Funktion

Gewinner des 9. Internationalen Wettbewerbs um den Okklusalen Kompass 2017

3 Mal Gold für die Zahntechnik

Ein Beitrag von Dan Krammer

Themen:  Funktion, Diverses

Im Rahmen des 18. colloquium dental 2017 wurden am 16. September in Nürnberg die drei Erstplatzierten des 9. Internationalen Wettbewerbes um den Okklusalen Kompass bekanntgegeben und geehrt. Kein geringerer als Ztm. Bruno Jahn, der den Wettbewerbsfall zusammen mit Dr. Johannes Heimann zur Verfügung gestellt hatte, präsentierte die Herausforderungen des Falls, stellte die Jury und die Ausschreibung vor, und lieferte Einblicke in die Siegerarbeit. Zusammen mit dem Geschäftsführer der teamwork media GmbH, Dieter Adolph, wurden die ersten drei Plätze vor über 500 Zuschauern auf der Bühne gefeiert. Den ersten Platz konnte 2017 Doreen Dörge aus Niederndodeleben für sich behaupten. Platz zwei ging an Philipp Köhler aus Neustadt an der Waldnaab. Den dritten Platz belegte ein Team: Ilka Graefen und Thomas Wawro aus Dortmund.

 

 

Der Internationale Wettbewerb um den Okklusalen Kompass wurde von der teamwork media GmbH zu Ehren von Michael Heinz Polz ins Leben gerufen. Im Jahr 2000 wurde er das erste Mal ausgeschrieben und im Jahr 2001 verliehen. Der Wettbewerb erfreut sich seither einer großen Beliebtheit und wird alle zwei Jahre ausgeschrieben. Die Liste der Teilnehmer, die es bis dato auf das Treppchen geschafft haben, lässt interessante Schlüsse zu (siehe rechts). Denn neben Geldpreisen und den berühmten Goldmedaillen gewinnen die Teilnehmer vor allem eines: Unseren allergrößten Respekt. Und so verwundert es nicht, dass viele der Teilnehmer heute kleine bis große dentale Berühmtheiten geworden sind. Man kennt sie zum Teil aus Fachbeiträgen, Vorträgen oder Kursen.

Es zeigt sich also, dass der Wettbewerb nicht nur der Befriedigung des sportlichen Ehrgeizes dient, sondern auch zur Bekanntmachung der Teilnehmer beiträgt. Und er hilft dabei, das Wissen um die funktionelle Kauflächengestaltung, die Michael Heinz Polz so maßgeblich geprägt hat, aufrecht zu erhalten und abzufragen. Denn wenn sich die Wettbewerbs-Teilnehmer einer Sache stellen müssen, dann der Funktion. Dafür sorgt schon allein die handverlesene Jury, die hinsichtlich des geistigen Erbes von Michael Heinz Polz streng darauf achtet, dass die eingereichten Arbeiten dem Okklusalen Kompass gerecht werden.

 

Gewinner der bisherigen Wettbewerbe

1. Platz 

  • 2001 – Paolo Paglia
  • 2003 – Roberto Faratro
  • 2005 – Volker Traub und Mike Richter
  • 2007 – Luigi De Stefano
  • 2009 – Andreas Rauh
  • 2011 – Gábor Filep
  • 2013 – Stefano Massa
  • 2015 – Christian Scheiber

 

 

2. Platz

  • 2001 – Mario Martino
  • 2003 – Stefano Inglese
  • 2005 – Markus Jedlinski
  • 2007 – Heiko Siebert
  • 2009 – Carsten Styra
  • 2011 – Heiko Siebert
  • 2013 – Christian Scheiber
  • 2015 – Philipp Köhler

 

 

3. Platz

  • 2001 – Andreas Halder und Elke Czudai
  • 2003 – Robert Stenczl
  • 2005 – Benjamin Votteler
  • 2007 – Benjamin Votteler
  • 2009 – Janet Rehberg und Christian Thie
  • 2011 – Steven Lange und Peter Klein
  • 2013 – Matthias Sieger
  • 2015 – Carsten Styra

 

Klasssisch – aber keine einfache Versorgung

Nach der etwas kontroversen Ausschreibung im Jahr 2015 (wir erinnern uns; hier galt es Langzeitprovisorien anzufertigen), folgte der Wettbewerbsfall von 2017 dem Wunsch nach einer klassischen Versorgung. Wobei das nicht zu bedeuten hatte, dass es der Fall aus dem Fundus von Ztm. Bruno Jahn und Dr. Johannes Heimann nicht weniger „in sich“ hatte. Im Gegenteil, denn de facto mussten ein stark durch Abrasionen geschädigter und abradierter Unter- und Oberkiefer mit 26 keramischen Teil-, Dreiviertel- und „Veneer“-Kronen in der Zahnfarbe A2 prothetisch neu versorgt werden. Da der Destruktion der Zahnhartsubstanz einen deutlichen Verlust der Vertikalen nach sich gezogen hatte (Abb. 1 bis 3), mussten die Wettbewerbsteilnehmer die endgültige Vertikale selbst wählen und am Stützstift entsprechend einstellen, ihre Wahl aber auch begründen.

