CAD/CAM

Im Gespräch mit Hans-Georg Bauer, Ztm. Guido Haag und Christian Werthmann

Mit Leidenschaft zu individuellen Lösungen

Ein Beitrag von Dan Krammer

Themen:  CAD/CAM, Diverses, Prothetik, Implantatproth.

Handwerk und CAD/CAM, digital und analog – wie genau dieses Zusammenspiel heute schon funktioniert und welche Chancen es für die Zukunft bereithält, thematisiert der erste Zahntechniker-Kongress von Dentsply Sirona. Dieser wird am 20. und 21. April 2018 in Frankfurt am Main stattfinden. Was die Teilnehmer dort im Einzelnen erwartet, beleuchten im Interview Hans-Georg Bauer, Marketing Direktor Lab CAD/CAM bei Dentsply Sirona, Ztm. Guido Haag, Chief Technical Manager bei Dentsply Sirona Implants, und Christian Werthmann, Vertriebsdirektor bei Dentsply Sirona Prosthetics Deutschland.

 

 

Dentsply Sirona richtet im April 2018 erstmals einen Zahntechniker-Kongress aus. Mit CAD/CAM, Implants und Prosthetics sind daran die drei Unternehmensbereiche mit unmittelbarer Bedeutung für die Zahntechnik beteiligt. Was hat es damit auf sich?

Hans-Georg Bauer: Das Zusammenspiel der drei Geschäftsbereiche CAD/CAM, Implants und Prosthetics versetzt uns bei Dentsply Sirona in die komfortable Lage, Zahntechnikern von prothetischen Werkstoffen über CAD/CAM-Hard- und Software bis hin zu zentralen Fertigungsdienstleistungen eine breite Palette bieten zu können. Das Labor hat so die Möglichkeit, sich nach den eigenen Wünschen für einzelne Produkte oder für eine ganze Prozesskette aus unserem Haus zu entscheiden. Anders ausgedrückt: Wir unterbreiten ein objektives Angebot und zeigen dabei verschiedene Lösungswege für die Herausforderungen des Laboralltags auf. Welchen Weg der Zahntechniker dann einschlagen möchte, liegt ganz bei ihm selbst. Diesen Ansatz möchten wir den Teilnehmern des Kongresses an konkreten Beispielen näherbringen.

Guido Haag: Mit der Veranstaltung möchten wir aufzeigen, dass wir von Dentsply Sirona nach der Unternehmensfusion unser Engagement im Laborbereich bündeln und stärken. Zusammen mit den Zahntechnikern wollen wir etwas in der Branche bewegen. Der gemeinsame Auftritt unserer drei Geschäftsbereiche mit zahntechnischem Portfolio, CAD/CAM, Implants und Prosthetics soll dabei insbesondere verdeutlichen, welche Möglichkeiten es mit uns für eine umfassende Zusammenarbeit gibt.

Christian Werthmann: In diesem Zusammenhang möchten wir außerdem vermitteln, dass es zwar nicht zwingend notwendig, aber durchaus möglich ist, den gesamten zahntechnischen Workflow mit unseren Produkten und Lösungen zu bestreiten. Dabei wollen wir den Laboren die volle Entscheidungsfreiheit bieten und gleichzeitig signalisieren: „Wenn ihr von A bis Z mit uns arbeitet, sorgen wir für optimierte Prozesse.“

 

Das Motto des Kongresses lautet „Customized – Digital und Handwerk“. Was genau ist damit gemeint und an welchen Stellen des Programms findet sich dieses Veranstaltungsthema wieder?

Haag: Customized, also individuell, ist die Zahntechnik schon immer gewesen. Schließlich war das Ziel bereits seit ihren Anfängen die auf den Patienten zugeschnittene Einzelanfertigung. Im Zuge der Digitalisierung wurde „Customized“ jedoch zunehmend zum Schlagwort. Der Zahntechniker-Kongress geht nun der Frage nach, wie Digitalisierung und Handwerk zusammenwirken, um patientenindividuelle Ergebnisse zu erzielen. Ich sehe es so: Digital und Handwerk schließen sich keineswegs aus, aber das Handwerk ist heute und erst recht in Zukunft ohne digitale Unterstützung nicht mehr wettbewerbsfähig. Wie genau die Kombination dieser beiden Aspekte aussehen kann, zeigt das Vortragsprogramm in all seinen Facetten. In dieser Vielfalt wird jeder Zahntechniker neue Möglichkeiten entdecken – customized für sein Labor.

