Ästhetik

Mit cleveren Verfahren und neuen, darauf abgestimmten Qualitätsmaterialien schnell zum Ziel

Klassisch-einzigartig und/oder hightech-produktiv

Ein Beitrag von Cristian Petri und Dr. Maria Barac

Themen:  Ästhetik, CAD/CAM, Implantatproth., Diverses

Viele Musiker spielen auf Instrumenten, die drei oder vier Genrationen zuvor gebaut wurden, bevor sie selbst das Licht der Welt erblickt haben. Ihr einziges Ansinnen ist es, mit diesen Instrumenten ihrer Musik auf einzigartige Art und Weise Leben einzuhauchen. Besonders talentierte Maler zeichnen mit einem einfachen Bleistift und auf einem normalen Stück Papier unglaubliche Portraits. Und dennoch: Hightech kann helfen, diese Kunstwerke zu teilen und dadurch einen Mehrwert generieren. Genau das ist auch in der Zahntechnik und Zahnheilkunde möglich. Auch, wenn sie mehr sind als nur Kunst oder bloße Heilkunde. Denn hierbei handelt es sich auch um Gewerbe. Und da sich die Zeiten geändert haben, kommen Labore und Praxen heutzutage nicht mehr ohne die Hilfe fortschrittlicher Technologien aus. 

01 - 04 Leider werden Patienten allzu oft nur von der ästhetischen Seite aus betrachtet und analysiert. Zudem konzentriert man sich dabei oft nur auf die Frontzähne, obwohl die Seitenzahnbereiche für gesamte Rehabilitation enorm wichtig sind. Um die für die nächsten Schritte notwendigen Aspekte sichtbar zu machen, wurde für die differenzierte Anamnese eine Serie von Bildern und eine OPG-Aufnahme angefertigt

Ohne Intra- oder Extraoralscanner, Fräs- oder Schleifmaschinen, 3D-Drucker oder moderne Planungs- und Konstruktionsprogramme sowie kleine digitale Helfer für die einfachen Arbeitsschritte, wird es fast unmöglich sein, in Zukunft bestehen zu bleiben. Und dennoch, der künstlerische Part bleibt die geheime Zutat, die den Unterschied ausmacht. Allerdings können heute Arbeitsschritte, die wir früher mit klassischen Geräten wie etwa dem elektrischen Wachsmesser oder einem Handstück verrichtet haben, mittels CAD/CAM ersetzt werden. Sei es die hochpräzise Einstellung des notwendigen Zementspalts, die Ermittlung des Präparationsrandes, die Gestaltung des Emergenzprofils, der äußeren Form und der Kontaktflächen einer Restauration, die exakte Position der Höckerspitzen und die schier gar uneingeschränkte Materialauswahl. Die Herstellung prothetischer Versorgungen war noch nie so präzise und effizient wie zu den heutigen CAD/CAM-Zeiten, die wir geschickt mit unserem handwerklichen Können zu kombinieren wissen.

