13.06.2018

Alte Werte leben. Neue Wege gehen. Einblicke in die neue Zirkonzahn Forest School

Resümee einer Zeitreise

Wie kaum ein anderes Unternehmen schafft es die Südtiroler Innovationsschmiede ­Zirkonzahn, Bewährtes mit Modernem zu verbinden und dabei Neues zu erschaffen. Die Forest School ist das neueste Weiterbildungsangebot der Zirkonzahn Schule. Nach dem von Enrico Steger erdachten Konzept werden kleine Gruppen von Zahntechnikern in einem 100 Jahre alten Bauernhaus – inmitten der Prettauer Bergwelt – im Umgang mit modernen digitalen Technologien und Arbeitsabläufen geschult. Intraoralscanner, PlaneSystem und Bauernbrot. Klingt ungewöhnlich! Wie es zusammenpasst, beschreibt dieser Artikel.

 

 

Es knistert in der Stille. Im Holzofen prasselt das Feuer und wird zu einem berauschenden Konzert. Der Blick aus dem Fenster in die Südtiroler Bergwelt lässt einen für Stunden die Welt vergessen. Während „draußen“ der schnelle Takt des Alltags das Leben bestimmt, ist es hier die Begegnung von Mensch zu Mensch im Angesicht der Natur. Eine Gruppe von Zahntechnikern, ein abgeschiedenes Bergbauernhaus, eine Vision: Alte Traditionen leben und Innovationen erfahren. Die Forest School folgt einem besonderen Fortbildungskonzept. Morgens und abends „zurück zu den Wurzeln“, tagsüber Zahntechnik auf Hightech-Niveau.

 

„Lautstarke“ Stille und kraftvolle Natur

Beheimatet in einem 100 Jahre alten, jedoch neu renovierten Bauernhaus im Wald der Gemeinde Prettau (Südtirol), lernen Zahntechniker in enger Verbindung zur Natur das Leben von einer anderen Seite kennen (Abb. 1 und 2).

01 Im Oktober 2017 machten sich sechs Zahntechniker auf den Weg, um alte Werte sowie Traditionen zu leben und zugleich ihr digitales zahntechnisches Know-how zu erweitern. Sie besuchten die neue Zirkonzahn Forest School – eine Zeitreise zwischen gestern, heute und morgen …

02 … Der abgeschieden in der Gemeinde Prettau gelegene, neu renovierte Bauernhof, in dessen Mauern 100 Jahre Geschichte ruhen, bot den sechs Teilnehmern der Zirkonzahn Forest School für fünf wertvolle Tage ein Zuhause und Raum, um gemeinsam zu lernen

 

Es ist eine Reise in die Zeiten der Urgroßeltern – ohne Fernseher und Radio, ohne Internet und Smartphone, ohne Ablenkung und ohne Informationsüberfluss. Stattdessen einfach Ruhe; und in dieser liegt bekanntlich eine große Kraft. Die selbstgemachten Knödel duften vom Küchentisch (Abb. 3 und 4). Neben dem warmen Herd liegt gestapeltes Holz. Die Fenster geben den Blick frei zum nahen Wald und rauen Berg. Frühstück bereiten die Teilnehmer selbst zu. Abends wird in geselliger Runde gekocht (Abb. 5 bis 8).

03 & 04 Zurück zu den Wurzeln: Selbstverpflegung, Pressknödel herstellen, den Alltag organisieren – ohne Smartphone, Radio, Internet. Einfach nur sein! Hier gewinnt der Begriff „Handwerk“ wieder seine ursprüngliche Bedeutung

05 - 08 Gemeinschaft: Fünf Tage verbrachte die Gruppe gemeinsam in dem 100 Jahre alten Bauernhaus – morgendliches Ritual, gemeinsam Essen bereiten, zusammen essen, reden und lachen, die Natur bei Wanderungen spüren

 

Sich auf die Ruhe zu besinnen und das Wesentliche zu sehen, erfordert mentale Stärke, einen gefestigten Charakter und ein gewisses Maß an Bescheidenheit. Diese persönlichen Fähigkeiten zu vertiefen, ist Teil des Lehrprogramms in der Zirkonzahn Forest School. Saubere und kalte Luft draußen. Drinnen richtig warm und gemütlich. Und im Dachgeschoss? Da werkeln tagsüber achtsame Zahntechnikerhände und lernen Neues. Hier wird Handwerk mit Technik verbunden und Tradition mit Leidenschaft vereint.