Bauer: Die moderne Zahntechnik braucht beides: Digitalisierung und Handwerk. Obwohl wir berechtigterweise viel über die Möglichkeiten und Chancen der CAD/CAM-Technologie sprechen, werden wir noch lange Zeit echte handwerkliche Prozesse brauchen. Werthmann: Selbst wenn es eines Tages möglich sein sollte, alles CAD/CAM-gestützt herzustellen – eine solide zahntechnische Ausbildung wird immer die Grundlage für die gewünschte Ergebnisqualität sein. Gerade auch, weil wir uns auf einem hochindividualisierten Feld bewegen, auf dem kein Lösungsweg mit einem zweiten identisch ist.

 

Das Leitmotiv des Zahntechniker-Kongresses ist ein Motorradfahrer, mal im Porträt, mal „on the road“. Was hat es mit diesem Motoradfahrer auf sich und in welcher Verbindung steht er zur Zahntechnik?

Haag: Wir haben uns für den Biker entschieden, um die Individualität in der Zahntechnik und somit das Thema „Customized“ widerzuspiegeln. Das „On the road“-Motiv steht dabei für die Dynamik der Digitalisierung als einem immer schneller werdenden Zyklus. In diesem Umfeld bedeutet Stillstand mehr denn je Rückschritt, weshalb wir mit dem Zahntechniker-Kongress eine attraktive Option bieten wollen, um up to date zu bleiben.

Bauer: Für mich spielt in diesem Zusammenhang auch das Stichwort „Leidenschaft“ eine entscheidende Rolle. Wer den YouTube-Film zum Zahntechniker-Kongress gesehen hat, der weiß vermutlich schon, wovon ich spreche. Dort sieht man nämlich, wie Holz und Leder, aber auch Motorradteile und zahntechnische Werkstoffe durch moderne Technik und echte Handarbeit zu einem ästhetischen Ganzen werden. Gerade der handwerkliche Aspekt ist für mich ganz eng mit der Leidenschaft für eine bestimmte Sache verbunden. So wie der Mechaniker mit ölverschmierten Händen die letzte Schraube anzieht und sich anschließend für eine Spritztour auf das Motorrad schwingt, liebe ich als gelernter Zahntechniker den Geruch der Monomere, den Klang der Turbinen und die Randspaltenkontrolle mit der Lupenbrille. Bei all der technischen Hilfe, die wir natürlich gern in Anspruch nehmen, bleibt das physisch Erlebbare immer noch das, was die meisten wirklich begeistert.

 

Das Kongressprogramm hält über die zwei Veranstaltungstage eine breite Palette von Themen bereit. Von wo bis wo reicht das Spektrum im Detail?

Werthmann: Mit dem PEERS-Forum (PEERS = Platform Exchange Education Research Science) am Freitag haben wir zum Einstieg einen Programmpunkt, dessen Inhalte im Vorfeld gänzlich von teilnehmenden Zahntechnikern gestaltet wurden. Das internationale Expertennetzwerk nimmt dabei aus wissenschaftlicher Sicht die Grenzen und Möglichkeiten der digitalen Prozesskette in den Blick. Das Hauptprogramm am Freitagnachmittag geht anschließend der Frage nach, wo es in der Zahntechnik technisch, aber auch politisch und in puncto Persönlichkeitsentwicklung hingeht. Der zweite Kongresstag steht dann schließlich ganz im Zeichen des zahnärztlich-zahntechnischen Teamworks. Dabei können wir mit Platz für mehrere hundert Teilnehmer eine große Zahl von Zahntechnikern an Bord holen und gemeinsam ein echtes Ausrufezeichen in der Branche setzen. Wir bieten also ein spannendes Programm und den zahntechnischen Meeting Point in einem – das sollte man sich nicht entgehen lassen.

Mit Leidenschaft für die Zahntechnik: Ztm. Guido Haag, Christian Werthmann und Hans-Georg Bauer (v.li.) beantworten in diesem Interview die Frage, was Teilnehmer auf dem Zahntechniker-Kongress von Dentsply Sirona erwartet

Freuen sich schon jetzt auf den Zahntechniker-Kongress am 20. und 21. April 2018 in Frankfurt am Main: Hans-Georg Bauer, Ztm. Guido Haag und Christian Werthmann (v.li.)

 

Es fällt auf, dass für einen Zahntechniker-Kongress auch verhältnismäßig viele Zahnärzte zu den Referenten zählen. Welcher Gedanke steckt dahinter?