CAD/CAM brachte nicht nur mehr Effizienz und Präzision in unseren Laboralltag, sondern auch eine Vielzahl neuer Materialien. Die Vorteile einiger dieser neuen Restaurationsmaterialien führten dazu, dass wir bisherige Versorgungsformen hinterfragen mussten. Insbesondere seit der Einführung monolithischer Restaurationsmaterialien wie Zirkonoxid, aber auch Lithium-Disilikat (das natürlich ebenfalls presstechnisch verarbeitet werden kann) können Versorgungen aus zwei oder mehr Materialien infrage gestellt werden. Wir sind heute in der Lage, Metallkeramik- oder sogar verblendete Zirkon­oxid-Restaurationen durch vollkeramische, hochästhetische und funktionelle Varianten zu ersetzen. Und das, ohne das Risiko von Sprüngen, Abplatzungen oder gar Frakturen in Kauf nehmen zu müssen. Ein weiterer Vorteil ist in der Art zu sehen, wie die dentalen Gewebe präpariert werden – beispielsweise non- oder minimalinvasiv. Hinzu kommt, dass der Patient, aber auch der Techniker und das gesamte Behandlungsteam von den neuen Versorgungskonzepten profitieren, da sich die Umsetzung vereinfacht und dadurch beschleunigt. Es handelt sich also um produktivere und effizientere Versorgungsformen. In diesem Beitrag wird nun einer dieser Ansätze beschrieben.
Für die Lösung des hier vorgestellten Falls wurden klassische handwerkliche Methoden mit CAD/CAM-basierten Technologien kombiniert. Immer mit dem Ziel vor Augen, ein qualitativ perfektes Produkt zu erhalten. Dadurch lassen sich Parallelen zwischen diesen ach so unterschiedlichen Herstellungsverfahren aufzeigen, die letztendlich doch in einer Sache münden: Zahnersatz, der nach bestem Wissen und Gewissen hergestellt wurde.
Der 40-jährige Patient wünschte sich sehnlichst schöne Frontzähne. Die initiale Befundung fand intra- und extraoral statt. Dabei wurden indirekte Komposit-Versorgungen im Frontzahnbereich des Oberkiefers festgestellt. Im Seitenzahnbereich befanden sich diverse ältere Restaurationen – Füllungen, Brücken und sogar implantatgetragene Einzelkronen. Allen gemein war eine mangelhafte Ästhetik und Funktion. Die Unterkieferfront wies Abrasionen auf, die auf die ineffizienten und schlecht gemachten, alten Versorgungen zurückzuführen sind. Zudem wurde die Ästhetik der Oberkieferversorgungen als „korrigierenswert“ eingestuft.
Leider werden Patienten allzu oft nur unter ästhetischen Gesichtspunkten betrachtet und analysiert. Zudem konzentrieren wir Zahntechniker uns dabei oft nur auf die Frontzähne. Dabei lassen wir außer Acht, dass die Seitenzahnbereiche sehr wichtig für die gesamte Rehabilitation sind. Um uns in die Lage zu bringen, die für die nächsten Schritte notwendigen Aspekte sichtbar zu machen, fertigten wir für eine differenzierte Anamnese eine Serie von Bildern an (Abb. 1 bis 4).

05 & 06 Das Situationsmodell hilft, die aus den Bildern gewonnenen Eindrücke zu verifizieren und zu verstehen

07 & 08 Auf Basis des Situationsmodells wird ein diagnostisches Wax-up unter ästhetischen und funktionellen Gesichtspunkten erarbeitet. Dabei wird nur aufgebaut und vorhandene Strukturen nicht abgetragen

Das Situationsmodell hilft uns, die aus den Bildern gewonnenen Eindrücke zu verifizieren und zu verstehen, wieso die bestehende Situation ist, wie sie ist (Abb. 5 und 6). Zudem versetzt es uns in die Lage, mit einem Wax-up die aus ästhetischer und funktioneller Sicht bestmögliche Lösung zu erarbeiten. Wir bevorzugen es, das Wax-up nur aufzubauen und die vorhandenen Strukturen nicht abzutragen (Abb. 7 und 8). Dies ist zu diesem Zeitpunkt der Konsultation ein Schlüsselfaktor, denn wir möchten dem Patienten ein realisierbares Resultat anbieten. Schließlich können wir nicht wissen, ob er unser damit gegebenes Versprechen akzeptiert. Da die Zeit des Patienten limitiert war, entschieden wir uns dazu die Behandlungssitzungen in zwei Hauptphasen zu trennen: eine für die Ober- und eine für die Unterkieferversorgung. In diesem Fall könnte man diese beiden Phasen auch in eine klassische und eine Hightech-Phase unterteilen, denn der Unterkiefer sollte mittels analoger und der Oberkiefer mithilfe der CAD/CAM-Technik versorgt werden. Aber dazu im Detail gleich mehr.

09 Das Unterkiefer-Mock-up zeigt, dass die Zähne 35 bis 44 non-invasiv versorgt werden können. Für den Zahn 37 sollte eine Vollkeramikkrone angefertigt werden

10 - 12 Für die Implantate in regio 36 und 46 wurden direkt verschraubbare Implantatkronen geplant und hierfür dann vollanatomische Kronen auf den Klebebasen aufgewachst

1. Technische Phase
Klassische Technik für die Unterkieferrestaurationen

Um das Wax-up und dessen Wirkung im Patientenmund begutachten zu können, wurde es mit einem glasklaren Silikonwall abgeformt. Dieser wurde an den Zahnfleischverlauf angepasst, sodass wir in der Lage sind, die Kontur einfach zu manipulieren. Für das Mock-up verwendeten wir ein fließfähiges, lichthärtendes Provisorienmaterial, das wir hierzu in den Silikonkonter einbrachten und diesen dann auf die Zähne setzten. Daraufhin erfolgte die Lichtpolymerisation durch den Silikonwall hindurch. In diesem Stadium ließen sich die Überschüsse entlang des Zahnfleischverlaufs entfernen. Nachdem der Wall abgenommen worden war, adaptierten wir das Mock-up an die Funktionsbewegungen des Patienten und achteten darauf, dass es die Phonetik nicht beeinträchtigt. Denn die ungehinderte Lautbildung ist ein weiterer, entscheidender Faktor, der die Gesamtfunktionalität einer zahntechnischen Versorgung beeinflusst. Im nächsten Schritt – den wir „Testfahrt“ nennen – trägt der Patient das derart eingebrachte und modifizierte Mock-up für einen Zeitraum von drei bis vier Monaten. Während dieser Zeit sind wir in der Lage zu prüfen, ob der Prototyp so funktioniert, wie wir das geplant haben.

