Herr Fischer, eine große Herausforderung beim digitalen Workflow stellt die Kontamination von CAD/CAM-Abut­ments dar. Welche Arten der Verunreinigung gilt es zu unterscheiden?

Carsten Fischer: Herausforderung ist in diesem Zusammenhang das richtige Wort. Bisher waren wir uns der herstellungsbedingten Verunreinigungen noch zu wenig bewusst (Abb. 1). Diese können sowohl organischen als auch anorganischen Ursprungs sein. Die Partikel können tief in das Objekt eindringen, also eingelagert, aber auch auf der Oberfläche aufgelagert sein. Es gibt verschiedene Arten der Kontamination; der Klassiker sind Fräserspanablagerungen vom maschinellen Fräs- und Herstellungsprozess, aber auch Fingerfett und Rückstände von rotierenden Instrumenten bei der Bearbeitung durch den Zahntechniker. Daneben gibt es noch chemische Rückstände industrieller Waschprotokolle und Rückstände der laborseitigen Verklebung und aus Transportverpackungen, aber auch Blutbestandteile, Sekrete und Exkrete, die beispielsweise von den Einproben herrühren.

Was sind die Risiken einer möglichen Kontamination?

Fischer: Das können unterschiedliche Risiken sein: Eine Kontamination kann negative mechanische und biologische Einflüsse mit sich bringen. Gerade in den sensiblen submukösen Bereich, der eigentlich ausreifen soll, können wir Entzündungsprozesse einbringen, wodurch es zu einer erhöhten Osteoklastenaktivität und damit zu erhöhtem Knochenabbau kommen kann.

Mehr Hygiene, bitte!

Was gibt es bei der Aufbereitung von implantatprothetischen Bauteilen zu beachten und wie kann man seine Kunden dabei unterstützen?

Fischer: Das ist ein sehr wichtiger Punkt, denn nur wir Zahntechniker kennen die Herstellungsprozesse im Detail und wissen, worauf wir Einfluss nehmen können. Ich bin der Meinung, da muss der Zahntechniker im Team mit seinen Kunden arbeiten, obwohl wir selbstverständlich wissen, dass es letztlich der Zahnarzt ist, der für die Arbeit verantwortlich ist. Bei den prothetischen Bauteilen handelt es sich um kritische beziehungsweise semikritische Teile, die in den Mund eingebracht werden. Um die Risiken für den Patienten möglichst gering zu halten, müssen wir Zahntechniker die Oberfläche sicher vorbereiten. Wir sprechen da von einer gezielten Restrauigkeit von 0,2 bis 0,4 µm. Das ist die Benchmark, die wir erreichen wollen. In diesem Bereich besteht eine gute Geweberegeneration. Außerdem müssen wir unsere Teile auch sachgemäß reinigen. Abdampfen mit heißem Wasserdampf ist kein probates Mittel, da diese Methode keinen Reinigungseffekt erzielt.

Ich verwende ein dreistufiges Reinigungsprotokoll mit Ultraschall (A.d.R.: Reinigungsprotokoll Finevo Cleaning System oder auch kurz FCS nach Gehrke/Fischer), bei dem wir verschiedene Reinigungsflüssigkeiten einsetzen. Es ist ein sehr einfaches, sehr gut nachvollziehbares effektives Reinigungsprotokoll, das wir bereits seit vielen Jahren erfolgreich verwenden, um Viren und Keime zu eliminieren und saubere Oberflächen zu erhalten. Im ersten Schritt wird Finevo 01 verwendet, im zweiten Ethylalkohol und im dritten Schritt wird mit hochreinem Wasser gespült. Der gesamte laborseitige Ablauf funktioniert so: Zunächst werden zweiteilige Abutments entsprechend den Herstellervorgaben verklebt (Abb. 2). Anschließend werden die Überschüsse durch eine entsprechende Oberflächenbearbeitung beispielsweise mit den Panther Abutment Surface Instrumenten entfernt (Abb. 3 und 4). Dann folgt das Reinigungsprotokoll mit dem Finevo-System (Abb. 5), wobei die einzelnen Schritte in einem separaten Behälter im Ultraschallgerät bei circa 30 °C durchgeführt werden. Damit die keimfreien und konservierten Bauteile (Abb. 6) auf dem Weg in die Praxis geschützt bleiben, werden sie vor dem Versand eingeschweißt.

Abbildung 1 bis 6