Haag: Fakt ist doch: Ohne Zahnärzte gibt es keine Zahntechnik. Aus diesem Grund möchten wir ganz generell das Augenmerk auf das Teamwork richten und erörtern, welche Rolle der Zahntechniker dabei in Zukunft einnimmt. Meiner Einschätzung nach muss in diesem Kontext verstärkt die Berater- und Unterstützerfunktion des Labors betont werden, gerade in werkstoffkundlichen und technischen Angelegenheiten. Da die Ergebnisqualität immer vergleichbarer wird und Top-Resultate heutzutage ohnehin erwartet werden, bleiben Zahntechniker zunehmend über ihr breit gefächertes Knowhow erfolgreich. Kurz ausgedrückt, geht es um die Frage: „Was weiß ich und wie kann ich es dem Zahnarzt transportieren?“ Sie wird am Samstag auch bei unseren zahnärztlich-zahntechnischen Referenten-Teams und den Ausführungen unseres Moderators Dr. Mischa Krebs eine Rolle spielen.

Bauer: Teamwork ist hier sicherlich ein Schlüsselbegriff, auf den ich kurz eingehen möchte. Wenn ich über dieses Wort nachdenke, verbinde ich es mit einem herbeigeführten, fast schon konstruierten Prozess der Zusammenarbeit – nicht ohne Grund müssen Teams häufig erst in speziellen Maßnahmen „gebuildet“ werden. Das Zusammenwirken von Zahntechniker und Zahnarzt hingegen ist für mich vielmehr eine natürliche, ja selbstverständliche Partnerschaft.

Werthmann: Mit genau dieser Selbstverständlichkeit im Hinterkopf denken wir bei Dentsply Sirona über unsere Innovationen und Entwicklungen nach. Bei einer zahntechnischen Produktentwicklung berücksichtigen wir ganz automatisch auch die Praxisperspektive und vice versa. Vor diesem Hintergrund finde ich ein partnerschaftliches Auftreten von Zahnärzten und Zahntechnikern auf unserem Kongress nur konsequent.

 

Zusätzlich zum Hauptprogramm hält der Zahntechniker-Kongress mit einigen Workshops auch ein attraktives Rahmenprogramm für die Teilnehmer bereit. Wo liegen hier die Schwerpunkte?

Haag: Wir bieten insgesamt vier Workshops an, zu je einem der drei Unternehmensbereiche Dentsply Sirona CAD/CAM, Implants und Prosthetics sowie einen zum Thema Laborkalkulation. Die Schwerpunkte werden dabei tagesaktuell gestaltet. Auf unserer Webseite www.der-zahntechniker-kongress.de werden die Themen rechtzeitig veröffentlicht. Die Entscheidung für einen bestimmten Workshop können die Teilnehmer dann sogar noch vor Ort treffen.

Angesichts der vielen hochkarätigen Referenten ist die letzte Frage sicherlich nicht einfach zu beantworten: Wenn Sie sich nur einen einzigen Vortrag des Kongresses anhören könnten, welcher wäre das und warum?

Haag: Ich persönlich würde versuchen, alle Vorträge zu hören. Denn jeder thematisiert ganz eigene Informationen und Inhalte und bietet somit auch seinen ganz eigenen Mehrwert. Wenn ich durch einen unglücklichen Zufall allerdings nur einen hören könnte, dann würde ich mich für den Beitrag von Sandra Häge-Betz entscheiden. Sie wird unter dem Titel „Scannen und Fräsen – Zukunftsperspektiven“ aufzeigen, wie weit die digitalen Technologien schon sind und wie sie uns zukünftig verändern werden oder das schon heute tun. Für mich als Digitaltechnikfreak ist das einfach ein „must see“.

Werthmann: Auf zahntechnischer und zahnmedizinischer Seite haben wir eine ganze Reihe von fachlich herausragenden Referenten, das ist gar keine Frage. Ich möchte an dieser Stelle aber die Chance nutzen, das Augenmerk auf unsere „nicht dentalen“ Redner zu lenken: Mit Wolfgang Grupp, Matthias Horx und Benedikt Böhm haben wir einen der bekanntesten deutschen Firmenchefs, einen Zukunftsforscher und einen Extrembergsteiger mit an Bord. Ich denke, dass jeder von ihnen einen sehr interessanten Blick über den „dentalen Tellerrand“ zu bieten hat.

Bauer: Wenn ich den Teilnehmern ein Referententeam ganz besonders ans Herz legen dürfte, dann wären das wohl Dr. Martin Butz und Bastian Heinloth. Sie werden auf sehr anschauliche Weise darstellen, wie Patienten, Labore und Praxen vom digitalen Workflow profitieren können – auf ihre Beispiele bin ich schon sehr gespannt.

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