Keramik

Martin Frontull und Domenika Diesing von Ivoclar Vivadent über das neue Metallkeramik-System IPS Style

Metallkeramik mit Stil

Ein Beitrag von Domenika Diesing und Martin Frontull

Themen:  Keramik

Ivoclar Vivadent zählt zu den Pionieren dentaler Keramiken und ist in vielen Produktbereichen Weltmarktführer. Während der vergangenen Jahrzehnte hat das Unternehmen den Keramikmarkt revolutioniert und ein umfassendes Produktportfolio geschaffen. Auch im Bereich der Metallkeramiken, die seit Jahren zum Standard in jedem Labor zählen, hat sich Ivoclar Vivadent etabliert. Obwohl heute meistens vollkeramische sowie digital gestützt gefertigte Restaurationen im Fokus der Öffentlichkeit stehen, bringt Ivoclar Vivadent nun mit IPS Style eine neue Metallkeramik heraus. Dan Krammer, Chefredakteur der dental dialogue, wollte Näheres hierzu wissen und bat die beiden Ivoclar Vivadent-Produktmanager Martin Frontull und Domenika Diesing zu einem Gespräch.

01 Auch wenn dentale Metallkeramiken seit langem am Markt bekannt und etabliert sind, lässt sich noch vieles optimieren. Diese Optimierungen hat sich Ivoclar Vivadent zum Ziel gesetzt. Sie sind in die neue IPS Style eingeflossen

Metallkeramik gibt es seit mehr als 40 Jahren. Digitale Prozesse und CAD/CAM gewinnen weltweit an Bedeutung. Warum ist es für Ivoclar Vivadent dennoch Zeit für die neue Metallkeramik IPS Style?

Domenika Diesing: Auch wenn in den Medien und Gesprächen das Thema CAD/CAM dominiert, zählen metallkeramische Restaurationen – und damit die klassische Arbeitsweise – nach wie vor zum zahntechnischen Alltag. Metallkeramische Versorgungen bilden immer noch den größten Anteil im Bereich der festsitzenden Prothetik. Weltweit werden mehr als 60 Prozent der Restaurationen mit Metallkeramik verblendet. Im Gesamtbild sind die Marktzahlen in diesem Segment weltweit stabil. All das zeigt, dass Metallkeramik weiterhin relevant ist. Und das wird vorläufig auch so bleiben.

Trotzdem hat sich in den vergangenen Jahren nur wenig in der Entwicklung der Metallkeramik getan. Die digital gestützte Fertigung von Metallgerüsten wird zwar mehr und mehr zum Laborstandard, doch die Hersteller bestehender Metallkeramik-Systeme reagieren darauf kaum. Neue Ansätze, die dieser Entwicklung entsprechen, sind nicht zu finden. Auch im Hinblick auf eine wirtschaftlichere Verarbeitung der Keramiken gibt es noch viel Potenzial. Fragt man die Anwender direkt, so wird einmal mehr deutlich, dass ihre Bedürfnisse unerfüllt sind. Da der wirtschaftliche Druck zunimmt, muss der Arbeitsablauf effizienter sein. Die Kunden wünschen sich einfache Produkte bei gleichzeitig allerhöchster Ästhetik. Zudem sollten die Übergänge von analog zu digital fließend sein. Kurzum, auch wenn Metallkeramik seit langem am Markt bekannt und etabliert ist, lässt sich noch vieles optimieren. Diese Optimierungen sind in IPS Style eingeflossen (Abb. 1).

Bietet IPS Style wirklich Neues, oder handelt es sich dabei nur um „alten Wein in neuen Schläuchen“?

Martin Frontull: Auf jeden Fall um neuen Wein, keinen alten. Das neue Metallkeramik-System beinhaltet wichtige Innovationen. Es hält die Lösung für manches bereit, was bei bisherigen Systemen trotz 40-jähriger Anwendung noch nicht optimal lief. Da wären zum Beispiel der Schrumpf und die nicht immer einfache Handhabung. Und die Ästhetik – das erste sichtbare Verkaufs­argument für die zahntechnische Arbeit. Bei all diesen Punkten wartet IPS Style mit Verbesserungen auf. Der Grundgedanke hinter IPS Style ist, dass Anwender so frei wie möglich arbeiten können. Dies gilt auch im Hinblick auf die Auswahl der Gerüstwerkstoffe.

Was genau meinen Sie damit?

