Sehr geehrter Herr Hack, stellen Sie sich doch unseren Lesern bitte kurz vor.
Thomas Hack: Ich bin 46 Jahre halt, habe eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert, BWL in Frankfurt und San Diego studiert und nach Stationen im Private Equity und Investment Banking rund fünf Jahre die Unternehmensentwicklung bei der Sirona Dental-Gruppe geleitet. Seit 2010 bin ich seit der Ausgründung der Zentralfertigungsaktivitäten als Geschäftsführer tätig, zunächst für die Infinident Services und dann im Rahmen eines Management-Buy-out seit 2018 für die Infinident Solutions GmbH. Ich lebe mit meiner Frau, drei Kindern und einem Hund im Rhein-Main-Gebiet.

Sie verantworten also seit neun Jahren ein dentales Fertigungszentrum. Wie ist die Infinident Solutions im Vergleich zu früher aufgestellt?
Hack: Im Vergleich zu früher steht die Infinident Solutions auf einer breiteren technologischen Basis. So können wir den Kundenanforderungen der heutigen digitalen Zeit ­perfekt gerecht werden. Mit der Übernahme der Geschäftstätigkeit von Dentsply Sirona haben wir zudem einen der größten industrie- und laborunabhängigen CAD/CAM-Dienstleister geschaffen und können unsere Kunden frei von Konzernüberlegungen mit passenden Lösungen versorgen.

Kritiker der Outhouse-Fertigung nennen immer wieder die verlorengegangene Wertschöpfung im Labor. Wie begegnen Sie dieser Aussage?
Hack: Das sehen wir ausdrücklich anders! Zudem erachte ich den Begriff der Wertschöpfung, der ja vereinfacht als Produktionswert minus Vorleistungen berechnet wird, in ­diesem Zusammenhang als irre­führend. Die Infinident hat sich klar als reiner Anbieter von Halbfertigerzeugnissen positioniert. Aus diesem Grund stellen wir als Vorlieferant insbesondere sicher, zum einen nicht als Wettbewerber zu unseren Kunden – den Dentallaboren – aufzutreten und zum anderen die bestmögliche Ausgangsbasis für die Wertschöpfung im Labor, also die zahn­technische Leistungserstellung, zu gewährleisten. Dies mag bei einem ­Fertigungsdienstleister mit angeschlossenem Laborbetrieb anders geartet sein, denn dort besteht nun potenziell immer die Gefahr, dass die gleiche Leistung dem Behandler auch direkt angeboten werden könnte. Wir sehen uns daher eher als „Enabler“, das heißt in einer geschäftsunterstützenden Funktion oder eben als die vielbeschworene verlängerte Werkbank und somit Teil des Teams.

Worin liegen die Vorteile für Zahntechniker, wenn sie Prozesse, also die Fertigung bestimmter Produkte, auslagern?
Hack: In unserer digitalisierten Branche ist gerade vieles im Umbruch, und alle zwei Jahre werden auf der IDS neue Trends und Technologien vorgestellt. Für unsere Kunden, deren Kernkompetenz die zahntechnische, also ästhetische Leistung ist, wird dieser Dschungel an Informationen immer undurchsichtiger, und das Investitionsrisiko steigt zunehmend. Geld kann nun mal immer nur einmal ausgegeben werden. An dieser Stelle kommen wir ins Spiel. Denn als hochspezialisierter Anbieter verfolgen wir den Markt und investieren zielgerichtet in neue Technologien, um diese unseren Kunden zu fairen Konditionen zugänglich zu machen.

Schaffen sich Labore durch die Nutzung externer Fertigungsdienstleistungen nicht selbst ab?
Hack: Ganz im Gegenteil. Die Zusammenarbeit mit einem Fertigungsdienstleister wie Infinident Solutions eröffnet dem Labor doch die höchstmögliche Handlungsfreiheit. Es gibt keine langfristigen Verpflichtungen, und wir müssen unsere Qualität bei jeder Bestellung erneut unter Beweis stellen. Zudem kann Infinident als industrieunabhängiger Anbieter auch völlig kundenorientierten Zahntechniksupport anbieten, da wir keinen Vertriebs- und/oder Konzernvorgaben unterliegen. Und sollte die Qualität mal nachhaltig nicht stimmen, so kann der Kunde in der offenen Welt jederzeit zu einem anderen Anbieter wechseln.

Würden Sie sagen, es gibt so etwas wie eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die die Outhouse-Fertigung bestimmter Strukturen rechtfertigt?
Hack: Die gibt es sicherlich, das sollte aber aufgrund der Individualität der Zahntechnik von Fall zu Fall bewertet werden. Grundsätzlich bedarf es dazu zunächst einmal einer ehrlichen Bewertung der eigenen betriebswirtschaftlichen Aufwendungen. Da sehen wir sehr oft, dass für Vergleiche der Sinnhaftigkeit einer Auslagerung nur die Materialkosten herangezogen werden. Die anteiligen internen Kosten zum Beispiel für Mitarbeiter, Strom, Miete, Werkzeugverbrauch, Maschinen­wartung oder auch Lizenzkosten – die betriebswirtschaftlich durchaus nennenswert sein können – werden nur allzu oft vollständig außer Acht gelassen. Generell kann man sicher sagen, dass die Inhouse-Fertigung bei zeitkritischen Aufgaben natürlich immer gewisse Vorteile haben kann.

Herr Hack, ist nicht Fertigungsdienstleister gleich Fertigungsdienstleister? Worauf sollte man als potenzieller Kunde achten?
Hack: Fragt man den Kunden, ist die naheliegende Antwort oft ausschließlich der Preis. Das wäre aber zu kurz gesprungen. Aus meiner Sicht ist es zunächst die Erfahrung in Verbindung mit der eingesetzten Technologie, die für den Kunden einen Mehrwert bieten kann. Das schafft zunächst Sicherheit und eine gleichbleibende Qualität für den Kunden. Niemand möchte seinen Behandler kontaktieren, weil mal wieder eine Arbeit nicht rechtzeitig oder nicht in der erwarteten Qualität geliefert wurde. Auch sollte jederzeit ein Ansprechpartner für die Beantwortung der entscheidenden Fragen im Vorfeld („Welches Material ist am besten ­geeignet?“) sowie im Nachgang („Wie bearbeite ich das Produkt jetzt optimal weiter?“) verfügbar sein.

Was ist die USP der Infinident Solutions?
Hack: Wir glauben, dass wir aufbauend auf unseren mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Herstellung von industriell gefertigten Halbfertigerzeugnissen für Dentallabore und unserer breiten technologischen Basis mehr als nur ein verlässlicher Partner für das Dentallabor sind. Das bestätigen uns auch jeden Tag unsere Kunden mit ihrem erneuten Vertrauen. Zudem sind wir, wie bereits vorher angesprochen, ein industrie- und laborunabhängiger Partner, der zwar nahezu ausschließlich Zahntechniker und Zahntechnikermeister beschäftigt, aber selbst keine zahntechnischen Leistungen anbietet.

Erlauben Sie den Blick in die dentale Glaskugel. Wie sieht die Zahntechnik im Jahr 2030 aus?
Hack: Glasig. Und irgendwie kugelrund (lacht).