In der Praxis wurde ein älterer Patient vorstellig. Die zahnlosen Kiefer des Patienten waren zu Behandlungsbeginn mit je einer zahnfleischgetragenen Totalprothese versorgt, die jedoch hinsichtlich ihrer Funktion und Ästhetik nicht zufriedenstellend waren. Nachdem der Behandler den Fall eingehend geprüft hatte, gab er zwei neue Totalprothesen in Auftrag. Diese sollten in unserem Dentallabor komplett CAD/CAM-gestützt gefertigt werden. Um dies zu ermöglichen, wurde für die digitale Erstellung der Totalprothesen die neue Beta-Software Zirkonzahn.Modifier verwendet. Als Grundlage dazu dienten digitalisierte Daten (zahnlose Kiefer, getragene Totalprothesen als Situationsmodelle), die auch Informationen zur Bisslage lieferten, aber auch in die Software importierte Aufnahmen des Patienten, die ihn mit seinen alten Prothesen zeigten, und die in der Zirkonzahn Software mit den Scans der Modelle gematcht wurden (Abb. 1 bis 9). So konnten ideale digitale Planungsdaten für die virtuelle Gestaltung der Totalprothesen generiert werden.

Abbildung 01 bis 09

Die Zähne für das neue Set-up stammten aus der virtuellen Zahnbibliothek Zirkonzahn Heroes Collection (Abb. 10 und 11). Sie sind dort als Wurzelzähne hinterlegt, weshalb ihre Zahnachsen bei der Aufstellung sehr gut zu erkennen sind und in die anatomisch korrekte Ausrichtung mit einbezogen werden konnten (Abb. 12 bis 16). Die dargestellten Zahnwurzeln erlaubten später auch eine besonders natürliche Gestaltung der Gingiva, da sie wie beim natürlichen Vorbild den Zahnwurzeln und Alveolen folgt (Abb. 17). Mit den Hilfsebenen und der Aufstellhilfe des virtuellen Artikulators PS1 konnten funktionelle Parameter, wie die Mittellinie, Okklusionsebene, Stützzonen und vieles mehr bereits beim Set-up richtig eingestellt werden. Nach dem Abschluss der Modellation des Zahnfleischanteils wurde in der Software das Design in einen Zahnfleisch- und in einen Zahnanteil gesplittet und diese entsprechend gestaltet (Abb. 18 bis 20).

Abbildung 10 bis 20

Fräsen der Prothesen-Bestandteile

Die digitale Wachsaufstellung war, wie zuvor beschrieben, mithilfe der Software in die Bestandteile einer Totalprothese zerlegt worden: in die Prothesenbasis, die einen Saugeffekt aufweist, und für die spätere Befestigung der Zähne in diesem Fall mit Stümpfen versehen wurde und in 14 Einzelkronen je Kiefer. Inzwischen erlaubt es der Workflow auch die Prothesenbasen mit alveolaren Aussparungen zu fräsen und die Zähne auf diesen zu verkleben. 

Auf der Basis dieser Konstruktionen konnte dazu übergegangen werden, diese entsprechenden CAD-Modellationen an die CAM-Software zu übergeben und dort für die Fertigung im Zirkonzahn Fräsgerät (zum Beispiel M4 Wet Heavy Metal) vorzubereiten. Das heißt: die Rohlinge und Materialien auswählen, zuordnen, die Konstruktionen in den Rohlingen nesten und so weiter (Abb. 21 bis 26). 

Umgesetzt wurden die Konstruktionen aus den zwei Zirkonzahn Kunststoffen: Resiton Gingiva für den Zahnfleischanteil und Abro für die Prothesenzähne (Abb. 27 bis 31). 

Nach dem Fräsvorgang waren die roten und weißen Strukturen bereit, um ausgearbeitet und für die Verklebung vorbereitet zu werden. Nach dem Verkleben der Kronen auf den Stümpfen mit Polibond folgte zu einem späteren Zeitpunkt noch eine Individualisierung des Zahnfleischanteils mit entsprechenden Gingiva Composites (Zirkonzahn).

Abbildung 21 bis 31

Übertragung vom virtuellen in den analogen Artikulator

Da aufgrund des volldigitalen Workflows im Labor dort ausschließlich digitale Daten zu den Modellen und ihrer Artikulatorposition vorlagen, wurden im Fräsgerät (M4 Wet Heavy Metal) ein OK- und UK-Modell sowie entsprechende Schablonen für ihre Positionierung im Laborartikulator gefräst. Die Voraussetzung dafür bilden verschiedene Software-Funktionen und entsprechende CAD/CAM-Materialien: 

Das Software-Modul CAD/CAM Model Maker und physische Model Blanks für die Modell­herstellung (Abb. 32 bis 35), die Software-Funktion Zirkonzahn.Scan und der JawPositioner, eine Schablone, die der Positionierung des Oberkiefers im physischen Artikulator dient (Abb. 36 bis 39) sowie die Software-Funktion Zirkonzahn.Modellier und das transparente Biss­schablonenmaterial Therapon Transpa (Abb. 40 bis 43). 

Mittels dieser Hilfsmittel konnte „der Patient“ oder zumindest die Modellsituation exakt in den physischen Artikulator PS1 übertragen und darin die CAD/CAM-gestützt gefertigten und nun auch ästhetisch finalisierten Prothesen geprüft werden (Abb. 44 bis 49). Nach dem Überprüfen der fertiggestellten Totalprothesen (Abb. 50) wurden die Versorgungen an die Praxis geschickt und dort eingegliedert. 

Die Prothesen überzeugten hinsichtlich Funk­tion und Ästhetik und verliehen dem Patien­ten wieder mehr Lebensqualität (Abb. 51 und 52).

Abbildung 32 bis 52

WERDEGANG

2015 wurde Samuele Zanini vom IPSIA Enrico Fermi institute in Verona (Italien) ein Diplom in Dentaler Technologie verliehen. 2015 bis 2016 arbeitete er als Zahntechniker im Labor Iattarelli in Verona. 2016 wechselte er zu Zirkonzahn. Im Dentallabor Steger in Bruneck (Südtirol, Italien) gibt er neben seiner Tätigkeit als Zahntechniker Kurse in der Zirkonzahnschule und steht als Referent bei zahntechnischen Kongressen auf der Bühne. Spezialisiert ist er auf den Bereich CAD/CAM und digitale Technologien.

Giovanni Natile war 2014 Laborleiter im Labor Grupo Senis in Valencia (Spanien). 2015 bis 2017 war er im Dentallabor Steger in Bruneck (Südtirol, Italien) beschäftigt. 2018 arbeitete er mit Dr. Alberto Vericat in Valencia und dem Institut Valenciano de Implantología zusammen und gab als externer Lehrer Kurse bei Zirkonzahn.