CAD/CAM

Klebeprotokoll: Das sichere Vereinen einer Zirkonoxid-Krone mit einer Titanbasis

Daily Work

Ein Beitrag von Jacqueline Meier

Themen:  CAD/CAM, Keramik, Prothetik, Diverses

Die Kombination von zwei bewährten Materialien bietet in der Implantatprothetik viele Vorteile. Ein Beispiel ist die Hybridabutment-Krone. Wir möchten mit diesem Beitrag eine Reihe starten, die sich mit den täglichen kleinen Herausforderungen des Zahntechnikers beschäftigt. Dem „Daily Work“ eben. Gerne können Sie auch schreiben, welche Themen Sie sich diesbezüglich vorstellen könnten oder wünschen. Die Autorin dieses „Daily Work“-Beitrags beschreibt das Verkleben einer Zirkonoxid-Krone mit einer Titanbasis und zeigt, wie auf einfachem Weg eine stabile Einheit geschaffen werden kann. Insbesondere sensibilisiert sie für das konsequente Einhalten eines definierten Klebeprotokolls.

Die Idee, zwei bewährte Materialien miteinander zu vereinen, ist nicht neu. In der Implantatprothetik steht der Verbund zwischen Implantat und Aufbau im Fokus. Hier haben sich Hybridabutments etabliert, bei denen durch das Verkleben zweier verschiedener Materialien (zum Beispiel Titan mit Zirkonoxid) eine stabile Einheit geschaffen wird. Dem widerstandsfähigen Verbund zwischen den Komponenten muss hohe Aufmerksamkeit gewidmet werden. Hier obliegt dem Zahntechniker eine zentrale Verantwortung, denn die Langzeitstabilität der implantatprothetischen Therapie ist maßgeblich von diesem Verbund abhängig.

Fakten statt Intuition und Kreativität

Da CAD/CAM-Technologien und digitale Angebote stetig zunehmen, wird die Zahntechnik komplex und teilweise unübersichtlich. Ein Beispiel ist die Implantatprothetik. Berücksichtigen wir die verschiedenen Abutmentarten und Materialkombinationen, sind für eine implantatgestützte Konstruktion mehr als 200 verschiedene Fertigungsoptionen möglich. Für das Labor bedeutet dies, dass Konzepte genutzt und konsequent umgesetzt werden müssen. Intuition und Experimentierfreudigkeit sind in Sachen „Fertigung“ fehl am Platz. Unsere Kreativität können wir Zahntechniker an anderer Stelle besser einsetzen, zum Beispiel bei der ästhetischen Gestaltung. Was die Zahntechnik braucht, sind klare Arbeitsschritte, die sich wie ein Leitfaden beziehungsweise Protokoll durch die Arbeit ziehen. Um im hektischen Alltag Fehler zu vermeiden, achten wir grundsätzlich auf einen strukturierten und gut organisierten Arbeitsablauf.

Hybridabutments haben sich gut bewährt. Hierbei wird auf eine konfektionierte Titanbasis eine individuelle keramische Krone (zum Beispiel aus Zirkonoxid) geklebt. So werden die mechanischen Vorteile von Titan mit den ästhetischen Vorzügen einer Keramik vereint. Ziel des Verklebens ist eine stabile Einheit, die den hohen mechanischen Belastungen ebenso standhält wie den diversen Einflüssen im Mundmilieu. Das Verkleben stellt hohe Ansprüche an Material und Vorgehensweise. Wir halten uns in unserem Arbeitsalltag an ein zuverlässiges und erprobtes Klebeprotokoll. Da bekanntlich der „Teufel im Detail“ steckt, weichen wir von einzelnen Arbeitsschritten und empfohlenen Komponenten nicht ab.