Nach dieser „Testfahrt“ formt der Behandler die Situation mitsamt Mock-up ab. Das Modell, das wir auf Basis dieser Abformung anfertigen, dient uns zukünftig als Wegweiser bei all unseren prothetischen Schritten.
Aufgrund der begrenzten Zeit, die der Patient für die Behandlung aufbringen konnte, entschieden wir uns dazu, zunächst den Unterkiefer und danach den Oberkiefer zu versorgen. Dieses Vorgehen ist möglich, weil wir mit dem Duplikatmodell der Mundsituation samt Oberkiefer-Mock-up bereits einen Prototypen der zukünftigen Oberkieferversorgung haben. Das Unterkiefer-Mock-up ist der Beweis dafür, dass wir unserem Anspruch, die Zähne 35 bis 44 non-invasiv zu versorgen, gerecht werden können (Abb. 9). Lediglich die Zähne 37 und 45 wurden minimal präpariert, um den Zahnbogen etwas korrigieren zu können. Zudem fertigten wir für die Implantate in regio 36 und 46 direkt verschraubbare Implantatkronen. Hierfür wurden zunächst mit lichthärtendem Modellierkunststoff Grundgerüste auf den Klebeabutments geschaffen und hierüber mit Wachs die vollanatomischen Zähne nach funktionellen Gesichtspunkten modelliert (Abb. 10 bis 12).

13 - 17 Bei allen UK-Restaurationen handelt es sich um monolithische, gepresste Lithium-Disilikat-Versorgungen. Die monolithische Versorgungsform bringt diverse Vorteile mit sich: neben der hohen Festigkeit und Ästhetik ist der Prozess hoch effizient und sehr präzise

Bei allen Restaurationen, die für den Unterkiefer angefertigt wurden, handelte es sich um monolithische, gepresste Lithium-Disilikat-Versorgungen. Diese Versorgungsform gibt uns ein Maximum an Sicherheit, da wir die hohe Festigkeit des Materials von 400 MPa voll abrufen können. Zudem weisen monolithische Restaurationen den Vorteil auf, dass wir nicht auf mehrere Materialien zurückgreifen mussten, die es irgendwie zu kombinieren gilt. Dadurch müssen wir in Hinblick auf die ästhetische Wirkung und Festigkeit keine Kompromisse eingehen. Zudem bringt der monolithische Ansatz einen weiteren Vorteil mit sich: der Workflow ist hoch effizient und sorgt gleichzeitig für sehr präzise Ergebnisse (Abb. 13 bis 17).

18 - 20 Mit teilverblendeten Presskeramikrestaurationen lassen sich zwar noch ästhetischere Ergebnisse realisieren, doch in diesem Fall lag die Priorität im Unterkiefer auf der Funktion. Zudem sollte unbedingt non- bis minimalinvasiv versorgt werden

Zwar lassen sich mit teilverblendeten Presskeramikrestaurationen ästhetischere Ergebnisse realisieren, als mit bemalten, monolithischen Versorgungen, doch in unserem Fall lag die Priorität im Unterkiefer auf der Funktion. Zudem wollten wir hier unbedingt non- bis minimalinvasiv vorgehen. Mit einer Stärke von rund 0,2 mm im mittleren Drittel und einer anatomisch korrekten Gestaltung, konnten wir Restaurationen generieren, die allein durch die Wahl der adäquaten Presspellets sehr natürlich wirken (Abb. 18 bis 25).