Frontull: IPS Style ist mit allen gängigen Legierungen im indizierten WAK-Bereich kompatibel. Es kann auch bei edelmetallfreien Legierungen direkt ohne Bonder appliziert werden. Insbesondere für die Kompatibilität zu analog oder CAD/CAM-gestützt hergestellten Gerüsten ist das ein wesentlicher Aspekt. Selbstverständlich haben wir auch überprüft, ob unsere eigenen Legierungen mit IPS Style kompatibel sind. Das Ergebnis war positiv.

02 - 04 Eine Besonderheit der Metallkeramik IPS Style ist das patentierte Oxyapatit. Das heißt IPS Style ergänzt in einer neuartigen Kristallarchitektur die bekannten Kristalle Leuzit und Fluorapatit mit Oxyapatit-Kristallen: Die Oxyapatit-Kristalle besitzen ein sehr hohes Rückstrahlvermögen von einfallendem Licht. Das bedeutet, dass sehr viel Licht reflektiert wird …

05 … und fast keine Lichtabsorption stattfindet. Dies trägt maßgeblich dazu bei, dass die mit IPS Style verblendeten Restaurationen eine Tiefenwirkung aufweisen, wie sie bei den natürlichen Zähnen zu finden ist

Was ist denn bei IPS Style konkret neu oder anders?

Frontull: IPS Style ist die erste Metallkeramik mit patentiertem Oxyapatit. Oxyapatit-Kristalle wurden bislang noch nicht in dentalen Keramiken verwendet. Das ist absolut neu. In Metallkeramiken haben sich weitgehend Leuzit- und Fluorapatit-Kristalle als feste Bestandteile etabliert. Die Metallkeramik IPS Style ergänzt nun in einer neuartigen Kristallarchitektur die bekannten Kristalle mit Oxyapatit-Kristallen (Abb. 2 bis 4). Auf diese Weise erreicht die Keramik maßgeschneiderte Eigenschaften. Leuzit kontrolliert die Expansion und die Festigkeit. Fluorapatit sorgt für eine natürliche Grundhelligkeit, Vitalität und Brillanz. Den Oxyapatit-Kristallen kommt nun eine ganz spezielle Funktion zu, denn sie besitzen ein sehr hohes Rückstrahlvermögen von einfallendem Licht. Das bedeutet, dass sehr viel Licht reflektiert wird und im Umkehrschluss dazu fast keine Lichtabsorption stattfindet. Dies trägt maßgeblich dazu bei, dass die mit IPS Style verblendeten Restaurationen optische Eigenschaften wie ihre natürlichen Vorbilder aufweisen. Konkret entsteht durch die Oxyapatit-Kristalle eine Tiefenwirkung (Abb. 5).

Oxyapatit-Kristalle sind in allen farbtragenden Komponenten von IPS Style enthalten. Ihr Gehalt variiert vom Opaker bis hin zu den Schneide-Massen. Somit lässt sich die Transluzenz beziehungsweise Opazität der aus IPS Style gefertigten Restaurationen direkt kontrollieren. Die exzellente Grundhelligkeit des Materials führt intraoral zu natürlich wirkenden Ergebnissen. Zudem sind diese unabhängig von der Anzahl der Brände sehr farbstabil.
Das optimierte Schrumpfverhalten und das minimierte Abrunden der Kanten während der Brände sind weitere wesentliche Aspekte, die IPS Style auszeichnen. So kommt der Anwender in kurzer Zeit zum gewünschtem Ergebnis. Denn die Endkontur lässt sich aufgrund des geringen Schrumpfes bereits für den ersten Brand schichten. Dadurch verringert sich die Anzahl der Brände, da Korrekturbrände minimiert werden. Entsprechend verkürzt sich auch die gesamte Arbeitszeit, die die Anwender für die Anfertigung der Restauration aufwenden müssen.

06 & 07 Trotz der neuen Kristall-Kombination hat sich an der Anwendung und Verarbeitung der IPS Style-Verblendkeramik nichts verändert. Die Handhabung ist wie gewohnt und die Massen lassen sich sehr leicht modellieren. Die Standfestigkeit der Keramik ist bemerkenswert, was sich bei der Applikation auszahlt

Diesing: Trotz der neuen Kristall-Kombination hat sich übrigens nichts an der Anwendung und der Verarbeitung der Keramik verändert. Die Handhabung erfolgt wie gewohnt. Die Massen lassen sich sehr leicht modellieren, und die Standfestigkeit der Keramik bei der Applikation ist hervorragend (Abb. 6 bis 8). Durch die von meinem Kollegen beschriebene Kristallkombination aus Oxyapatit und Fluorapatit ergeben sich einzigartige optische Eigenschaften. Hinzu kommt, dass das System sehr flexibel konzipiert wurde. Es gibt daher Komponenten für die klassische Mehrschichttechnik, aber auch für die Einschichttechnik. Das umfassende Angebot an Massen macht IPS Style zu einer Keramik, die nahezu grenzenlose Farbspiele ermöglicht (Abb. 9).

