Prothetik

Konzept zur Aufbereitung von Implantataufbau-Strukturen: Abutmenthygiene und ­Oberflächentopografie

Auf die Oberfläche kommt‘s an!

Ein Beitrag von Carsten Fischer, Dr. Peter Gehrke, Simon Schömer, Ztm. Pascal Holthaus, Claus-Peter Schulz und Dr. Dirk U. Duddeck

Themen:  Prothetik, CAD/CAM, Ästhetik, Implantatproth., Diverses

Glanz kann trügen. Nicht immer ist eine scheinbar saubere Oberfläche auch hygienisch einwandfrei. Diese Tatsache wird in der Implantatprothetik seit einigen Jahren brisant diskutiert. Welchen Einfluss hat die Oberflächentopografie des Abutments im submukösen Bereich und wie erzielen Zahntechniker die geforderte mittlere Restrauigkeit? Und wie kann das Abutment danach hygienisch aufbereitet werden? Diesen Fragen widmen sich die Autoren im Artikel und legen den Fokus auf eine wichtige Schnittstelle zwischen Labor und Praxis: Aufbereiten eines Abutments – von der Oberflächentopografie bis zur Abutmenthygiene.

 

 

Individuelle CAD/CAM-Abutments sind fester Bestandteil moderner implantatprothetischer Behandlungskonzepte. Die Hauptautoren des Artikels beschäftigen sich seit mehr als zehn Jahren mit dieser Thematik und haben erprobte Protokolle etabliert, die heute in vielen Behandlungsteams gelebter Standard sind. Sie haben bereits sehr früh Schwachstellen aufgetan und an Lösungswegen gearbeitet. Heute plädieren sie für validierte Parameter bei der Fertigung sowie Aufbereitung von Implantataufbauten und sensibilisieren für definierte Vorgaben beim Herstellen beziehungsweise beim Aufbereiten von Abutments. Warum? Ein Abutment ist ein Medizinprodukt und diesem muss eine hohe Aufmerksamkeit zukommen. Tatsache ist, dass nur die intakte weichgewebliche Transitionszone zwischen Mundhöhle und periimplantärem Knochen eine gute Langzeit­prognose bei der Implantatrekon­struktion verspricht (Abb. 1). Es ist erwiesen, dass CAD/CAM-Abutments zu verbesserten Weichgewebseigenschaften führen [1]. Doch es sind einige wichtige Parameter zu beachten, die auch die Arbeit des Zahntechnikers betreffen.

01 Grafische Darstellung: Querschnitt eines Implantats mit Abutment und Krone. Die Transitionszone markiert den Übergang vom Weichgewebe in die Mundhöhle. Hier hat das Abutment direkten Kontakt zum periimplantären Gewebe

 

Bedeutung von Implantataufbauten

Implantataufbauten sind Teil der implantatprothetischen Suprakonstruktion und stehen als solche im direkten Kontakt mit dem periimplantären Gewebe. Oberfläche, Biokompatibilität, Materialbeschaffenheit, Oberflächentopografie und Form beeinflussen die Weichgewebesituation um das Implantat auf direkte Weise. Spätestens seit individuelle CAD/CAM-Abutments einen festen Platz in implantatprothetischen Konzepten eingenommen haben, muss der Zahntechniker dem Aufbereiten der Abutments ein hohes Augenmerk zukommen lassen. Aufbereitung und Reinigung unterliegen administrativen Regularien des Medizinproduktegesetzes. In Zusammenarbeit mit Dr. Dirk Duddeck vom medical materials research institute, mmri.berlin haben die Hauptautoren des Artikels Untersuchungen zur Reinheit von CAD/CAM-Abutments vorgenommen. REM-Aufnahmen zeigen, dass CAD/CAM-Abutments ohne adäquate Reinigung verunreinigt sind beziehungsweise partiell signifikante Verunreinigungen aufweisen können – egal ob zentral- oder laborgefertigt (Abb. 2 bis 6). Bei sämtlichen Hybridstrukturen können sich auch die Rückstände vom Verkleben der Titanbasis mit dem CAD/CAM-Aufbauteil unsichtbar auf der Oberfläche im sensiblen submukösen Bereich des Abutments anlagern. Diese Thematik und die Lösung des Problems sind unter Punkt 3 des Artikels ausführlich dargestellt.

