05.10.2017

Volles Haus beim 18. colloquium dental im NCC Mitte Nürnberg

I'll tell you

Das diesjährige colloquium dental war etwas ganz Besonderes. Zum einen fand es am 15. und 16. September 2017 zum 18. Mal statt – folgte also der Formel 15, 16, 17 und 18 – und zum anderen stand es unter dem Motto „Don’t Tell me, Show me!“. Der teamwork media Verlag verfolgte damit das Ziel, Vorträge anzubieten, die es im ansonsten dichtbesetzten Veranstaltungskosmos so noch nie gegeben hat. Über 500 Kongressteilnehmer waren angereist, um sich selbst davon zu überzeugen, dass hier wirklich etwas Besonderes stattfand.

Alle zwei Jahre findet das colloquium dental statt. Traditionell wurde auch dieses Jahr Mitte September wieder Nürnberg zum Branchentreffpunkt. Über 500 Gäste hatten sich im NCC Mitte Messezentrum eingefunden, um an dem zweitägigen Kongress teilzunehmen.

Intensivseminar

Der Freitagvormittag wurde von einer Art Vorkongress eröffnet – dem Intensivseminar. Mit Nondas Vlachopoulos konnte dank der tatkräftigen Unterstützung durch Henning Pielock von HPdent ein Referent gewonnen werden, der die rund 90 Seminarteilnehmer von Anfang an in seinen Bann zog. Mithilfe des Übersetzer-Duos Henning Pielock und Hans-Joachim Lotz offenbarte sich den gespannten Gästen in dem zweieinhalbstündigen Seminar die zahntechnische Welt des griechischen Ausnahmetechnikers Nondas Vlachopoulos. Angefangen beim Gerüst­design, bei dem Vlachopouilos großen Wert auf die Unterstützung der Ästhetik, Funktion aber auch die Mechanik legt, über kleine, aber feinen Tricks, wie etwa die Mamelon-Spitzen mit etwas Opaker abzuschließen, um eine erhöhte Absorption zu erreichen, bis hin zu seiner One-Bake-Philosophie. Letztere lässt sich laut Nondas Vlachopoulos nur dann konsequent umsetzen, wenn man einige unverrückbare Gesetzmäßigkeiten beachtet. Das sehr intensive Seminar gipfelte in einer Live-Schichtung einer zirkonoxidbasierten Oberkieferfrontzahnbrücke.

Der Freitag

Der Hauptkongress wurde von teamwork media-Geschäftsführer Dieter Adolph eröffnet. In seiner Begrüßung ging er auf das spezielle Konzept des ersten Tages ein. Der Freitagnachmittag gehörte nämlich der Dentalindustrie und den digitalen Themen. Eine Auswahl von Dentalfirmen war vom Verlag dazu aufgerufen worden, Referenten zu bestimmen, die ihre Produkte oder Lösungswege im Idealfall aus Anwendersicht präsentieren sollten.

So lieferte Hans-Jürgen Lange in seinem von Henry Schein gesponserten Vortrag einen Überblick der in seinem Fertigungszentrum eingesetzten offenen CAD/CAM-Systeme. Dabei konnte er aufzeigen, dass unterschiedliche Indikationen unterschiedliche Systeme erfordern.

Bastian Heinloth widmete sich in seinem pritidenta-Vortrag den Möglichkeiten, die der 3D-Gesichtsscan dem Labor bringt. Grundsätzlich sieht Heinloth darin ein gutes Tool für die Patientenberatung, da sich unterschiedliche Planungsvarianten schnell und vor allem für den Patienten nachvollziehbar realisieren lassen.

Dass vermeintlich Gleiches nicht gleich ist, das wusste Carsten Fischer in seinem Vortrag für Camlog gut zu verdeutlichen. In seinem klug gegliederten Beitrag konnte er aufzeigen, dass die Qualität der CAD/CAM-gestützt in- oder outhouse gefertigten Implantatprothetik-Komponenten stark schwankt. Daher fordert er klare Standards und einheitliche Protokolle.

Moderiert wurde das Freitagsprogramm von PD Dr. Jan-Frederik Güth. Der Leitende Oberarzt der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik der LMU München kennt sich im Bereich der dentalen CAD/CAM-Technologie gut aus. Und so konnte er aufgrund seiner fundierten Kenntnisse die Beiträge immer in einen aktuellen Kontext stellen.

Er kam, sprach und ging. Enrico Steger hatte es eilig. Und dennoch reichte ihm die Zeit, um die wichtigsten Zirkonzahn-Innovationen kurz anzureißen. Beispielsweise die CAD/CAM-gestützte, implantatprothetische Planung, bei der die Dicom- und STL-Daten sinnvoll miteinander gematcht werden.

Danach zeigte die Praxistechnikerin Christin Albrecht, wie sich bei ihr der zahntechnische Alltag mit Straumann CARES gestaltet. Benjamin Schick, der an der Steinbeis-Hochschule seinen Master absolviert, stellte seine Semesterarbeit vor, in der er die Hybridkeramik Vita Enamic gegenüber konventionellen Materialien differenzierte.