Anforderungen an eine Klebeverbindung

Die Bedingungen, die an eine Klebeverbindung beziehungsweise einen Kleber gestellt werden, sind folgende: Spannungsfreiheit, Langzeitstabilität gegenüber mechanischen, chemischen und thermischen Einflüssen, einfache Anwendung und angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis. Zudem sollte eine Sterilisierbarkeit gegeben sein, um mit dem Abutment beziehungsweise der Abutmentkrone die Anforderung an ein Medizinprodukt erfüllen zu können. Wir verwenden zum Verkleben von Titan und Zirkonoxid einen Zweikomponenten-Komposit-Kleber (DTK Kleber, bredent). Der Haftverbund wird bei Metall ohne mechanische Retentionen mit dem MKZ-Primer oder dem Silano-Pen geschaffen. Der Kleber erreicht seine vollständige Verbundfestigkeit entweder durch Lichtpolymerisation oder durch Selbsthärtung (Raumtemperatur). Laut Forschungsbericht der Universität Jena steigert sich der Haftverbund von Titan zu Zirkonoxid (Titanklebebasis zu individuellem Zirkonoxid-Abutment) bei künstlicher Alterung von zirka 30 MPa auf bis zu zirka 38 MPa.

Der verwendete DTK-Kleber erfüllt die Anforderung an eine Sterilisierbarkeit. Dies gibt uns im Laboralltag zusätzlich zu unseren Erfahrungswerten Sicherheit. Ergänzend zur hohen Haftkraft und zu dem dauerhaften Verbund erfüllt der Kleber die Wünsche des Zahntechnikers. Die Handhabung ist unkompliziert und einfach. Die Doppelkartusche stellt die Basis- und Katalysatorpaste bereit.

Leitfaden für die alltägliche Arbeit

Bei einer okklusal zu verschraubenden Implantatkrone im Seitenzahnbereich bevorzugen wir die Hybridabutment-Krone. Auf die konfektionierte Titanbasis wird eine vollanatomische Zirkonoxid-Krone verklebt. Moderne Zirkonoxide der dritten oder vierten Generation bieten sich für monolithische, also vollanatomische Versorgungen an. Die CAD/CAM-gestützte Fertigung führt so effizient zu ästhetischen Ergebnissen.

Bei einer Hybridabutment-Krone werden zwei grundsätzlich verschiedene Materialien dauerhaft miteinander vereint. Gefordert ist ein chemischer Verbund, der den Kauzyklen und der vergleichsweise hohen Kaubelastung dauerhaft gewachsen ist. Durch Forschung und Produktentwicklung wird uns die solide Basis für das Verkleben geboten. Wir sind gefordert, entsprechend den Herstellervorgaben zu arbeiten, die Protokolle einzuhalten und somit den Klebeverbund sicherzustellen. In unserer implantologischen Praxisklinik arbeiten wir tagtäglich mit beziehungsweise für mehr als 200 Patienten. Oft gilt es zu helfen, zu reparieren und Lösungen zu finden. Häufig beobachtetes Problem bei Fremdarbeiten ist das Lösen der Zirkonoxid-Kronen von der Titanklebebasis. Wir arbeiten seit etwa fünf Jahren mit ein und demselben Klebeprotokoll und haben bis heute keine Probleme mit der Verbundstabilität. Nachfolgend wird unser Vorgehen anhand der Herstellung einer Hybridabutment-Krone aus Zirkonoxid dargestellt.

Unser Weg zur natürlichen Emergenz

Es klingt vielleicht banal und doch sei es noch mal betont. Die Modellherstellung legt die Basis für ein erfolgreiches prothetisches Ergebnis. Die Gingivamaske gehört in der Implantatprothetik zum Pflichtprogramm, denn sie unterstützt das Erarbeiten eines natürlichen Emergenzprofils. Über den basalen Bereich der Implantatkrone wird im Mund „wohl dosiert“ Druck auf die Gingiva ausgeübt und so die Emergenz um das Implantat geformt. Die Gingivamaske sollte entsprechend der natürlichen Morphologie konfiguriert sein. Wir haben ein einfaches Prozedere etabliert, indem die gegenüberliegende Kieferseite gespiegelt wird. Hierfür wird die Implantatabformung ein zweites Mal ausgegossen, der Zahnstumpf des Gipsmodells beschliffen und auf Höhe des Gingivaprofils abgetrennt (Abb. 1a).