01 Ausgangsbild des Wettbewerbsfalls: deutlicher Verlust der Zahnhartsubstanz sowohl okklusal/inzisal als auch vestibulär. Der Patient wünschte die Wiederherstellung seiner ursprünglichen Zahnform, aber auch eine Harmonisierung der Zahnstellung

02 Modellsituation des 9. Internationalen Wettbewerbs um den Okklusalen Kompass 2017: Die Situation sollte von den Teilnehmern mit adhäsiv zu befestigenden Vollkeramikversorgungen gelöst werden

03 Im OK: für die Frontzähne „Veneer-Kronen“ und die Zähne 14 bis 16 sowie 24 bis 26 Teilkronen, die vom Zahnarzt adhäsiv befestigt werden können. Im UK: für die Zähne 34 bis 37 und 44 bis 47 ebenfalls Teilkronen

Eine weitere Besonderheit des Falls von 2017 stellte die außergewöhnliche Biss-Situation dar, da im rechten Quadranten eine leicht ver­schobe­ne Zahn-zu-zwei-Zahn- und im linken eine leicht verschobene Zahn-zu-Zahn-Beziehung vorlag. Somit musste bei der funktionellen Rekonstruktion der Quadranten zwei unterschiedliche okklusale Kontaktsituation berücksichtigt werden.

Hinzu kamen die stark abradierten Unterkiefereckzähne, die laut Ausschreibung nicht in die Versorgung mit einbezogen werden durften. Somit mussten, um in der Dynamik eine Front-Eckzahn-geführte Okklusion realisieren zu können, die oberen Eckzähne entsprechend gestaltet werden. Ein Stolperstein, der viele Teilnehmer ins Straucheln brachte.

 

Wettbewerbsausschreibung

  • Zähne 14 bis 16 Keramikteilkronen
  • Zähne 11 bis 13 „Veneer-Kronen“ oder Dreiviertel-Kronen
  • Zähne 24 bis 26 Keramikteilkronen
  • Zähne 21 bis 23 „Veneer-Kronen“ oder Dreiviertel-Kronen
  • Zähne 44 bis 46 Keramikteilkronen
  • Zähne 34 bis 36 Keramikteilkronen

 

Somit handelte es sich also auch bei dem diesjährigen Wettbewerb-Fall um eine anspruchsvolle Situation, die es gewissenhaft zu analysieren und klug zu lösen galt. Es sind Herausforderung wie diese, weshalb der Wettbewerb um den Okklusalen Kompass etwas ganz Besonderes ist. Und wer an diesem teilnimmt, der zeigt bereits, dass man sich dieser großen Herausforderung stellen kann und will. Und dennoch ist und war nicht jedem der Sieg beschieden, denn nicht jede der eingereichten Wettbewerbsarbeiten konnte die Jury in allen geforderten Punkten überzeugen.

Die Bewertungskriterien für die Jurysitzung waren fallspezifisch aufgestellt worden und umfassten unter anderem neben einer funktionellen Gestaltung der vollkeramischen Veneers und Teilkronen auch den Gesamteindruck, die Okklusion, Präzision und Ästhetik. Die Jurysitzung fand Mitte Juni 2017 wider in Augsburg statt. Dort waren die internationalen Juroren Ztm. Bruno Jahn aus Frechen, Ztm. Oliver Dreher aus Rottweil, Prof. Dr. Ulrich Lotzmann aus Marburg, Ztm. Jürgen Auffahrt aus Salzburg/Östrreich, Ztm. Michael Polz aus Erlangen, Ztm. Gunther Seubert aus Durmersheim, Ztm. Romy Meyer aus Herzogenbuchsee/Schweiz, und Dr. Simon Haug aus Metzingen zusammengekommen (Abb. 4), um die Plätze 1 bis 5 zu ermitteln. Ja, Sie haben richtig gelesen. Es wurden fünf Platzierungen vergeben, da den fünf Erstplatzierten eine Mitgliedschaft bei dem Kooperationspartner „dental excellence – international laboratory network“ angeboten wurde – ohne Aufnahmeprüfung.

