Lieber Herr Woldegergis, am 04.09.2019 erfolgte die Eintragung der i-ProDens GmbH ins Handelsregister. Wie war dieser Moment für Sie?

Yohannes Woldegergis: Witzigerweise wurde dieses Ereignis zuerst online von Kulzer entdeckt, während Stefanos und ich ungeduldig auf den Briefposteingang gewartet haben. Die Eintragung war schon ein großer Meilenstein – verbunden mit aufwühlenden und sehr befriedigenden Gefühlen. Bis zu diesem Zeitpunkt lagen turbulente Zeiten hinter uns. Kulzer gab im Juni die Schließung des Fertigungszentrums sowie die weitere Verfahrensweise bekannt. Für unser Team in der Produktion, die diesen Geschäftszweig mit aufgebaut hatten, war das so nicht hinnehmbar, denn wir brennen für unsere entwickelten Verfahren und Produkte seit mehr als zehn Jahren. Kulzer war zwischen 2005 und 2007 eines der letzten großen Dentalunternehmen, das noch nicht in die digitale Zahntechnologie (CAD/CAM) einstieg. Innerhalb von sechs Jahren haben wir es zur Marktführerschaft gebracht. Das liegt zum einen daran, dass wir von Anfang an auf eine hohe Automatisierungstechnik Wert gelegt haben und zum anderen steht Kulzer seit jeher für qualitativ hochwertige Produkte sowie besonders guten Service – auch beim Kunden vor Ort.

Lieber Herr Hormann, wie konnten Sie sich binnen so kurzer Zeit mit Kulzer einigen?

Stefanos Hormann: Indem wir unter anderem unsere beiden in diese Zeit fallenden Sommerurlaube mit der Erstellung von Businessplänen – sechs Revisionen innerhalb von sieben Wochen – und der Suche nach Investoren verbrachten. Aber auch Punkte, bei denen beide Parteien weit auseinanderlagen, waren auszuräumen. Selbstverständlich war das auch ein immenser Kraftakt des Kulzer-Managements, mit dem wir im ständigen Austausch standen. Beide Seiten sahen hier die Gelegenheit, für die Produktionsmitarbeiter und die Kunden des Fertigungszentrums einen Fortbestand dieses Geschäftszweigs zu ermöglichen.

Herr Woldegergis, eine Neugründung birgt nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Wie schätzen Sie die Erfolgschancen von i-ProDens ein?

Woldegergis: Sehr gut! Wir waren uns darüber im Klaren, woran der umfängliche und langfristige Erfolg des Fertigungszentrums bisher gescheitert ist: Entscheidungswege im großen Unternehmen dauern für Kunden manchmal zu lang, um Zahntechnikern in der neuen schnelllebigen digitalen Welt praktikable Lösungen zu einem angemessenen Preis anbieten zu können. Genau hier setzen wir an. Von dem i-ProDens Geschäftsmodell sind auch die aktuellen Kunden des Fertigungszentrums begeistert. Sie haben uns direkt angesprochen und sich über den Fortbestand der Produktlinie gefreut. Außerdem war unser Konzept so überzeugend, dass wir innerhalb von nur zwei Wochen Investoren gefunden haben. Das hat uns darin bestärkt, dass die wirtschaftlichen Pläne für das Fertigungszentrum nicht nur aus unserer Sicht, sondern auch für externe Investoren Sinn ergeben. Schließlich basierte deren Entscheidung, sich einzubringen, auf der objektiven Bewertung von Daten und Fakten – während bei uns auch viele Emotionen im Spiel waren.

Stefanos Hormann (links) und Yohannes Woldegergis kennen sich von Kindesbeinen an.

Wie verbessern und vereinfachen Ihre Lösungen das Alltagsleben des Zahntechnikers?