02 REM-Aufnahme des submukösen Bereichs eines Hybridabutments. Verunreinigungen auf der Oberfläche sind erkennbar. Die Aufnahme stellt zudem die starken Verunreinigungen nach dem Verkleben (Kleberrückstände) dar, die durch ein unsachgemäßes Klebeprotokoll (ohne Polier- und Reinigung) auftreten können (REM: D. Duddeck, mmmri.berlin)

03 - 06 Diese REM-Aufnahmen zeigen verfahrenstechnisch bedingte Verunreinigungen und Debris (zum Beispiel Frässpan, Kühlflüssigkeit, Poliermittelreste et cetera) auf der Oberfläche von CAD/CAM-Abutments (REM: D. Duddeck, mmmri.berlin)

 

Vision Impossible: „Ready to use“

Bei einem Blick auf die Fertigung von individuellen Abutments wird eines klar: Allein die Aussage „CAD/CAM-gefertigt“ ist noch lange kein Qualitäts- oder Gütesiegel. Fertigungskonzepte, Oberflächengüte, Hygieneanforderungen, … – die Forderung nach Regeln und Gesetzmäßigkeiten ist ein Muss in der Implantatprothetik. Oft werden „Ready to use“-Lösungen propagiert. Doch diese sollten Behandlungsteams kritisch hinterfragen. Nach Ansicht der Autoren ist „Ready to use“ zwar ein schönes Marketingversprechen, dessen Erfüllung jedoch zum derzeitigen Stand vonseiten der Fertigungsdienstleister unmöglich erscheint. CAD/CAM-Strukturen in der Implantatprothetik sollten im submukösen Bereich auf jeden Fall händisch durch den Zahntechniker nachgearbeitet werden. Die händische und systematische Nachbearbeitung sowie die validierte Aufbereitung von CAD/CAM-Abutments bedürfen einer konsequenten Abstimmung zwischen Praxis und Labor. Hierzu gehört die adäquate Oberflächentopografie im submukösen Bereich (Rauheit) ebenso wie die Abutmenthygiene.

  • Die Oberflächentopografie im submukösen Bereich des Abutments
    - Oberflächenrauheit als Grundlage für die optimale Anhaftung der periimplantären Gewebe
  • Die Oberflächenreinheit und -hygiene des Abutments
    - Reine Oberfläche nach den administrativen Regularien des Medizinproduktegesetzes

 

Im ersten Teil des Artikels liegt der Fokus auf der Oberflächentopografie im submukösen Bereich. Diesbezüglich geben im zweiten Teil drei namhafte Zahntechniker ihre Statements aus dem Laboralltag ab. Zudem visualisieren sie mit aussagekräftigem Bildmaterial das Erarbeiten der geforderten Oberflächenrautiefe mit einem zweistufigen Bearbeitungskonzept. Unter Punkt 3 des vorliegenden Beitrags (siehe S. 106) widmen sich die Autoren der Abutmenthygiene.

 

1. Rough – smooth – fertig! Oberflächentopografie

Jedes CAD/CAM-Abutment sollte im Labor entsprechend nachgearbeitet werden. Nachfolgend soll die Oberflächentopografie im submukösen Bereich des Implantataufbauteils betrachtet werden, die für eine optimale Anhaftung der periimplantären Mukosa eine entscheidende Rolle spielt. Diesbezüglich stehen Rauheit sowie Oberflächenspannung im Mittelpunkt und der Zahntechniker vor einem Balanceakt. Das Abutment sollte im submukösen Bereich weder eine zu hohe Rauheit noch eine zu glatte Oberfläche aufweisen. Warum? Die Antwort liegt im Ziel: Angestrebt wird ein Anhaften der Fibroplasten im Bereich der periimplantären Mukosa. Die periimplantären Gewebe sollen sich fest und stabil an das Abutment adaptieren und eine entsprechende Barriere bilden. Eine zu raue Oberfläche kann Herd für Bakterien- sowie Plaqueanlagerung und somit eine potenzielle Quelle für Entzündungen sein. Ist die Oberfläche hingegen zu glatt poliert (keine Mikroretentionen), scheinen sich die Fibroplasten der periimplantären Mukosa nicht optimal an die Abutmentoberfläche anzulagern [2]. Die Autoren gehen auf Grundlage ihrer langjährigen Erfahrungen, der wissenschaftlichen Datenlage sowie zahlreicher Untersuchungen davon aus, dass es für die optimale Oberflächenrauigkeit einen definierten Schwellenwert gibt. Bei diesem Wert ist die Plaque- und Bakterienanlagerung gering (Abb. 7). Zugleich wird das Anlagern der Fibroplasten bestmöglich unterstützt [3, 4]. Als ideale Oberfläche erachten die Autoren einen mittleren Rauwert (RA 0,21–0,40 µm) [5]. Der Balanceakt zwischen zu rauer und zu glatter Oberfläche kann mit einem durchdachten Konzept und entsprechenden rotierenden Instrumenten sicher und reproduzierbar bewältigt werden.

