfahrung nach im Gegensatz zu Gold weniger plaqueanfällig, was zu einer verbesserten Mundflora beiträgt. Zudem kann man feststellen, dass die Materialien und somit auch die Oberflächenqualität nach dem Pressen weiter verbessert wurden. Was mich überrascht hat, ist das Verhalten dieser Keramiken im Mund. Trotz ihrer Härte lassen sie, wenn sie gegeneinander arbeiten, funktionelle Korrekturen zu. Hervorzuheben sind auch die geringen Ausfälle durch Chipping oder Fraktur solcher Arbeiten.

Abbildung 01 bis 08

Sie sind bekannt dafür, Trends frühzeitig zu erkennen. Es gibt derzeit einige neue ästhetische Gerüstwerkstoffe, die ein differenziertes Vorgehen erlauben. Sehen Sie hier Potenzial für den Laboralltag?
Langner: Natürlich hat sich mitunter im Bereich der Zirkonoxidkeramiken in den vergangenen Jahren sehr viel getan, und wir sehen auch in unserem Labor diesbezüglich eine große Nachfrage. Das hat unter anderem wirtschaftliche Gründe. So sind beispielsweise Multilayerzirkonoxide und somit auch die CAD/CAM-Technologien aus unserem Laboralltag nicht mehr wegzudenken. Mit anderen Worten, die digitale Welt ist fester Bestandteil unserer Arbeit geworden und darf in einem Labor – ist es auch noch so klein – nicht mehr fehlen. Ansonsten wird man „outgesourct“.

Lithiumdisilikat oder Zirkonoxid – ist diese Frage in Ihrer Laborarbeit ein Thema?
Langner: Beide Materialklassen haben in unserem Labor ihren Platz, wobei die Anwendung von Zirkonoxidkeramiken erheblich zugenommen hat. Als Grund dafür ist beispielsweise das breite Spektrum der Einsatzmöglichkeiten zu sehen. Lichtoptisch spielen natürlich die Lithiumdisilikat-Keramiken ihr Vorteile aus und finden daher besonders im ästhetisch relevanten Bereich – im Frontzahngebiet – ihren Einsatz. Grundsätzlich haben also beide Materialien absolut ihre Berechtigung.

Viele Zahntechniker hängen an der „guten alten Schichttechnik“. Was raten Sie: lernen loszulassen oder die handwerkliche Arbeit als Gegentrend zu leben?
Langner: Das ist für mich keine Frage, denn das Schichten von Keramik ist und bleibt fester Bestandteil unserer täglichen Arbeit. Es gibt nach wie vor viele Patienten, und es wird sie immer geben, die großen Wert auf ihr Aussehen legen, und dazu gehören der Mund, das Lachen und die Zähne. Die Kopie eines natürlichen Zahns ist und bleibt eine schwierige und spannende Aufgabe für uns Zahntechniker.

Würden Sie als einer der erfahrensten Keramiker Deutschlands sagen, dass mit der monolithischen Fertigung hochästhetische Ergebnisse möglich sind?
Langner: Zweifellos ist es möglich, mit monolithischen keramischen Materialien sehr gute Ergebnisse zu erzielen. Ob mono­lithisch oder nicht, muss immer von Fall zu Fall entschieden werden. Die uns heute zur Verfügung stehenden Finalisierungspasten machen es relativ einfach, mit monolithischen Versorgungen gute ästhetische Ergebnisse zu erzielen. Aber auch da lernen wir jeden Tag dazu. Wichtig ist es, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Allein schon die Oberflächengestaltung erfordert bei der Temperaturwahl ein schlüssiges Konzept. Bei der Finalisierung mittels dieser Pasten geht es hauptsächlich um die Kolorierung der inzisalen Anteile der Krone. Die Grundfarbe kann, muss aber nicht mit einbezogen werden. Diese Entscheidung hängt letztlich von der Farbauswahl beziehungsweise dem Helligkeitswert des zu kopierenden Zahns ab. Letztlich ist das ästhetische Ergebnis bei einer monolithischen Restauration ein anspruchsvolles Ziel, das zahntechnischer Kompetenz bedarf. Gerade bei der Farbauswahl spielen viele Faktoren eine Rolle, etwa die Stumpffarbe, der Platzbedarf, das Befestigungsmaterial, der Helligkeitswert und vieles mehr.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Beruf des Zahntechnikers „aussterben“ wird.“

Können Sie die Zweifel einiger Zahntechniker an ihrem Beruf verstehen? Was möchten Sie diesen Kollegen „mit auf den Weg geben“?
Langner: Angst ist der schlechteste Berater; in jeder Hinsicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Beruf des Zahntechnikers „aussterben“ wird. Ja, er hat sich verändert und wird sich noch weiter verändern, aber Zahntechnik ist wesentlicher Bestandteil der zahnärztlichen Prothetik. Sehr viele Aspekte und Bereiche kann ein Computer nicht abdecken, so zum Beispiel unsere Aufgabe, die Sorgen und Nöte „unserer“ Zahnärzte und ihrer Patienten in Lösungen zu überführen. Der Computer hat auch keinen warmen Händedruck und keine vielversprechenden Augen. Wir Zahntechniker zeigen auch in Zukunft, wo es langgehen kann, und es war noch nie so spannend wie im Moment, in unserem Beruf zu arbeiten. Also, Kopf hoch! Wir leben in einer spannenden Zeit, die viele Möglichkeiten bietet.

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