Im Auftrag von Kulzer präsentierte Otmar Siegele das angulierte Cara YantaLoc Locator-System, das er zusammen mit Dr. Thomas Jehle entwickelt hat. Kulzer hat dieses Locatorsystem mit ZrO2-Patrize und systemkonformer Titanbasis in sein CAD/CAM-System cara implementiert.

Philipp von der Osten ging in seinem Vortrag für bredent zum einen der Frage nach, wie stark der Markt von Intraoralscannern und dem damit einhergehenden Workflow durchdrungen ist. Zum anderen konnte er verdeutlichen, wie er verloren gegangene vertikale Dimensionen mittels semipermanenter, CAD/CAM-gestützt designter und gefertigter Tabletops aus breCAM.HIPC wieder erfolgreich herstellt.

Den Abschlussvortrag des ersten Kongresstages lieferte Jens Richter für Dentsply Sirona. Richter erklärte, dass er mit den Dentsply Sirona CAD/CAM-Systemkomponenten allen Unkenrufen zum Trotz sogar einen zusätzlichen Arbeitsplatz besetzt hat. Als Fallstricke der Digitalisierung nannte Richter die Konnektivität, da es ihm zufolge in der „offenen“ CAD/CAM-Welt gar nicht so einfach ist, STL-Daten ohne Probleme auszutauschen. Die Lösung sieht Richter in Cerec Connect, bei dem es sich um ein geschlossenes System mit offenen Schnittstellen handle.

Der Samstag

Der Samstag stand unter dem eigentlichen Kongress-Motto „Don’t Tell me – Show me!“. Die teamwork media-Fachredaktion und -Eventabteilung und der Moderator des Samstags, Hans-Joachim Lotz, hatten die Referenten gebeten, an einem Termin im Verlag teilzunehmen, bei dem die Vortragsthemen gemeinsam aufeinander abgestimmt sowie spezielle „Showeinlagen“ abgesprochen wurden.

Als erster Referent des Samstags zeigte Hans-Jürgen Joit, welche ästhetischen Resultate mit der neuen zirkonoxidverstärkten Lithium-Silikat Keramik möglich sind. Er bemerkte aber auch, dass kein Material der Welt das Können und Wissen eines Zahntechnikers ersetzen kann. Ohne all das Wissen über die Funktion, die Mikro- und Makrotexturen, die Morphologie und so vieles mehr bleibt ein Material am Ende des Tages eben einfach nur ein Material. Am Ende seines mit beeindruckenden Bildern gespickten Vortrags demonstrierte „Hans“ Joit live die keramische Verblendung vestibulär reduzierter Lithium-Silikat-Kronen.

Wer schon einmal einen Vortrag von Andi Nolte verfolgen durfte, kann erahnen, was dieser Ausnahmereferent ablieferte. Einen perfekten, so noch nicht dagewesenen Vortrag über „Zahntechnik“. Andreas Nolte zeigte auf, dass es in diesem Beruf darum geht, Muster zu erkennen. Nur wer alle relevanten Informationen lesen und deuten kann, ist auch in der Lage, diese in einen dentalen Werkstoff zu überführen und so Zahnersatz zu kreieren, der als solcher nicht erkannt wird.

Josef Schweiger und Maxi Grüttner (ehemals Findeiß) konnten in ihren Vorträgen herausarbeiten, dass der dentale 3D-Druck zwar für bestimmte Indikationen, wie etwa Bohrschablonen, sinnvoll eingesetzt werden kann, die Technologie aber noch viel Entwicklungspotenzial besitzt. Josef Schweiger verdeutlichte dies anhand seiner Strukturdatenbanken, die es in der Zukunft erlauben könnten, eingescannte Zähne mehrschichtig, also digital nach dem Dentinkern (CT-Scandaten) und der Schmelzschicht (klassischer Laborscanner) getrennt, zu drucken.

Eine weitere Besonderheit bot der Beitrag von Anja Krüßmann. Sie demonstrierte live, wie sie einen Patienten-Fotostatus erhebt und ging dabei gleichzeitig auf mögliche Fehler ein. Im Anschluss an diese Live-Demo zeigte sie anhand zweier bereits gelöster Patientenfälle, wie die aus dem Foto­status gewonnen Informationen in ihre Arbeit und somit letztlich in den Zahnersatz einfließen, aber auch wie unterschiedlich die Geschmäcker der Patienten sind. Denn laut Anja Krüßmann gilt es, unabhängig vom zahntechnischen Berufsethos, primär den Geschmack des Patienten zu treffen.