04 Teilnehmer der Jurysitzung 2017 (v.li.): Ztm. Jürgen Auffarth, Dr. Simon Haug, Ztm. Michael Polz, Oliver Dreher, Prof. Dr. Ulrich Lotzmann, Ztm. Gunther Seubert, Ztm. Romy Meier, Ztm. Bruno Jahn und der teamwork media Geschäftsführer Dieter Adolph

Die Jurysitzung gestaltete sich auch in diesem Jahr wieder sehr diskussionsreich, denn leider zeigten beispielsweise viele der eingereichten Artikulatoren eklatante Schwächen in puncto Präzision. So war es mit einigen schlichtweg nicht möglich, die zentrischen Kontaktpunkte zu kontrollieren. Die Zentrik­schlösser dieser Artikulatoren wirkten „ausgenudelt“, sodass keine eindeutige Zuordnung möglich war. So ging trotz eines geradezu „klassischen Wettbewerbfalls“ ein intensiver Bewertungstag zu Ende (Abb. 5 bis 9). Schließlich bestätigten die eindeutigen Ergebnisse die einzelnen Juroren-Teams darin, dass die eingereichten Arbeiten aufgrund des Bewertungsbogens objektiv beurteilt werden konnten. Nachdem die Platzierungen also fest standen, kam dem teamwork media Geschäftsführer Dieter Adolph zu, die versiegelten Umschläge zu öffnen, und die bis dahin lediglich mit einer vierstelligen Nummer versehenen Wettbewerbarbeiten mit Namen zu versehen und die drei Erstplatzierten zu verkünden (Abb. 10).

05 Die anonymisierten Wettbewerbsarbeiten warten darauf, von der kompetenten Jury in Augenschein genommen zu werden

06 Die Juroren arbeiteten in Zweierteams. Prof. Dr. Ulrich Lotzmann (li.) und Ztm. Bruno Jahn zeigen sich fasziniert

07 Das Team um Ztm. Michael Polz und die Schweizer Zahntechnikmeisterin Romy Meier bei der Arbeit

08 Die Wettbewerbsarbeiten wurden gewissenhaft geprüft. Hier von Oliver Dreher (li.) und Ztm. Gunther Seubert

09 Dr. Simon Haug (li.) und Ztm. Jürgen Auffahrt aus Österreich entging kein noch so kleines Detail

10 Am Ende eines sehr intensiven Tages verlas der teamwork media Geschäftsführer Dieter Adolph die Sieger

Eine außergewöhnliche gute Arbeit bescherte Doreen Dörge aus Niederndodeleben den verdienten 1. Platz (Abb. 11). Doreen Dörge arbeitet im Praxislabor A. Thürmann. Den zweiten Platz konnte sich – wie bereits im Jahr 2015 – Ztm. Philipp Köhler aus Neustadt an der Waldnaab sichern. Philipp Köhler ist bei Hotspot Dental angestellt. Den dritten Platz teilte sich ein Paar: Ilka Graefen und Thomas Wawro gingen die anspruchsvolle Arbeit als Team an. Auf die Frage, wie sie als Team antreten konnten, Thomas Wawro jedoch im Praxislabor Kolski + Kolski und Ilka Graefen dagegen im Dentallabor Rü-Karre arbeitet, bekamen wir die lapidare Antwort: Weil wir ein Paar sind.

Doreen Dörge erhielt ein Preisgeld in Höhe von 3000,– Euro. Das Zustandekommen des Wettbewerbs ist in großem Maße den Dentalfirmen zu verdanken, die sich durch ein Sponsoring beteiligt haben (Tab. 1). Die drei Erstplatzierten erhielten zudem Goldene Münzen sowie Urkunden, und wurden von einer renommierten Jury darin bestätigt, dass sie in der Lage sind, funktionellen Zahnersatz auf allerhöchstem Niveau zu fertigen. Zudem wurden die drei Preisträger und deren Wettbewerbsarbeiten auf dem colloquium dental 2017 einem großen Fachpublikum präsentiert (Abb. 12).

In der Ausgabe 10/17 wird die beste Doku­mentation des Wettbewerbsfalls veröffentlicht. Dieser Sonderpreis, der von dental dialogue Redaktion ausgelobt wird, ging ebenfalls an ein Paar: Yvonne und Björn Pfeiffer, die auch keine Unbekannten sind. Sie gewannen beim Wettbewerb um den Okklusalen Kompass 2009 bereits die beste Dokumentation – damals noch als Jungtechniker – verliebten sich ineinander und heirateten im Jahr 2015. Nun also, fast genau zwei Jahre später, beschenken sie sich erneut. Doreen Dörge konnte mit ihrer Lösung des Wettbewerbfalls die Jury durchweg überzeugen. Das zeigte sich schon daran, dass es bei der Gesamtpunktzahl der einzelnen vier Juroren-Teams keine signifikanten Abweichungen gab. Was die Arbeit von Doreen Dörge auszeichnete, das war die Konsequenz und Nachvollziehbarkeit, mit der sie die den Fall gelöst hatte. In Ihrer Dokumentation argumentierte sie klug – zum Beispiel die Bisshebung um etwa 1,5 mm – und die zahntechnische Ausführung der keramischen Teile war hochpräzise und sowohl aus funktioneller, als auch aus ästhetischer Sicht hervorragend (Abb. 13 bis 18).