Herr Frontull, einleitend sprachen Sie davon, dass IPS Style mit dem Ziel entwickelt wurde, dass Anwender so frei wie möglich arbeiten können. Wie ist das zu verstehen?

Frontull: IPS Style schränkt Anwender nicht ein, was den von ihnen bevorzugten Arbeitsstil angeht. Daraus entwickelte sich auch das Produktmotto „Make it your Style!“. Wie zuvor erwähnt, beinhaltet das System nicht nur eine Vielzahl verschiedener Massen, sondern auch spezielle Komponenten für Ein- und Mehrschichttechnik. Damit kann der Anwender je persönlicher Präferenz und nach Indikation aus dem Produktsortiment von IPS Style wählen. Von einer schnellen Einschicht-Schichtung bis zu einer hochästhetischen Schichtung ist somit alles möglich.

Was waren die speziellen Herausforderungen bei der Entwicklung dieser Keramik?

Frontull: Der Markt erwartet grundsätzlich Innovationen, allerdings nicht bei Metallkeramiken. IPS Style musste deshalb so gut sein, dass es die Anwender gleich überzeugt. Dies zu schaffen, war eine Herausforderung. Eine andere Aufgabe aus materialtechnologischer Sicht bestand darin, sich an eine optimale Balance heranzutasten. Denn die Auswirkungen der einzelnen Material-Bestandteile sind nicht von vornherein vorhersehbar. Zudem galt es zu bedenken, dass die gezielte Verbesserung einer Eigenschaft zu einer Verschlechterung einer anderen Eigenschaft führen kann. Unser Ziel bestand darin, die Vorteile des Oxyapatit-Kristalls zu nutzen, ohne auf die bewährten Eigenschaften von Leuzit- und Fluorapatit-Kristallen verzichten zu müssen. Außerdem sollte die neue Metallkeramik niedrigschmelzend sein und zugleich die Top-Eigenschaften der hochsinternden Keramiken aufweisen. Und schließlich musste IPS Style auch in unser Keramik-Konzept passen. Es gab also viele Herausforderungen.

Für welchen Einsatz eignet sich IPS Style besonders?

Frontull: IPS Style eignet sich für alle metallkeramischen Restaurationen, von Einzelzahnkronen bis zu mehrgliedrigen Brücken, aber auch für die Anfertigung von Veneers und die Rekonstruktion von Gingiva-Anteilen. Das System besteht aus IPS Style Ceram für die klassische Mehrschichttechnik und IPS Style Ceram One für die Einschichttechnik. Für Indikationen, in denen Ästhetik eine besondere Rolle spielt – zum Beispiel den Frontzahnbereich –, eignet sich IPS Style Ceram, für den Seitenzahnbereich IPS Style Ceram One. IPS Style ist auch eine hervorragende Ergänzung zu Restaurationen aus IPS e.max, da sich die Keramik ästhetisch und funktionell problemlos in das Gesamtbild einpasst. Auf diese Weise können auch komplexe klinische Situationen für den Behandler und den Patienten äußerst zufriedenstellend gelöst werden.

08 Das IPS Style-System wurde sehr flexibel konzipiert. Es gibt daher Komponenten für die klassische Mehrschicht-, aber auch für die Einschichttechnik. Das umfassende Angebot an Massen ermöglicht nahezu grenzenlose Farbspiele 

Was müssen Anwender wissen, bevor sie zum ersten Mal mit dem IPS StyleSystem arbeiten?

Frontull: IPS Style ist gänzlich neuartig und nicht mit Bisherigem vergleichbar und dennoch bleibt die Anwendung an sich wie gehabt. IPS Style kann wie gewohnt verarbeitet werden. Auch der passende Pulveropaker IPS Style Ceram Powder Opaquer ist sehr leicht aufzutragen und deckt Legierungsgerüste bereits in einer dünnen Schicht sehr gut ab. Das Risiko von Fehlern ist somit sehr gering, und es ist auch kein spezielles Training erforderlich, denn alle Komponenten sind sehr einfach zu handhaben. IPS Style lässt sich am besten mit „schöner, einfacher, angenehmer“ beschreiben.

