Ästhetik

Farbwahrnehmung und kunstfertige Reproduktion mit Vita VM 9

Wie Zirkonoxid zur Leinwand wird

Ein Beitrag von Ztm. Jürgen Freitag

Themen:  Ästhetik, Prothetik, Keramik, Verblendung

Auch wenn der Farbeindruck subjektiv ist und spätimpressionistische Maler wie etwa Vincent van Gogh mit Farbe spielten, kann es sich ein Zahntechniker doch nicht erlauben, die Zahnfarbe nicht richtig zu treffen. Ztm. Jürgen Freitag zeigt in diesem kleinen Erfahrungsbericht, wie mit Produkten der Vita Zahnfabrik der farblichen Willkür begegnet werden kann.

„Es sind Harmonien und Kontraste in den Farben verborgen, die ganz von selbst zusammenwirken“, beschrieb der spätimpressionistische Maler Vincent van Gogh seinen freien Umgang mit Farben. Die natürliche Farbwirkung hatte für ihn weniger Bedeutung. Er legte Wert auf eine subjektive, sinnliche Seelenerfahrung und nicht auf eine natürliche Darstellung seiner Motive. Eine sinnliche Erfahrung darf Zahnersatz gerne sein. Allerdings muss sich der Zahntechniker in seiner Kunstform gerade hinsichtlich der per se subjektiven Farbwahrnehmung um standardisierte Objektivität bemühen, wenn er den ästhetischen Ansprüchen der Patienten gerecht werden will. Denn bei Restaurationen geht es gerade darum, der Natur in all ihren Facetten gleichzukommen. Mit einem spätimpressionistischen Zahntechniker wäre Patienten also kaum geholfen. Dennoch lässt sich ein Großteil der Reklamationen immer noch auf eine abweichende Farbwirkung zurückführen. Oftmals sind die Farbinformationen für eine patientengerechte Reproduktion zu dürftig, und/oder der Zahntechniker konnte sich kein Bild von der individuellen Farbwirkung machen.

Der Patientenfall

Eine 42-jährige Patientin wurde in der Zahnarztpraxis vorstellig, da sie mit der Ästhetik ihrer vollkeramischen Versorgungen an den oberen mittleren Schneidezähnen unzufrieden war (Abb. 1). Die mit Verblendkeramik individualisierten Lithiumdisilikat-Kronen wirkten generell zu gelblich und hatten stellenweise einen Grünstich. Zudem waren die verblockten Kronen nicht ausreichend separiert und nach vestibulär überextendiert. Sie wirkten dadurch klobig und unförmig. Aus diesem Grund sollten die beiden Schneidezähne in enger Zusammenarbeit zwischen Praxis und Labor neu versorgt werden. Eine nachhaltige Stabilität der Zähne 11 und 21 war nach klinischer und röntgenologischer Diagnostik gewährleistet, sodass man sich für die Revision aus Gründen der Hygiene und Ästhetik für vollkeramische Einzel­restaurationen entschied.

Die mittleren Schneidezähne im Oberkiefer waren mit Vollkeramikkronen versorgt (keramisch verblendete Lithiumdisilikat-Gerüste) und passten farblich und morphologisch nicht zur natürlichen Restzahnsubstanz.

Zahnfarbinformationen

Mit der Vita classical A1-D4-Farbskala wurde als Grundzahnfarbe die A2 ermittelt. Anschließend wurden zusätzlich digitale Fotografien von der Ausgangssituation erstellt, um den individuellen Aufbau der natürlichen Nachbarzähne im Labor visualisieren zu können. Zusätzlich wurden drei detaillierte Schichtskizzen angefertigt, bei denen aufgrund der schematischen Trennschärfe die künstlerische Freiheit bei der Farbwahl ausgelebt werden konnte (Abb. 2).

Anhand der gesammelten Farbinformationen konnten drei detaillierte Schichtskizzen entstehen. Im zervikalen Bereich sollte Vita VM 9 Chroma Plus (CP3, helles Orangebraun) aufgetragen werden. Für den Dentinkern wurde Base Dentine A2 gewählt. Nach einem kontrollierten anatomischen Cut-back ist distal und mittig warmes Mamelon 2 (MM2, gelb-braun) und mesial beiges MM1 geplant. Im unteren Kronendrittel kommt mit Transpa Dentine und im mittleren aufhellendes Enamel (END 50 %/ENL 50 %) zum Einsatz. Die Flanken im Schneidebereich werden mit Neutral (NT) vervollständigt, die mittlere Schneide mit Window.

Alle diese Unterlagen stellten zusammen mit den Zahnfarbinformationen eine zielgerichtete, keramische Reproduktion im Labor sicher. Die alten Kronen wurden daraufhin entfernt, wobei stark verfärbte Zahnstümpfe zum Vorschein kamen (Abb. 3). Die Stümpfe wurden nachpräpariert und Ober- und Unterkiefer wurden abgeformt, sodass im Labor ein Oberkiefermeistermodell und ein Gegenkiefermodell entstehen konnten. Die Modelle wurden patientengerecht zueinander artikuliert.