 

Hinweis

Verschiedene Untersuchungen gehen davon aus, dass es einen Schwellenwert gibt, bei dem die Bakterien- und Plaqueanlagerung an der Oberfläche gering ist und zugleich eine Anlagerung der Fibroplasten unterstützt wird. Als ideale Oberfläche gilt ein mittlerer Rauwert (in µm: Ra = 0,21–0,40). Für die adäquate Oberflächenvergütung werden ein dokumentiertes Arbeitsprotokoll (Panther Abutment Surface) und die Verwendung spezieller Gummipolierer empfohlen.

07 Ampelsystem zur Klassifikation der Rauigkeit im basalen Bereich nach Fischer & Gehrke

 

Vorgehen: Panther Abutment Surface-Protokoll

Das Panther Abutment Surface Kit (sirius ceramics) ermöglicht dem Zahntechniker in einem zweistufigen Prozess ein kontrolliertes Erarbeiten des geforderten mittleren Oberflächen-Rauwerts bei allen Abutmentmaterialien (Zirkonoxid, Lithium-Disilikat, Titan) (Abb. 8). Die Panther-Instrumente beziehungsweise das entsprechende Protokoll folgen einem aufbauenden Konzept und können bei einteiligen Titan- und Keramikabutments ebenso wie bei Hybridabutments und Hybridkronen angewandt werden. Zudem können submuköse Bereiche von Stegen (EMF, Titan) mit der optimalen Oberflächentopografie versehen werden (Abb. 9 und 10). Die Instrumente sind in den zwei verschiedenen Konfigurationen rough und smooth sowie in den zwei Geometrien Lense 150 und Lense 260 erhältlich.

08 Das Panther Abutment Surface Kit für ein zweistufiges Protokoll zur Erarbeitung eines mittleren Oberflächen-Rauwerts von Ra 0,21–0,40 µm

09 & 10 Nicht nur die Abutments, sondern auch die basalen Anteile von Stegen können mit dem Panther Abutment Surface Kit optimal bearbeitet werden

 

Nach dem Verkleben der Hybridabutments werden im ersten Schritt die Klebeüber­schüsse – insbesondere im Bereich der Klebefuge – mit der Panther edition Lense rough (gelb) beseitigt (Abb. 11 und 12). Die rough-Instrumente sind mit einem groben Diamantkorn versetzt; sie leisten quasi Grobarbeit im Mikrobereich, ohne dass sie sich mit Kleber zusetzen (Abb. 13). Das Instrument erzielt eine mittlere Rauigkeit mit einem Sa-Wert von zirka 0,91 µm. Im zweiten Schritt wird die gewünschte Restrauig­keit eingestellt. Die Panther edition Lense smooth (lila) erzielt eine mittlere Rauigkeit von zirka 0,34 µm, was der geforderten Oberflächentopografie entspricht (Abb. 14). Die Instrumente werden nicht zu heiß, sodass eine materialschonende Bearbeitung ­gewährleistet ist.

11 Verkleben eines CAD/CAM-Hybridabutments

12 Entfernen der Überschüsse nach dem Abbinden des Klebers mit dem Panther edition Lense rough

13 Einstellen der Oberflächentopografie mit der Panther ­edition Lense smooth

14 Der submuköse Bereich nach dem Bearbeiten mit einer gewünschten Restrauigkeit von zirka 0,34 µm

 

Der Verfahrensablauf innerhalb des Bearbeitungsprotokolls ist immer gleich. Nach dem vollständigen Abbinden des Klebers kommt Panther rough zum Einsatz. Behutsam ­werden grobe Kleberüberschüsse entfernt. Mit der bewährten Panther smooth-Linse erfolgt im Anschluss die Feinarbeit.