 

„Denkende“ Hände

Zahntechniker haben die Fähigkeit, mit ihren Händen Werte zu erschaffen. Diese wunderbare Tatsache rückt die Forest School in den Fokus. Disziplin, Kompetenz, Gemeinschaftssinn, Bescheidenheit bilden das Fundament. Auf Effekthascherei wird ebenso verzichtet wie auf laute Versprechungen. Die Schüler konzentrieren sich auf das Wesentliche: pure Zahntechnik.

Die Zeitreise der Teilnehmer macht nun einen gewaltigen Sprung. Von den Zeiten der Urgroßeltern geht es über wenige Stu­fen nach oben ins Dachgeschoss – in die Realität und die greifbare Zukunft der Zahntechnik (Abb. 9 und 10): Intraoralscan, digitale Fertigungstechnologien, moderne Planungskonzepte, virtuelle Konstruktion. Die Zahntechniker durchlaufen an den fünf Kurstagen den kompletten digitalen Workflow. Es wird gescannt, digitalisiert, kon­struiert, gefräst, einprobiert. Basierend auf einer gegenseitigen Vermessung der Kiefer und einer intraoralen Datenerfassung arbeiten die Teilnehmer im realistischen Umfeld. Das PlaneSystem (nach Udo Plaster) dient dem Abgreifen individueller Informationen. Zusätzlich werden mit dem Face Hunter 3D-Gesichtsscans vorgenommen und nach dem Überlagern aller Daten über feste Referenzpunkte die Datensätze zusammengeführt (Abb. 11 und 12). Jeder Zahntechniker konstruiert in der Software ­

09 & 10 Digitale Realität: Einmal den komplett digitalen Workflow bitte. Intraoralscan und Konstruktion der idealisierten Okklusion und Ästhetik

11 & 12 Abgreifen der individuellen Ebenen mit dem PlaneSystem und Zusammenführen der Daten mit den Aufnahmen aus dem 3D-Gesichtsscanner Face Hunter

 

Jeder Zahntechniker konstruiert in der Software ­ (s)ein Mock-up nach idealisierter Okklusion und Ästhetik. Im Rahmen einer virtuellen Einprobe beurteilen alle gemeinsam in fotorealistischer Ansicht das Ergebnis – mit Ruhe und der nötigen Selbstkritik (Abb. 13 und 14). Danach wird das Mock-up als zahnfarbene Schiene (Multistratum Flexible) gefräst und fertiggestellt (Abb. 15 und 16). Mit Spannung erwarten die Zahntechniker die Einprobe: Sowohl auf dem Modell als auch im Mund passt jedes ausgearbeitete Mock-up auf Anhieb (Abb. 17 bis 19). Das Feedback ist übereinstimmend: „Ein digitaler Workflow für das reale Zahntechnikerleben.“ Wenn sich das Unterbewusstsein mit dem Bewusstsein verbindet und sich Kreativität mit Logik vereint, dann ist das Handwerksleben auf modernem Niveau.

13 & 14 Zusammen werden Lösungswege, Verfahrenstechniken und Ergebnisse diskutiert

15 & 16 Die konstruierten Mock-up-Schienen werden aus dem vielschichtig voreingefärbten Hochleistungskunststoff Multistratum Flexible gefräst

17 Ausarbeiten der CAD/CAM-gestützt gefrästen Mock-up-Schiene

18 & 19 Arbeitsbeispiel: Zum Ausgleich der ästhetischen Unzulänglichkeiten (links) erstellte jeder Teilnehmer im volldigitalen Workflow eine individuelle Mock-up-Schiene

 

Handwerk ist vielfältig und allgegenwärtig

Sich einfach mal seinen Freiraum gönnen und die Faszination des Handwerks wiederentdecken – das ist die Intention der Forest School. Die Sehnsucht der Zahntechniker nach der Identifikation mit dem Handwerk und dessen Symbiose mit modernen digitalen Technologien wird gestillt. Die Freude am Selbermachen wird in der Forest School ausgelebt, ohne sich auf den guten alten Traditionen auszuruhen. Neue Technologien werden ebenso wie der Referent und die Kollegen zu emotionalen Wegbegleitern. Kreativität, Visionen, Werte, Gemeinschaftssinn – addieren wir den Berg an positiven Emotionen, ist das Fazit: Erfolg entsteht aus Leidenschaft und Motivation. Wer Lust hat, auf das allgegenwärtige Einheitseinerlei vieler Fortbildungen zu verzichten und Zahntechnik im Sinne traditioneller Werte zu erfahren, der ist in der Zirkonzahn Forest School genau richtig (Abb. 20).

20 Die Teilnehmer der ersten Forest School zusammen mit den Nachbarn Adolf und Maria. Sie bereiteten für die Teilnehmer das Mittagessen zu – typische Ahrntaler Küche

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