Opake Leinwand aus Zirkonoxid

Um die Zirkonoxidgerüste fertigen zu können, wurden das Ober- und das Unterkiefer­modell digitalisiert und mittels eines Vestibulärscans in okklusalen Bezug gebracht. Auf den virtuellen Zahnstümpfen der Zähne 11 und 21 wurden Zirkonoxidgerüste konstruiert. Gefertigt wurden diese aus Vita YZ T, um die verfärbten Stümpfe gut abdecken zu können. Die Gerüste wurden gefräst und anschließend gesintert. Nach dem Ausar­beiten der dichtgesinterten Zirkonoxidgerüste wurde – so wie es Vita empfiehlt – ein Regenerationsbrand durchgeführt. Der Washbrand erfolgte mit Base Dentine A2, um von innen heraus der Grundzahnfarbe gerecht zu werden. Für eine Farbsättigung im zervikalen Bereich wurde dort Vita VM 9 Chroma Plus (CP3, helles Orangebraun) aufgetragen. Der Dentinkern entstand aus Base Dentine  A2. Nach einem kontrollierten anatomischen Cut-back wurde eine dreidimensionale Ma­me­lon­struktur geschaffen (Abb. 4). Mesial und mittig kam dabei warmes Mamelon 2 (MM2, gelb-braun) zum Einsatz. Distal wurde mit beigem MM1 gearbeitet. Im unteren Kronendrittel wurde mit Transpa Dentine und im mittleren mit aufhellendem Enamel (END 50 %/ENL 50 %) geschichtet (Abb. 5). Die Flanken im Schneidebereich konnten mit Neutral (NT) vervollständigt werden, die mittlere Schneide mit Window (Abb. 6). Nach dem ersten Dentinbrand (Abb. 7) wurde die Arbeit grob ausgearbeitet und mit einem Korrekturbrand fertiggestellt. Nach dem Ausarbeiten mit feinen Diamanten wurde der abschließende Glasurbrand mit Vita Akzent Plus Finishing Agent durchgeführt. Der richtige Glanzlevel wurde final mit einer Polierpaste und einem Ziegenhaarbürstchen eingestellt.

Nach der Abnahme der verblockten, alten Kronen zeigten sich verfärbte Stümpfe, weshalb die Wahl für die Gerüststrukturen auf opake Zirkonoxid-Gerüste fiel (Vita YZ T).

Der anatomisch reduzierte Dentinkern entstand aus Vita VM 9 Base Dentine A2 und zervikal aus Chroma Plus 3. 

Distal und mittig kam warmes Mamelon 2 (MM2, gelb-braun) zum Einsatz. Mesial wurde mit beigem MM1 gearbeitet.

Die Schmelzanteile wurden mit Transpa Dentine, aufhellendem Enamel (END/ENL) und mit Neutral (NT) aufgebaut. 

Das Ergebnis zeigte bereits nach dem ersten Dentinbrand ein individuelles Farb- und Lichtspiel. 

Ergebnis

Bereits bei der Einprobe fügten sich die beiden Restaurationen absolut harmonisch in das orale Umfeld ein. Das Licht wurde in der dreidimensionalen Feldspatschichtung so natürlich gebrochen, reflektiert und absorbiert, dass ein lebendiges und realistisches Farbspiel entstand. Im Facettenreichtum der beiden kleinen Kronen fanden sich wie in van Goghs Bildern ausgewogene Harmonien und Kontraste wieder, die auch hier scheinbar wie von selbst zusammenwirkten. Dabei gab es einen entscheidenden Unterschied: Dank präziser Zahnfarbinformationen konnte die subjektive Farbwahrnehmung im Vorfeld objektiviert und mit farbtreuen keramischen Materialien reproduziert werden. Die Patientin zeigte sich mit den Neuanferti­gungen absolut zufrieden, sodass die Kronen definitiv adhäsiv befestigt werden konnten (Abb. 8 und 9).

Nach der adhäsiven Befestigung integrierten sich die beiden zirkonoxidbasierten Vollkeramikkronen harmonisch in die ästhetische Zone.

Auf dem Schwarz-Weiß-Bild sind die ausgewo­gene Helligkeit und eine naturidentische Textur und Ober­flächenmorphologie erkennbar. 

KONTAKT

Vita ZahnfabrikSpitalgasse
379713 Bad Säckingen
Fon +49 7761 562-0
www.vita-zahnfabrik.com

Ztm. Jürgen Freitag
JF Dental
Hessenring 63
61348 Bad Homburg
Fon +49 6172 22724
jf-dental(at)t-online.de
www.jf-dental.de

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