Prothetik

Revolution der adhäsiven Befestigung von Zirkonoxiden

Maryland mal anders

Ein Beitrag von Ztm. Stefanie Flentje

Themen:  Prothetik, Ästhetik, Funktion

Zirkonoxid kann ohne Bearbeitung keine chemische Verbindung mit Befestigungskompositen eingehen. In Verbindung mit DCMhotbond zirconnect ist es jedoch möglich, eine dauerhafte Verbindung zwischen Zirkonoxid und Komposit zu schaffen. Das aufsprühbare Material besteht zu über 60 Prozent aus Siliziumdioxid und sorgt dank ätzbarer Oberflächen für eine dauerhafte Verbindung mit dem Komposit. Stefanie Flentje zeigt anhand einer Marylandbrücken-Versorgung im Frontzahngebiet die Anwendung und eine interessante Einsatzmöglichkeit dieses „Konnektors“.

Die Vorgeschichte unserer 26-jährigen Patientin: Die seitlichen Schneidezähne waren im definitiven Gebiss nicht ange­legt. Demzufolge verschoben sich die Eckzähne immer mehr nach mesial. Im Alter von 13 Jahren wurden ihre Eckzähne kiefer­or­tho­pädisch wieder in die richtige Position geschoben und circa ein Jahr später mit einer zweiflügeligen Marylandbrücke versorgt (Abb. 1 bis 3).

Die Ausgangsversorgung der Patientin in situ und auf dem Modell: Die zweiflügeligen Marylandbrücken hatten sich gelockert, da die Patientin zu einem Zeitpunkt versorgt worden war, zu dem die Zahnentwicklung noch nicht vollständig abgeschlossen war.

Bei der Präparation wurden damals alle Pfeilerzähne (13, 11, 21 und 23) palatinal beschliffen, sodass der Halt auch im Dentin stattfinden musste (Abb. 4). Zweiflügelige Adhäsivbrücken sollten nur nach vollständig abgeschlossenem Zahndurchbruch eingesetzt werden. Da sich die Patientin noch im Wachstum befand, war ein Scheitern vorprogrammiert.

Nach der Abnahme der Marylandbrücken zeigte sich der hohe Substanzverlust an den präparierten Zähnen.

Der Fall

2016 stellte sich die Patientin in der „Zahnarztpraxis Zahnärzte City Süd“ in Hamburg erstmals vor. Sie beklagte sich darüber, dass sich Brücken im Klebebereich ablösten und sich daher lockerten. Daher wurden verschiedene Vorschläge für eine bessere und langfristige Lösung präsentiert. Aus persönlichen Gründen lehnte die Patientin Implantate ab. Die Defekte an den Flügeln der Marylandbrücke waren sehr ausgeprägt und die Zahnsubstanz großflächig geschädigt. In der Zahnarztpraxis wurde eine Präparationsabformung genommen. Im ersten Schritt fertigte ich eine Schiene an, um die Pontics für die endgültige Restauration zu verdrängen (Abb. 5 und 6).

Mithilfe einer Schiene und darin eingearbeiteter Brückenglieder mit idealisierten Basalflächen wurden die Pontics für die endgültige Versorgung konditioniert.

Die Lücke im ersten Quadranten war etwas größer als im zweiten Quadranten (Abb. 7). In regio 22 musste die Gingiva deutlich mehr verdrängt werden, um eine harmonische Linie zu erreichen (Abb. 8). Mit dem Druck der Schienen konnten die Pontics gut ausgeformt werden.

Hier ist die Gingiva vor der Konditionierung dargestellt. Die Lücke im ersten Quadranten ist etwas größer als die im zweiten.

So stellte sich die Situation nach Abschluss der Schienentherapie mit konditionierten Pontics dar.

Die mittleren Schneidezähne bereitete ich zunächst für die Anfertigung palatinaler Veneers vor (Abb. 9). Dafür fertigte ich zunächst feuerfeste Stümpfe mit der Langner-Küvette an. Parallel dazu wurden in der CAD-Software die nun einflügeligen Marylandbrücken designt und anschließend gefräst. Viel Platz für die Restauration blieb mir leider nicht, da die Verbinder einen Querschnitt von 10 mm2 benötigen, um eine ausreichende Stabilität gewährleisten zu können (Abb. 10 und 11).

Die Restauration musste aufgrund der Platzverhältnisse sehr filigran angefertigt werden. Für eine ausreichende Stabilität müssen die Verbinder jedoch einen Querschnitt von mindestens 10 mm2 aufweisen.

Nach dem Abstrahlen der Flügel wurden die späteren Klebeflächen mit DCMhotbond zirconnect eingesprüht.

Nach dem Brennen (1000 °C) bildet das DCMhotbond zirconnect eine Glasmatrix, die gut auf den Klebeflächen der Marylandbrücken zu erkennen ist.

Die Glasmatrix auf den Flügeln wird vor dem Verkleben leicht mit 50µm Aluminiumoxyd und einem Druck von einem Bar angestrahlt. Daraufhin kann die Klebefläche geätzt, silanisiert und letztlich mit dem Zahnschmelz adhäsiv verklebt werden. Die zu ersetzenden lateralen Schneidezähne wurden mit einer Verblendkeramik für Zirkonoxide individuell geschichtet und die fertigen Marylandbrücken im Auftrag der behandelnden Zahnärztin bei uns im Labor einprobiert (Abb. 14). Nach ein paar kleinen Änderungen erfolgte die definitive adhäsive Befestigung in der Zahnarztpraxis. Die Zahnärztin bereitete zuerst die mittleren Schneidezähne vor und klebte die palatinalen Veneers mit Komposit auf. Der aus Pattern Resin angefertigte Kompressionsschlüssel verdrängt das Pontic um 0,5 bis 1mm (Abb. 15) und erleichtert später das Einkleben der Marylandbrücke (Abb. 16).

Die lateralen Schneidezähne wurden mit der Verblendkeramik Creation Zi-F von Creation Willi Geller individuell geschichtet und das Ergebnis wurde im Labor einprobiert und bewertet.

Für die Verklebung im Mund wurde ein Platzhalter aus Pattern Resin angefertigt. Dieser verdrängt die Gingiva entsprechend und erleichtert das Einkleben der Marylandbrücken. Auf den mittleren Inzisiven waren zuvor die Palatinalveneers eingeklebt worden.

Fazit

Zwei Tage nach dem Verkleben wurden noch kleine Frühkontakte entfernt. Alle Beteiligten waren mit dem Ergebnis zufrieden (Abb. 17). Vielen Dank an die Patientin und an die Zahnarztpraxis Zahnärzte City Süd in Hamburg für die gute Zusammenarbeit.

Die zwei eingesetzten endgültigen, einflügeligen Marylandbrücken von 11 auf 13 und 21 auf 23. Diese Versorgungsform bildet ein gutes Mittel der Wahl, wenn die Patienten eine Implantation ablehnen oder das Alter der Patienten dies nicht zulässt.

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