Das entstandene „Plättchen“ wird auf die Implantatregion des Arbeitsmodells gelegt und die Umrisse werden mit einem feinen Stift nachgezeichnet (Abb. 1b). Anschließend erarbeiten wir am Modell das ideale Emergenzprofil (Abb. 1c). Hierfür greifen wir auf eine birnenförmige Fräse zurück. Die Modelle sind somit vorbereitet (Abb. 2a und b) und werden entsprechend der Bissregistrierung in den Artikulator eingestellt.

Um ein naturidentisches Emergenzprofil zu generieren, spiegeln wir den entsprechenden Zahn des vierten Quadranten. Der entsprechende Ausschnitt dient uns als Schablone, um die Implantatregion entsprechend zu radieren

Das Implantatmodell mit Gingivamaske und vorbereitetem Emergenzprofil sowie aufgeschraubtem Laboranalog

Herstellen der Implantatkrone

Für die Herstellung der Zirkonoxid-Krone wird auf das Implantat der aus der Implantatbibliothek gewählte Scanbody aufgesetzt und das Ober- und Unterkiefermodell mit dem Laborscanner digitalisiert (Abb. 3a und b). In der CAD-Software kann daraufhin dem üblichen Vorgehen entsprechend die vollanatomische Krone konstruiert werden (Abb. 4a bis d). Wir entscheiden uns in der Regel für ein polychromatisches Zirkonoxid mit erhöhter Transluzenz. Nach dem Fräsen wird die vollanatomische Krone im oberen Drittel mit einem Hauch Schmelzfarbe individualisiert und über Nacht gesintert. Am nächsten Morgen liegt uns eine präzise, auf die Titanbasis passende Krone vor (Abb. 5). Diese perfektionieren wir im Bereich der Kaufläche etwas, indem tiefe Stellen in den Fissuren nachgezogen werden. Es folgen das Bemalen und nach dem Glanzbrand die Politur der Krone (Abb. 6).

Das Unterkiefermodell samt Scanbody wurde digitalisiert, um CAD/CAM-gestützt die Krone für das Implantat in regio 36 zu designen

Die minimal modifizierte Zirkonoxid-Krone weist nach dem Sintern eine gute Passung auf der Klebebasis auf

So stellte sich die monolithische Zirkonoxid-Krone (Multi­layer Zirkonoxid) nach dem Glanzbrand dar

Verkleben von Implantatkrone und Titanbasis

Zum Konditionieren der Materialien benutzen wir die Produktpalette von bredent. Wir erachten es generell als sinnvoll, immer in einer Produkt- und Materialgruppe zu arbeiten, denn in der Regel sind die einzelnen Produkte aufeinander abgestimmt. Der Zweikomponenten-Komposit-Kleber (DTK Kleber, bredent) ist in zwei Farben (transparent und opak) in A2/A3 erhältlich. Um ein Durchschimmern der grauen Titanbasis zu verhindern, bevorzugen wir den opaken Farbton. Zum Konditionieren der Oberflächen beziehungsweise als Haftvermittler dient der MKZ-Primer (bredent). Zum Isolieren der Schulter der Klebebasis (Abb. 7) verwenden wir vor dem Verschrauben auf dem Modellanalog die FGP-Isolierung (bredent).