 

2. Panther Surface im Laboralltag von drei namhaften Zahntechnikern

 

Wie bisher herausgearbeitet, bedingt das Aufbereiten von CAD/CAM-Implantatbauteilen eine manuelle Nacharbeit seitens des Zahntechnikers. Im Artikel wurde bislang beschrieben, warum das Erarbeiten der Oberflächentopografie im submukösen Bereich so wichtig ist. Hierzu wurde das Panther Surface-Konzept dargestellt. Doch wie stellt sich dies im Alltag der Kollegen dar, die Tag für Tag implantatprothetische Restaurationen erstellen? Drei Zahntechniker zeigen anhand aussagekräftiger Bilder ihr Vorgehen und beschreiben ihre Erfahrungen mit dem Panther Abutment Surface Kit (Abb. 15 bis 24).

15 & 16 Ztm. Claus-Peter Schulz setzt im Laboralltag auf validierte Vorgehensweisen. Das Panther Surface Kit ist zu seinem festen Begleiter bei der Aufbereitung von CAD/CAM-Implantatstrukturen geworden

17 & 18 „Auf manche Dinge kann ich nicht verzichten. Nach dem Verkleben eines Hybridabutments ist für mich das Erarbeiten der mittleren Rautiefe im submukösen Bereich ein unentbehrlicher zahntechnischer Arbeitsschritt.“

19 & 20 Ztm. Pascal Holthaus hat sich im Bereich der Implantatprothetik einen großen Erfahrungsschatz erarbeitet. Mit dieser Expertise trug er maßgeblich zur Serienreife des Panther Surface Kit bei. „Die geforderte Oberflächenrauheit im submukösen Bereich eines CAD/CAM-Abutments lässt sich nur mit einem wohlüberlegten Konzept einstellen. Die Panther-Instrumente sind speziell für diese Indikation entwickelt und bieten die hohe Sicherheit, alles mir Mögliche für ein stabiles Ergebnis der Implantattherapie zu tun.“

21 - 24 Ztm. Simon Schömer vereint im Arbeitsalltag die Ästhetik mit der Funktion und achtet darauf, ausschließlich biologisch optimale Materialien zu verwenden. Bei der Aufbereitung von Abutments favorisiert er das Panther Surface Kit, das mit seinem zweistufigen Protokoll das Erreichen der geforderten mittleren Oberflächen-Rauheit gewährt. „Mir ist es wichtig, dass ich sicher zum Ziel gelange. Dies wird mit diesen diamantierten Silikonwerkzeugen garantiert. So wie ich in der Ästhetik klaren Konzepten folge, tue ich dies auch beim Ausarbeiten biologisch wichtiger Bereiche.“

 

3. Glatt, veredelt, rein: Abutmenthygiene

 

Ist die ideale Oberflächentopografie mechanisch erarbeitet, kommt der Reinheit des Abutments eine hohe Aufmerksamkeit zu. Abutments sind definitionsgemäß Medizinprodukte (semikritische Bauteile mit Kontakt zur Schleimhaut) und müssen normativ der geforderten Desinfektionswirkung (DIN EN ISO 17664) entsprechen [7]. Grundsätzlich gilt, dass alle CAD/CAM-Abutments verfahrenstechnisch bedingte Auf- und Einlagepartikel (Debris) sowie organische und anorganische Verunreinigungen aufweisen (vgl. Abb. 3 bis 7). Beispiele sind Frässpäne, Kühlflüssigkeit oder chemische Rückstände der Oberflächenbearbeitung. Egal ob zentrale oder laborseitige Fertigung – die CAD/CAM-Abutments unterliegen alle denselben potenziellen Verunreinigungsquellen. Bei der laborseitigen Fertigung sind zusätzlich angelagertes Strahlgut, Kleberüberschüsse, Handfett, Poliermittel und Gummierer­rückstände zu nennen. Welche Infektionsgefahr aus unzureichend gereinigten Abutments tatsächlich hervorgeht, lässt sich zum heutigen Zeitpunkt nicht eindeutig beantworten. Initiale Studien zeigen jedoch, dass nicht adäquat aufbereitete Abutments zu verstärktem periimplantären Knochenabbau führen könnten [6, 7].