Hormann: Zahntechniker können bei i-ProDens auf die volle Unterstützung in unserer Spezialdisziplin zählen: der Herstellung von individuellem, CAD/CAM-gestützt gefertigten Zahnersatz. Wir sehen uns als Dienstleister der Teams in gewerblichen Laboren und Praxislaboren, das heißt, wir wollen flexibel und schnell auf ihre sich ständig ändernden Anforderungen reagieren. Des Weiteren stehen wir den Laborleitern auf ihrem weiteren Weg vom Handwerks- und Technikbetrieb in ein hochmodernes digitales Unternehmen zur Seite. Gemeinsam entwickeln wir automatisierte Verfahren, um Abläufe beim Kunden einfacher und kosteneffizienter zu gestalten.

Woldegergis: Gleich ab Januar können Zahntechniker bei uns CAD/CAM-gestützt gefertigten Modellguss bestellen. Bekanntlich ist das einer der letzten Prozesse, der im Labor häufig noch manuell mit Hilfe von speziellen Fachkräften gusstechnisch realisiert wird. Wir wollen das Labor davor schützen, auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels, diese Produkte dem Zahnarzt künftig nicht mehr anbieten zu können. Zudem werden wir nach und nach das Angebot an Kobalt-Chrom I-Butments, gerade und anguliert, passend für alle gängigen Implantatsysteme erweitern.

Herr Hormann, Sie teilen sich mit Herrn Woldegergis die Geschäftsleitung. Haben Sie schon lange mit diesem Gedanken gespielt?

Hormann: Ja, gedanklich haben wir verschiedene Ideen gelegentlich durchgespielt (lacht). Allerdings hat uns unser Job bei Kulzer, gerade auch mit dem außergewöhnlich guten Teamgeist, immer sehr viel Spaß und Freude bereitet. Als dann diese Gelegenheit kam, brauchten wir nicht lange zu überlegen, ob wir das gemeinsam machen wollen. Yohannes und ich kennen uns seit der 5. Klasse, haben im selben Ort gewohnt und vier Jahre lang in einer Mannschaft Fußball gespielt. Das schweißt zusammen. Noch dazu haben wir damals beide bei Heraeus Kulzer die gleiche technische Ausbildung absolviert und auch danach nie den Kontakt verloren. Als Yohannes im Rahmen seiner Prozessentwicklertätigkeit bei Heraeus Kulzer die erste Entwicklungsmaschine aufgebaut hatte, befand ich mich noch im Studium. Ich wechselte dann für die Diplomarbeit in Yohannes Abteilung. Die Diplomarbeit handelte von der „Untersuchung des Sinterverzugs an weitspannigen Zirkondioxid-Gerüsten“. Danach waren mein Interesse und meine Begeisterung an den Prozessen zur Herstellung von prothetischem Zahnersatz geweckt, so dass ich bis heute dem Unternehmen treu geblieben bin.

Ab Januar wird das Portfolio um CAD/CAM-gestützt gefertigten Modellguss erweitert.

Wie lauten Ihre vorrangigen Ziele in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020?

Woldegergis: Am liebsten möchten wir uns den Zahntechnikern persönlich vorstellen, aber aufgrund unserer Geschäftsführertätigkeit wird dies leider nur eingeschränkt möglich sein. Unsere Kunden sind selbst Unternehmer und können sicher nachvollziehen, welcher strukturelle Aufbau momentan zu bewältigen ist. Per Telefon und Mail stehen wir allerdings häufig mit den Kunden in Kontakt, um herauszufinden, was schon gut läuft und ob der Kunde eventuell sogar noch Ideen oder Wünsche bezüglich Produktverbesserungen und weiterer Produkte hat. Unser wichtigstes Ziel ist es, Zahntechnikern von Anfang an die bewährte Produktqualität mit dem gewohnt guten Service liefern zu können. Wir freuen uns auf die ersten Aufträge im Januar als neuer und zugleich vertrauter Partner der Teams im Dentallabor für individuellen, CAD/CAM-gestützt gefertigten Zahnersatz.

Lieber Herr Woldegergis, lieber Herr Hormann vielen Dank für das offene Gespräch.