Präzisionsarbeit bei Zeitdruck und häufigen Arbeitsunterbrechungen kennzeichnen den Arbeitsalltag von Zahntechnikern in Dental- und Praxislaboren. Dass damit ein hoher Arbeitsstress verbunden ist, bestätigte eine Online-Umfrage des Verbandes medizinischer Fachberufe bereits im März 2019. Von den 1147 Teilnehmenden beurteilten mehr als 70 Prozent der Selbstständigen und angestellten Zahntechniker, aber auch schon mehr als die Hälfte der Auszubildenden, ihren Arbeitsstress als hochbelastend.

Ein Kooperationsprojekt soll das Bewusstsein für Arbeitsschutz-Themen und insbesondere psychische Belastungen bei allen Beteiligten der Zahntechnik schärfen und Lösungsmöglichkeiten finden. Beteiligt sind die Abteilung Arbeitsschutz und Soziales des Regierungspräsidiums Kassel, das Fachzentrum für systemischen Arbeitsschutz des Regierungspräsidiums Gießen, die Zahntechniker-Innung Kassel und der Verband medizinischer Fachberufe.

Springerpools gegen Zeitdruck

Ein erstes Ergebnis gibt es auch schon: Es wurde ein Flyer entwickelt, der einzelne Stressfaktoren und beispielhafte Maßnahmen zur Verringerung der jeweiligen Gefährdung benennt. So wird, um Zeitdruck zu begegnen, beispielsweise darauf verwiesen, dass zur personellen Unterstützung bei hohem Arbeitsaufkommen Springerpools eingerichtet werden können. Häufige Arbeitsunterbrechungen, zum Beispiel durch Telefonate, sollten vermindert werden durch die Organisation störungsfreier Arbeitssequenzen.

Weitere Beispiele für belastende Faktoren und deren Lösungen

Im Flyer werden verschiedene Faktoren genannt, die belastend sein können, und Lösungsvorschläge aufgezeigt. Hier einige Beispiele:

  • Hohe Konzentrationsanforderungen durch Präzisionsarbeit. Lösungsvorschlag: Wechselnde Aufgaben mit und ohne Präzisionsarbeit, Störungen vermeiden, Organisation störungsfreier Arbeitssequenzen, Pausen und Rückzug ermöglichen.
  • Fordernde, unhöfliche Kunden: Den Umgang mit Beschwerden und schwierigen Kunden regeln und üben.
  • Neue Herstellungsverfahren, zum Beispiel Designprogramme, CAM: Interne und externe Weiterbildungsmaßnahmen anbieten und fördern, auf ältere Mitarbeiter adäquat eingehen und sie einbinden, Lernen im Tandem.
  • Mangelhafte Arbeitsunterlagen vom Auftraggeber, beispielsweise Abdruck: Auftragsformulare mit erforderlichen Informationen, Extratermine zur Auftragsklärung, aktuelle Leistungsbeschreibungen, Zuständigen benennen, Qualitätsmanagement.
  • Unangenehme Gerüche und gefährliche Stäube, Lärm: lärm-, staub-, geruchsintensive Arbeiten mit Luftfiltersystemen, leise, staubtechnisch geprüfte Absaugung, Sichtscheibe an Erfassungseinrichtungen, Quellen identifizieren und Schutzmaßnahmen einleiten.

Eine komplette Übersicht gibt es im Flyer, der hier heruntergeladen werden kann.

„Die psychische und physische Gesundheit unserer Mitarbeiter ist ein wichtiges Gut. Deshalb müssen wir als Meister und Arbeitgeber Arbeitsschutz ernst nehmen“, sagt Raoul Gerhold, Obermeister der Zahntechniker-Innung Kassel. Karola Krell, Referatsleiterin Zahntechnik im Verband medizinischer Fachberufe, ergänzt: „Da dies jedoch noch lange keine Selbstverständlichkeit ist, werden wir als Arbeitnehmervertretung immer wieder darauf hinweisen. Gleichzeitig fehlen oft das Bewusstsein und das Wissen bei den Angestellten, sodass wir dieses Thema verstärkt in unseren Fokus genommen haben.“

Die Corona-Pandemie erfordere verstärkt die Umsetzung der geltenden Arbeitsschutzgesetze, sind sich alle Beteiligten einig. Deshalb sind weitere Projekte und Veranstaltungen geplant, um für Standards im Arbeitsschutz zu sensibilisieren.

Welche neuen Techniken und Materialien für Zahntechniker gibt es? Was holen andere Zahntechniker aus bewährten Methoden heraus? Und welche News gibt es aus der Dentalbranche? Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserem kostenlosen Newsletter, in dem wir Sie über all dies informieren. Hier geht es zur Anmeldung.