Im Rahmen der Studie war bekannt geworden, dass neben vielen anderen Zahnmedizinern auch Otto Walkhoff, ursprünglich Namensgeber des Preises, bereits vor 1933 in die NSDAP eingetreten war.

Im Auftrag von Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung (KZBV), Bundeszahn­ärzte­kammer (BZÄK) und Deutscher Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kiefer­heil­kunde (DGZMK) war in den vergangenen vier Jahren in Kooperation mit renommierten, unabhängigen Wissen­schaftlern der Universitäten Düsseldorf und Aachen unter Federführung von Prof. Dr. Dr. Dr. Dominik Groß die Rolle der Zahnheilkunde im NS-Regime systematisch aufgearbeitet worden. Es handelt sich um die erste umfassende historisch-kritische Darstellung der Geschichte der Zahnärzteschaft während der Nazi-Diktatur.

Demnach waren gut 60 Prozent der Hochschullehrer in der Zahn-Mund-Kieferheilkunde NSDAP-Mitglieder. Diverse Professoren engagierten sich in der SS beziehungsweise Waffen-SS. Auch einige Präsidenten der DGZMK zwischen 1906 und 1981 waren NSDAP-Mitglieder – unter anderem Otto Walkhoff. Er war von 1906 bis 1926 DGZMK-Präsident und bereits lange vor Hitlers Machtübernahme im Jahr 1929 in die NSDAP eingetreten. Damit ist er der Gruppe der frühen und überzeugten National­sozialisten zuzurechnen.

In bisheriger Unkenntnis dieser Tatsache hat die DGZ seit dem Jahr 2000 den Walkhoff-Preis verliehen. Mit dem mit 3000 Euro dotierten Preis zeichnet der DGZ-Vorstand während der Jahrestagungen herausragende wissenschaftliche Arbeiten im Bereich Präventive Zahnheilkunde, Restaurative Zahnerhaltung und Endodontologie aus.

„Die NSDAP-Mitgliedschaft von Otto Walkhoff war uns bislang nicht bekannt“, sagt DGZ-Präsident Prof. Dr. Christian Hannig. „Die DGZ repräsentiert als zahnmedizinische Fachgesellschaft auch Werte wie Humanität, Achtung der Menschenwürde und die freiheitlich demokratische Grundordnung. Als Zahnmediziner und Wissenschaftler haben wir nicht nur eine große fachliche Verantwortung, sondern auch eine gesamtgesellschaftliche. In der Konsequenz werden wir daher den Walkhoff-Preis der DGZ in DGZ-Publikationspreis umbenennen. Alle bisherigen Preisträger des Walkhoff-Preises erhalten eine geänderte Urkunde.“

Unter den Ehrenmitgliedern der DGZ fanden sich ebenfalls ehemalige NSDAP-Mitglieder. Alle betroffenen Personen sind inzwischen verstorben. Mehr Informationen dazu und zum Forschungsprojekt „Zahnmedizin und Zahnärzte im Nationalsozialismus“ finden Sie auf der Homepage der DGZ.