Die Titanklebebasis (SKY uni.fit) wird mit dem Modellanalog verschraubt und der Schraubenkanal mit Wachs verschlossen (Abb. 8). Anschließend strahlen wir die Titanbasis mit 110 µm Aluminiumoxid bei einem Druck von 3 bar ab. Für das Abstrahlen der Klebeflächen der Zirkonoxid-Krone reduzieren wir den Druck auf 2 bar. Zum Konditionieren beziehungsweise zur Schaffung eines optimalen chemischen Verbunds wird die Klebebasis mit MKZ-Primer benetzt (Abb. 9). Die Komponenten des zweiphasigen DTK-Klebers vermischen sich dank der Mischkanüle einfach, exakt und sauber (Abb. 10)

Bevor es an das Verkleben der Zirkonoxid-Krone mit der Klebebasis geht, sollte die Titanbasis isoliert werden (FGP-Isolierung)

Der Schraubenkanal wird mit Wachs verschlossen, um ein Einfließen des Klebers zu verhindern

Mit dem MKZ-Primer werden die Klebeflächen konditioniert. Der Primer sorgt für eine Steigerung des Haftverbundes

Der DTK-Zweikomponenten-Kleber von bredent ist ein universelles, sterilisierbares und dualhärtendes Befestigungsmaterial. Ideal geeignet für Hybridabutment-Kronen

Ein Teil des Klebers wird auf der Titanbasis (Abb. 11) und der andere Teil in der Krone verteilt. Danach werden Krone und Titanbasis zusammengefügt (Abb. 12), der Materialüberschuss abgestrichen und die Verklebung im Polymerisationsgerät für 360 Sekunden ausgehärtet. Das Hybridabutment wird abgedampft und überschüssiges Material mit einem scharfkantigen Gummipolierer behutsam und vorsichtig entfernt (Abb. 13a). Schließlich wird die Hybrid­abutment-Krone im Bereich der Klebefuge im Sinne eines zweistufigen Protokolls mit einer entsprechenden Polierscheibe poliert (Abb. 13b und c). Die Hybridabutment-Krone ist nun fertig und bereit zum Eingliedern in der Zahnarztpraxis (Abb. 14 und 15). Der geregelte Ablauf mit den exakt aufeinander abgestimmten Materialien bietet uns eine hohe Sicherheit (Abb. 16). Ein Ablösen der Kronen von der Titanklebebasis ist unserer Erfahrung nach so gut wie ausgeschlossen.

Der zweiphasige Kleber wird direkt aus der Mischkanüle auf die Titanbasis appliziert

Beim Zusammenfügen von Krone und Titanbasis muss darauf geachtet werden, dass die Teile exakt miteinander verbunden werden

Einem Protokoll zur definierten Bearbeitung der Oberfläche folgend wird die Klebestelle zweistufig mit entsprechenden Gummipolierern versäubert

Die fertig verklebte Hybridabutment-Krone auf dem Modell …

… und nach dem Einschrauben in den Mund

Das Kontrollröntgenbild zeigt keine Auffälligkeiten. Die Hybrid­abutment-Krone konnte gut integriert werden

Fazit

Der Verbund zweier Werkstoffe gehört im zahntechnischen Labor zum Alltag. Technisch betrachtet kann das Kleben als Fügeverfahren bezeichnet werden, bei dem nahezu alle Werkstoffe miteinander und untereinander verbunden werden können. Dargestellt wurde das Verkleben einer Hybridabutment- Krone aus Zirkonoxid mit einer Titanbasis. Der Zahntechniker hat hier eine hohe Verantwortung, der wir in unserem Laboralltag mit dem konsequenten Einhalten eines bewährten Klebeprotokolls gerecht werden. Jedwede Abweichung kann eine Fehlerquelle sein und das langzeitstabile Ergebnis gefährden. Auf dargestelltem Weg ist es leicht, eine stabile und verlässliche Einheit zu schaffen.

 


 

Zusatzinfo

Der QR-Code auf Seite 87 verweist auf ein Anwender-Video, in dem Schritt für Schritt die Arbeitsschritte beim Verkleben von Krone und Titanbasis mit Hilfe des DTK-Zweikom­po­nenten-Klebers von bredent dargestellt wird. Stephan Adler zeigt darin, wie man mit einer sauberen Arbeitsweise und nur wenigen Handgriffen schnell an sein gewünschtes Ziel kommt.

 

 

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