An wen richtet sich die neue Metallkeramik?

Diesing: An alle, vom Einsteiger bis zum erfahrenen Anwender. Ebenso an Anwender, die aufwendig klassisch schichten, oder aber auch an diejenigen, die lieber auf einfache, effiziente Weise Restaurationen erstellen. All das sind Kriterien, weswegen sich IPS Style sowohl für große als auch für kleine Labore eignet. Auch der Schwerpunkt des Labors, ob überwiegend Metall- oder Vollkeramikrestaurationen gefertigt werden, ist für die Anwendung von IPS Style damit letztlich nicht entscheidend. Als Bestandteil von IPS Style bringt IPS Ivocolor, das neue Malfarben- und Glasursortiment von Ivoclar Vivadent, die Keramiken ohnehin näher zusammen.

Können Sie auf IPS Ivocolor noch etwas detaillierter eingehen?

Frontull: IPS Ivocolor ist ein universelles Malfarben- und Glasursortiment mit einem ganz neuen Farbportfolio. Das Besondere daran ist, dass es mit allen gebrannten IPS-Keramiken von Ivoclar Vivadent und mit den Zirkonoxiden von Wieland Dental, zum Beispiel Zenostar, kompatibel ist. Somit ist IPS Ivocolor auch für vollkeramische Restaurationen, etwa aus IPS e.max, eine Option. IPS Ivocolor ist somit das übergreifende Bindeglied zwischen Metall- und Vollkeramik-Restaurationen. Das reduziert nicht nur den Lagerbestand an benötigten Farben, sondern erleichtert auch die Herstellung komplexer Restaurationen erheblich.

Diesing: Es gibt nunmehr ein einziges Malfarben- und Glasursystem für alle Keramiken. Das Streben nach Überschaubarkeit und Wirtschaftlichkeit eines Systems ist also prima gelungen. Der Anwender hat erhebliche Flexibilität, denn von der Bemalung und der Glasur bis zum Einmischen in Keramikmassen ist alles möglich. 

Wie sind die ersten Reaktionen seitens des Marktes?

Frontull: Unsere Anwendertests haben bislang ein sehr positives Feedback ergeben. Die erste Resonanz enthält genau die Punkte, auf die es uns ankam. Demnach ist IPS Style einfach zu handhaben, hat einen optimierten Schrumpf und die Schichtmassen bleiben perfekt stehen. Die Ästhetik wird als hervorragend gelobt. Das Interesse ist groß. 

Bitte fassen Sie noch einmal in Kürze zusammen, was IPS Style so besonders macht.

Diesing: IPS Style vereint Produktivität, hervorragende Performance und Ästhetik in einem Produkt. Schnell, einfach, naturgetreu. Jeder Anwender kann uneingeschränkt das umsetzen, was ihm am besten liegt beziehungsweise was die klinische Situation erfordert. IPS Style soll die Zahntechniker von allen störenden Einschränkungen befreien. Getreu dem Produktmotto „Make it your Style!“

Frau Diesing, Herr Frontull, vielen Dank für das Gespräch.

09 Das IPS Style-System beinhaltet nicht nur eine Vielzahl verschiedener Massen, sondern auch spezielle Komponenten für die Ein- und Mehrschichttechnik. Damit kann je nach persönlicher Präferenz und Indikation aus dem Produktsortiment gewählt werden

Fakten zu IPS Style

■ erste Metallkeramik mit patentiertem Oxyapatit
■ für höchste Effizienz im Labor-Alltag, einfache Verarbeitung und natürliche Ästhetik
■ niedrigschmelzende Keramik im klassischen WAK-Bereich
■ Komponenten für Ein- und Mehrschichttechnik
■ IPS Ivocolor ist Bestandteil von IPS Style und dient der individuellen Bemalung und Charakterisierung der hergestellten Restaurationen
■ Für ein- oder mehrgliedrige Brücken,
■ teil- oder vollanatomische Einzelzahnkronen,
■ Veneers,
■ Gingiva-Rekonstruktionen
■ und zur Anlage keramischer Schultern geeignet

Fakten zum IPS Style ceram Powder Opaquer

■ bereits in dünnen Schichten sehr deckend
■ zur klassischen Anwendung mit Pinsel oder mittels Spray-on-Technik

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