 

Hinweis

Schnittstelle Praxis und Labor: Der Zahnarzt sollte im Vorfeld eine Risikobewertung vornehmen. Es ist zu entscheiden, ob das Abutment als semikritisch (Kontakt mit der Schleimhaut) oder kritisch (Durchdringung von Haut oder Schleimhaut und dabei Kontakt mit Blut beziehungsweise inneren Geweben) eingestuft werden muss. In der Regel – Ausnahme Sofortimplantation und Sofortbelastung – werden Abutments als semikritisch klassifiziert. Eine Sterilisation ist nicht notwendig, wohl aber ein entsprechendes Reinigungsprotokoll.

Zusammenfassend lässt sich feststellen: Dem Reinigungs- und Desinfektionsverfahren von Implantataufbauten kommt eine hohe klinische Bedeutung zu. Das bloße „Abdampfen“ im Labor mit heißem Wasserdampf ist ein unwirksames Verfahren, das die geforderte Desinfektionswirkung verfehlt [8, 9]. Initiale In-vitro-Untersuchungen haben ergeben, dass keramische CAD/CAM-Abutments organische und anorganische Verunreinigungen aufweisen, wohingegen ultraschallgereinigte und desinfizierte Abutments eine deutliche Reduzierung der Oberflächenkontamination zeigen. Empfohlen wird daher, Implantataufbauten vor dem Einsetzen in den Patientenmund einem standardisierten Reinigungs- und Desinfektionsverfahren zu unterziehen. Auch zentrale Dienstleister sollten ihren Kunden ein valides, nachvollziehbares und vor allem praxistaugliches Reinigungs- beziehungsweise Bearbeitungsprotokoll anbieten. Praktisch wird dies derzeit nicht gemacht, was zeigt, dass in diesem Bereich eine große Grauzone vorherrscht. Hier ist die klare Forderung nach einheitlichen Bewertungsprotokollen an Fertigungsdienstleister zu richten.

Die Autoren haben ein Aufbereitungsprotokoll entwickelt, bei dem der Implantataufbau in drei verschiedenen Flüssigkeiten im Ultraschallgerät gereinigt wird: das Finevo Cleaning System (FCS), das als standardisiertes Reinigungs- und Desinfektionsverfahren dienen kann [8]. Die Kontrolle der in diesem Prozess erreichbaren Reinigungsergebnisse erfolgt mit hochmodernen Technologien, wie zum Beispiel dem Hochleistungs-Rasterelektronenmikroskop (REM) des ­medical ­materials research institute, mmri.berlin (Abb. 25 bis 27). In reproduzierbaren, gleichbleibenden Prozessabläufen werden die Abutments damit vor sowie nach dem Reinigungsprozedere auf Verunreinigungen geprüft.

25 - 27 Bei gleichbleibender Positionierung und identischem Prozessablauf werden die Oberflächen unterschiedlich gereinigter Abutments im Rasterelektronenmikroskop begutachtet. Das rechte Bild zeigt ein aus zirka 300 einzelnen REM-Aufnahmen erstelltes Mapping des Abutments. Das augenscheinlich saubere Abutment ist mikroskopisch gesehen verunreinigt

 

Vorgehen: Finevo Cleaning System (FCS)

 

Durch die gewissenhafte Anwendung des Reinigungsprotokolls nach Gehrke/Fischer ist eine reproduzierbare Reinigung der Oberfläche möglich. Das FCS reinigt alle Abutmenttypen und Abutmentaufbauten nach einem aktualisierten, geprüften, dreistufigen und verkürzten Ultraschallverfahren in drei verschiedenen Bädern (je 5 Min bei 30 °C). Dadurch werden verarbeitungsbedingte Rückstände und Verunreinigungen auf der Titan-, Zirkonoxid oder Hybridkeramik-Oberfläche sicher entfernt.

 

Hinweis

  • Verkleben der zweiteiligen Abutments nach Herstellerangaben 
  • Entfernen der Überschüsse durch entsprechende Oberflächenbearbeitung (Teil 1 des Artikels)
  • Reinigungsprotokoll nach dem FCS

 

Zweiteilige Abutments (CAD/CAM-Hybrid­abutments oder -Hybridkronen) werden nach Herstellerangaben verklebt, wobei der Kleber für diese Indikation explizit geeignet sein muss. Nachdem die Kleberüberschüsse mit einem Spezial-Gummierer beseitigt und die Oberfläche entsprechend bearbeitet worden sind (siehe Teil 2 des Artikels), hat der submuköse Bereich eine Restrauigkeit von 0,32 μm. Dies entspricht den Vorgaben bewährter Standards konfektionierter Abutments. Danach erfolgt die Reinigung nach dem FCS (Abb. 28 bis 32).