13 - 18 Diese außergewöhnlich gute Arbeit bescherte Doreen Dörge (Praxislabor A. Thürmann) aus Niederndodeleben den verdienten 1. Platz. Die Wettbewerbsarbeit zeichnete sich durch eine perfekte funktionale Gestaltung im Sinne von Michael Heinz Polz und eine perfekte Ästhetik aus. So könnten die Zähne des Patienten ursprünglich ausgesehen haben

Und auch die Arbeit von Ztm. Philipp Köhler zeichnete sich schnell als einer der Spitzenreiter ab. Der Wettbewerbsfall wurde von ihm mit viel Liebe zum Detail und großem handwerklichen Geschick gelöst (Abb. 19 bis 22). Allerdings erhielt Philipp Köhler bei der statischen Okklusion etwas Punktabzug wusste hingegen bei der Passung und Präzision die Jury zu überzeugen.

19 - 22 Den zweiten Platz konnte sich Ztm. Philipp Köhler von Hotspot Dental sichern. Philipp Köhler kommt aus Neustadt an der Waldnaab. Auch seine Intepretation wusste die Juroren zu überzeugen. Allerdings zeigt sich beim direkten Vergleich, wie schwierig es ist, von fast komplett zerstörten Zähnen auf eine ursprüngliche Zahnform zu schließen

Das Team Ilka Graefen und Thomas Wawro lieferte aus funktioneller Sicht eine tadellose Wettbewerbarbeit ab. Die Frontzähne wurden leicht verschachtelt angelegt, weshalb die Arbeit sehr natürlich wirkte. Wertvolle Punkte ließ das Team bei den Approximalkontakten liegen, was aber im Hinblick auf die Gesamtqualität keinen großen Abbruch tat (Abb. 23 bis 26).

23 - 25 Den dritten Platz teilte sich ein Paar aus Dortmund: Ilka Graefen und Thomas Wawro gingen die anspruchsvolle Arbeit als Team an. Thomas Wawro arbeitet im Praxislabor Kolski + Kolski und Ilka Graefen im Dentallabor Rü-Karre. Auch ihre Arbeit zeichnete sich durch die hohe Präzision und Liebe zum Detail aus

Fazit

Der 9. Internationale Wettbewerb um den Okklusalen Kompass war die Konsequenz, die der Verlag aus der eher schlechten Beteiligung am letztmaligen Wettbewerb gezogen hatte. Die Teilnehmer wollten also nicht nur funktionell, sondern auch ästhetisch denken und definitiven Zahnersatz anfertigen, um sich daran messen zu können. Die Fall­ausschreibung ist aufgegangen, denn der Andrang war groß. Schade ist lediglich, dass sich zwar viele zum Wettbewerb angemeldet und die Unterlagen bezogen, dann aber keine Wettbewerbsarbeit eingereicht hatten. Wahrscheinlich ist der Fertigstellung ein Auftragshoch in die Quere gekommen. Ebenfalls bemerkenswert war die doch recht hohe Zahl an Disqualifizierungen, die zum größten Teil auf die Präzision der verwendeten Artikulatoren zurückzuführen waren. Das ist sehr schade und war für die Jury und den Veranstalter sehr schmerzlich, da die Arbeiten ansonsten einen sehr guten Eindruck machten. Daher sollte unbedingt beim nächsten Mal darauf geachtet werden, die verwendeten Artikulatoren vor der der Anfertigung der Arbeit vom Hersteller neu prüfen zu lassen. Dieser Service ist in der Regel kostenlos, für die Anfertigung von „funktionierendem“ Zahnersatz jedoch unerlässlich. An dieser Stelle möchte sich die teamwork media GmbH nochmals herzlich bei allen Teilnehmern sowie den Sponsoren bedanken und den Siegern des Wettbewerbs gratulieren. Mit Spannung dürfen Sie die Veröffentlichung der besten Wettbewerb-Dokumentation von Yvonne und Björn Pfeiffer erwarten. Es wäre schön, wenn uns alle Teilnehmer, unabhängig davon, ob sie platziert wurden oder nicht, gewogen blieben, sodass sich beim 10. Internationalen Wettbewerb um den Okklusalen Kompass wieder möglichst viele herausragende Zahntechniker diesem anspruchsvollen, zahntechnischen Wettstreit stellen.

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