Im Juni dieses Jahres nahm Cornelia Fischer daher ihren Beruf mit nach Afrika, um im ostafrikanischen Sambia das Team der „Zahnärzte ohne Grenzen“ als Zahntechnikerin zu unterstützen. Mit der dort vorherrschenden Armut hatte sie jedoch nicht gerechnet. Die Menschen kämpfen dort um das nackte Überleben.

In diesem Teil des Landes leben die Tonga. Dabei handelt es sich um ein Nomadenvolk. Genauer gesagt, um eines von 73 Stämmen, die es in Sambia gibt. Zurückgedrängt durch den Bau des Karibastausees und auch infolge der wachsenden Bevölkerungszahl, können sie ihre alten Traditionen, wie beispielsweise das Nomadentum, nicht mehr leben. Sie müssen also irgendwo sesshaft werden, wo sie dann den Einflüssen der westlichen Welt ausgesetzt sind. So ist der afrikanische Markt von großen Softgetränkeherstellern und der Süßwarenindustrie erschlossen. Infolge des hohen Konsums zuckerhaltiger Lebensmittel, verbunden mit einer bisher nicht besonders ausgeprägten Mundhygiene, kann man den Zähnen der Sambier beinahe dabei zusehen, wie sie zerfallen.

In Sambia assistierte Cornelia Fischer unter anderem ihrem Einsatzleiter Dr. Ingo Bolg, da eine Ärztin abgesprungen war. So kam sie selbst mit vielen Patienten in Kontakt und konnte einen direkten Eindruck vom desolaten Zustand der Zähne gewinnen. Konservierend konnte in den meisten Fällen schlicht nicht gearbeitet werden und so mussten bereits am zweiten Einsatztag in Lusitu 40 Zähne extrahiert hingegen lediglich fünf Zähne konservierende versorgt werden. Bei 30 Kindern wurden die Zähne kontrolliert und auch bei ihnen mussten leider einige Extraktionen vorgenommen werden. Bei drei Patienten wurden die Zähne abgeformt, sodass Cornelia Fischer im Hospital von Siavonga Interimsversorgungen anfertigen konnte. Unter diesen Patienten war auch ein noch recht junges Mädchen, die eine Prothese bekommen sollte. Schüchtern fragte sie, wann sie diese erhalten würde, da sie sich ohne ihre vorderen Schneidezähne nicht in die Schule traue. Es ist sehr traurig, dass solch junge Menschen derart desolate Zähne aufweisen. Auch in Sambia ist es so, wie im Rest der Welt: Man hat auf dem Arbeits-sowie Heiratsmarkt weitaus bessere Chancen, wenn man über gesunde oder zumindest gesund aussehende Zähne verfügt.

Faktisch gibt es in Sambia keine Möglichkeiten, sich die Zähne restaurieren zu lassen, obwohl der Bedarf ohne Frage mehr als groß ist. Während des leider viel zu kurzen Aufenthalts im Labor musste Cornelia Fischer leider viele Patienten nach Hause schicken, ohne sie versorgen zu können. Unter ihnen war auch ein Mann, der zu Fuß einen sehr weiten Weg auf sich genommen und die Nacht im Krankenhaus verbracht hatte, um sich eine Prothese anfertigen zu lassen. Doch leider musste auch dieser Mann vertröstet werden.

Aus diesem Grund wendet sich Frau Fischer an all ihre Kollegen aus der Zahnmedizin und Zahntechnik, denn ihre Hilfe vor Ort konnte der vorhandenen Nachfrage leider nicht gerecht werden. Es gibt so viel Arbeit und so wenig Möglichkeiten für die dortige Bevölkerung. Eine zahnmedizinische und vor allem zahntechnische Versorgung gibt es in Sambia quasi nicht. Deshalb ist Unterstützung gefordert, die dafür sorgt, dass dort Arbeitsplätze geschaffen werden können und ein Dentallabor entstehen kann. Das Ziel sollte es sein, dass sich die Menschen dort selbst helfen können und somit nicht mehr dazu gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Auch wenn es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein zu sein scheint, so ergeben viele Tropfen irgendwann ein volles Gefäß. Helfen Sie mit, Sambia eine Zukunft zu ermöglichen.

In Sambia leben zirka 18 Millionen Menschen auf einer Fläche, die dreimal so groß ist wie Deutschland. 50 Prozent der Bevölkerung haben keine Arbeit und über 60 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Die Lebenserwartung der Männer liegt bei knapp 50 Jahren, die der Frauen bei knapp 53 Jahren. In ganz Sambia gibt es lediglich 50 Zahnärzte, die ausschließlich in den großen Städten praktizieren, und 200 Dental Therapists, die für den Rest der Bevölkerung zuständig sind. Allerdings ist das Outreach weitestgehend von internationaler Unterstützung abhängig. Die freie Ausbildung der Dental Therapists und Dentists wurde gestrichen, wodurch sich die zahnmedizinische Versorgung nicht gerade vereinfacht. Zahntechniker gibt es in ganz Sambia höchstens fünf, weitere zehn werden derzeit ausgebildet. Die Crux an der Sache: Es gibt kaum Labore in denen sie arbeiten können.

Aus diesem Grund möchte Cornelia Fischer mit Ihrer Unterstützung in Chilanga ein Labor einrichten. Dafür hat sie sich an die Hilfsorganisation German Dental Charity gewandt, die bereits im November einen Container, gefüllt mit zahnmedizinischen Materialien, nach Sambia schicken wird. Die Kosten für die Verschiffung des Containers werden zum Teil vom deutschen Staat finanziert. In Siavonga selbst wird die Organisation von Hermann Striedl vertreten. Er wird gemeinsam mit Dr. Thomas Baum von der German Dental Charity dafür sorgen, dass alles vom Flughafen in Lusaka aus nach Chilanga transportiert wird, um dort ein Dentallabor einzurichten.

Generell fehlt es in Sambia an allem. Wichtig für das Labor wären jedoch ein kleiner und leiser Kompressor, Rüttler, No-Flame-Induktionsbrenner, ein Handstück, ein Arbeitstisch mit Absaugung, ein Drucktopf mit Befüllschlauch und Füllventil, ein Poliermotor, Trimmer, Wasserkocher, ein Vakuumanrührgerät sowie ein Abdampfgerät. Zunächst werden hauptsächlich Geräte für die Kunststofftechnik benötigt. Im nächsten Schritt dann Geräte für den Modellguss und die Brückentechnik. Alle, die das eine oder andere alte, aber funktionstüchtige Gerät bei sich im Labor haben, für das noch Ersatzteile auf dem regulären Markt erhältlich sind und das nicht mehr benötigt wird, können diese an die Organisation für Sambia spenden. Selbstverständlich ist es auch möglich, Geld zu spenden, damit die benötigten Geräte gekauft und nach Ostafrika geschickt werden können. Häufig findet man in Sambia Geräte vor, die nur teilweise oder gar nicht mehr funktionieren. Normalerweise können die Sambier sehr gut improvisieren und finden heraus, wie sie wieder etwas in Schwung bekommen. Doch wenn keinerlei Ersatzteile erhältlich sind, wird es auch in Sambia mit dem improvisieren schwer. Helfen Sie mit, Menschen dabei zu helfen, sich selbst zu helfen!