28 Systembestandteile Finevo Cleaning System (FCS): Ultraschall-Reinigungsgerät, Reinigungsflüssigkeit und Glasgefäße

29 & 30 Auffüllen der Finevo 01-Reinigungsflüssigkeit und Einbringen der CAD/CAM-Hybridabutmentkrone in Ethylalkohol

31 Einsetzen in das Finevo Clean Ultraschall-Reinigungsgerät

32 Nach der Reinigung wird das Abutment verschweißt

 

Finevo Clean ist ein Ultraschall-Reinigungsgerät, das bedingt durch Schwingungstechnik und Temperatur mit hohem Wirkungsgrad eine optimale Reinigungsleistung gewährleistet. Finevo 01 ist eine Reinigungsflüssigkeit und dient der einmaligen Anwendung. Das zu reinigende Objekt wird in das Finevo Clean-Glasgefäß gelegt und die Reinigungsflüssigkeit aufgefüllt. Im Ultraschallgerät (30 °C) wird nun ein fünfminütiges Reinigungsbad vorgenommen. Im zweiten Schritt wird das Abutment in Ethylalkohol (80 %) im Ultraschallgerät gereinigt und abschließend mit medizinisch reinem Wasser ­(destilliertem Wasser) im Ultraschallgerät gespült. Die Reinigungsschritte werden in separaten Behältern im Ultraschallgerät durchgeführt.

  • Schritt 1 – Finevo 01, 5 Minuten im Ultraschall bei 30 °C
  • Schritt 2 – Ethylalkohol 80 %, 5 Minuten im Ultraschall bei 30 °C
  • Schritt 3 – Spülvorgang mit medizinisch reinem Wasser, 5 Minuten im Ultraschall bei 30 °C

 

Die gereinigten Bauteile sind nun keimfrei und können in diesem Zustand eingeschweißt und konserviert werden; die bestmögliche Reinigung der Oberfläche wurde erreicht (Abb. 33 und 34). Das Abutment kann klinisch mit gutem Gewissen verwendet werden. Idealerweise werden die Implantataufbauten nach Abschluss der Reinigung bis zur Anwendung im Patientenmund eingeschweißt aufbewahrt.

33 & 34 REM-Aufnahmen im Vergleich: Links vor der Reinigung mit dem Finevo Cleaning System und rechts die Aufnahme danach

 

Hinweis

Schnittstelle Praxis und Labor: Im Vorfeld einer implantatprothetischen Behandlung sollten sich Zahnarzt und Zahntechniker konkret dazu abstimmen, wer im Team das Reinigungsprozedere vornimmt und wer das Vorgehen in welcher Form ­dokumentiert.

 

Saubere Oberflächen mit definierter Restrauigkeit

 

Dem Zahntechniker kommt bei der Her- beziehungsweise Fertigstellung von CAD/CAM-Abutments beziehungsweise Implantataufbauten eine wichtige Rolle zu. Grundsätzlich gilt: „CAD/CAM-gefertigt“ allein reicht nicht als Gütesiegel (Abb. 35). Das Team aus Zahnarzt und Zahntechniker sollte sich im Vorfeld darüber einigen, wer welche Aufgaben übernimmt und wie diese dokumentiert werden.

35 Makroskopisch zeigt sich eine seidenmatte Oberfläche im submukösen Bereich der Abutments. Die mikroskopische Aufnahme bestätigt die gewünschte Oberflächenrauigkeit

 

Danksagung

 

Wir danken den zahlreichen wunderbaren Kollegen, die bei der Erarbeitung dieser In­strumente geholfen haben und maßgeblich beteiligt waren.

  • Benjamin Votteler
  • Bruno Mooser
  • Björn Pfeiffer
  • Chris Smaha
  • Christian Koczy
  • Claus-Peter Schulz
  • Giuliano Moustakis
  • Pascal Holthaus
  • Philipp Krywun
  • René Wollenberg
  • Silke Schmidt
  • Simon Schömer
  • Thomas Klusemann
  • Uwe Gehringer

 

Besonderer Dank gilt der Firma SUN Ober­flächentechnik für deren Qualitätsbewusstsein und Willen, mit „weniger“ nicht zufrieden zu sein. Ebenso ist unsere geschätzter Kollege Joachim Werner zu nennen, dem das wunderbare Titelbild dieser Ausgabe zu verdanken ist.

 

 

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