Die Motivation, das eLABor_aid-System zu entwickeln, liegt einige Jahre zurück und ist der Herausforderung geschuldet, einzelne Frontzähne reproduzierbar zu rekonstruieren. Mit diesem Bekenntnis begann Sascha Hein seinen Vortrag über das von ihm und der Bio Emulation-Gruppe forcierte Verfahren. Diesem liegt zudem das vorherrschende Problem zugrunde, dass mit den bestehenden Farbbestimmungssystemen keine objektive Erkenntnis über die zu reproduzierende Zahnfarbe gewonnen werden kann, geschweige denn die Farbe des zur Rekonstruktion eingesetzten Materials dafür verlässlich geeignet ist. Sascha Hein konnte in seinem Vortrag vermitteln, wie mit eLABor_aid, auf Basis des CIE L*a*b*-Systems (von 1976), eine objektive Zahnfarbbestimmung und Reproduktion der so gewonnenen Zahnfarbinformationen möglich ist – und das auf Distanz.

Ehre wem Ehre gebührt

Neben den Vorträgen bot der Tag auch noch zwei ganz besondere Programmpunkte. Da wäre zum einen die Ehrung von Dieter Schulz. Diesem großen Zahntechniker gebührt wahrlich unser allergrößter Respekt. Mit unzähligen Kursen, verstreut über den ganzen Globus, einer riesigen Fangemeinde in Asien und Europa, zahlreichen Produkten, mit denen schon fast jeder Zahntechniker einmal gearbeitet hat, sowie der didaktischen Weiterentwicklung der biodynamischen Aufwachstechnik von Michael Heinz Polz, die in der NAT und NFR gipfelte, stand es außer Zweifel, dass Dieter Schulz in diesem würdigen Rahmen die Ehre erwiesen werden sollte. Allein über 50 Gäste aus Übersee und Europa, darunter Chinesen, Japaner, Taiwanesen, Koreaner, Italiener, Esten, Bulgaren und Ungarn waren angereist, um Dieter Schulz zu feiern.

„Jockel“ Lotz überreichte Dieter Schulz zunächst eine kleine Aufmerksamkeit. Ein „iDieter“-T-Shirt im Stil der beliebten Apple-Produkte. Bereits nach kurzer Zeit hatten einige der anwesenden Ehrengäste die gleichen T-Shirts an. Eine tolle Überraschung und Geste. Schließlich folgte die sehr kluge und rührende Laudatio von Prof. Dr. Ulrich Lotzmann. Dass diese Stimmung noch emotionaler werden könnte, hatte keiner geglaubt. Bis Dieter Schulz selbst einen Vortrag über … Dieter Schulz hielt. Und da war er, dieser magische Moment. Der Augenblick, in dem jedem Anwesenden bewusst wurde, dass hier eine ganz besondere Person sprach. Ehre, wem Ehre gebührt, Dieter Schulz.

Okklusaler Kompass 2017

Den zweiten besonderen Programmpunkt bildete die Siegerehrung der Teilnehmer des 9. Internationalen Wettbewerbs um den Okklu­salen Kompass. Dieser Wettbewerb, der von teamwork media alle zwei Jahre zum Andenken an Michael Heinz Polz ausgeschrieben wird, erfreute sich 2017 wieder einer regen Teilnahme. Doch auch dieses Jahr hatte es der Wettbewerbsfall wieder in sich, sodass trotz vieler Anmeldungen letztendlich 15 eingereichte Arbeiten bewertet werden konnten. Nun war es an der Aufgabe des Jurymitglieds Bruno Jahn, von dem der eingereichte Wettbewerbsfall stammte, dessen Tücken aufzuzeigen und den Teilnehmern für ihren großen Einsatz zu danken.Die drei Erstplatzierten wurden auf die Bühne gerufen und die Urkunden sowie goldenen Münzen feierlich überreicht. Den ersten Platz konnte Doreen Dörge aus Niederndodeleben für sich behaupten. Sie gewinnt somit das Preisgeld in Höhe von 3000,– Euro. Der zweite Platz ging an Philipp Köhler aus Neustadt an der Waldnaab. Den dritten Platz teilte sich ein Pärchen (auch im richtigen Leben): Ilka Graefen und Thomas Wawro aus Dortmund. Beide Platzierungen erhielten eine Urkunde und die begehrte Goldmünze mit dem Konterfei von Michael Heinz Polz darauf. Die Arbeiten der drei Erstplatzierten sowie die beste Dokumentation (Yvonne und Björn Pfeiffer) konnten während des gesamten Kongresses in einer Vitrine vor dem Vortragssaal in Augenschein genommen werden. Ohne Sponsoren könnte dieser Wettbewerb nicht ausgetragen werden. Wir danken daher den Firmen Steco, Goldquadrat, SAM, NTI, Dentsply Sirona und Camlog sowie den beiden Förderern „dental excellence – international laboratory network e.V“ und „FDZt“.

Fazit

Auch wenn wir als Veranstalter im Vorfeld viel darüber reden mussten (Don’t Tell me), konnten wir am 15. und 16. September 2017 doch zeigen (Show me!), dass uns an einem ganz besonderen Kongress gelegen war – für Sie, unsere Teilnehmer. Besonderer Dank gilt auch den Dentalfirmen und Verbänden, die sich an der Industrieausstellung beteiligt und damit dafür gesorgt haben, dass die Teilnehmer sich über Produkte und Leistungen informieren, aber auch die Eintrittspreise niedrig gehalten werden konnten.

 

Kontakt

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