21 - 25 Mit einer Dicke von rund 0,2 mm im mittleren Drittel und einer anatomisch korrekten Gestaltung, konnten Restaurationen generiert werden, die allein durch die Wahl der adäquaten Presspellets sehr natürlich wirken

Dieser sogenannte „Kontaktlinsen-Effekt“ lässt sich gut am Beispiel des Zahns 34 darstellen. Aus den Abbildungen 26 und 27 wird ersichtlich, dass das hauchdünne Veneer die Farbe des darunter liegenden Zahns sehr schön nach außen transportiert. Da die Farbwirkung bei zahngetragenen Vollkeramikrestaurationen eine ganz andere als bei implantatgetragenen ist, wurden für die Implantatseitenzahnkronen IPS e.max Press MT A1-Rohlinge verwendet, um den Helligkeitswert anzuheben. Für die Veneers wurde hingegen auf IPS e.max Press HT A1-Rohlinge zurückgegriffen, um die höhere Transluzenz zugunsten der Gesamtästhetik zu nutzen. Die Implantatkronen wurden mit dem hochopaken, selbsthärtenden Befestigungskomposit Multilink Hybrid Abutment auf die Klebebasen geklebt. Dieses Befestigungsmaterial verhindert ein Durchscheinen des metallischen Klebepfostens (vgl. Abb. 23 bis 25).

Die Restaurationen im vierten Quadranten stellten eine echte Herausforderung dar, denn das Veneer für den ersten Prämolaren, das aus einem IPS e.max Press HT A1-Rohling gepresst wurde, war lediglich 0,2 bis 0,3 mm dünn. Und das bei einer „Stumpffarbe“ von ND2/ND1. Das Veneer für den zweiten Prämolaren war dagegen 1 bis 1,2 mm dick, weshalb hierfür ein MT A1 Presspellet verwendet wurde. In diesem Fall entsprach die Farbe des Untergrunds dem ND4-Farbmuster. Die Molarenkrone war zwischen 2 und 4 mm dick, weshalb ein MT A1 Pellet und für den farbtragenden Untergrund wurde ND9 ermittelt. Und all das mit monolithischem Material, mit dem in Summe eine einheitliche Farbwirkung erzielt werden sollte. Gelungen ist dies durch das gezielte Bemalen.

Das Verkleben der individuellen Abutmentkrone mit der entsprechenden Basis ist sehr einfach. Allerdings gilt es einige, sehr wichtige Dinge zu beachten. Allen voran, dass man sich strikt an das Befestigungsprotokoll des jeweiligen Herstellers hält.

In diesem Fall war es notwendig, die Veneers vor dem definitiven Befestigen mit Variolink Esthetic Try-in-Pasten einzuprobieren (light und neutral). So lässt sich gut prüfen, ob die Farbwirkung durch das Befestigungsmaterial nicht negativ beeinflusst wird.
Nachdem also so die adäquate Farbe des Befestigungskomposits bestimmt worden war, wurden die Veneers und Kronen für die Eingliederung vorbereitet. Dabei folgten wir den unten aufgeführten Schritten:
■ Behandlung der keramischen Klebeflächen mit 5 %-iger Flusssäure, 20 s einwirken lassen und danach gründlich abspülen
■ Entfernen möglicher Flusssäure-Anhaftungen mit 37 %-iger Phosphorsäure, 30 s einwirken lassen, gefolgt von einer Reinigung im Ultraschallgerät in destilliertem Wasser, 5 min.
■ danach Trocknen und Silanisieren

Daraufhin folgten die Maßnahmen an den zu versorgenden Zähnen und darum herum:
■ Kofferdam legen
■ Sandstrahlen der Oberflächen der Zähne mit Al2O3 (50 µm)
■ Behandlung der Zahnoberflächen mit 37 %-iger Phosphorsäure und danach Aufbringen des Adhäsivs des gewählten Befestigungssystems
■ Nach dem Aufbringen des Befestigungskomposits (Innenseite der Versorgungen und Oberfläche der Zähne) wurden die Versorgungen inkorporiert und das lichthärtende Befestigungsmaterial mittels Handlampe anpolymerisiert, sodass die Überschüsse entfernt und danach das Komposit auspolymerisiert werden konnten
■ Die Implantatkronen wurden aufgesetzt und okklusal verschraubt
■ Schließlich wurde die statische und dynamische Funktion überprüft

Die Abbildung 28 zeigt die frisch versorgte Unterkieferfront. Sowohl die Farbe als auch die Form wirken sehr natürlich.

26 & 27 „Kontaktlinsen-Effekt” am Beispiel des Zahns 34. Hier wird ersichtlich, dass das hauchdünne Veneer die Farbe des darunter liegenden Zahns nach außen transportiert und imitiert

28 Die frisch versorgte Unterkieferfront: Trotz monolithischer Vorgehensweise wirken die Farbe und Form sehr natürlich

29 Im Oberkiefer bildete auch ein Mock-up wieder den planerischen Anfang. Neben der Visualisierung diente dieses auch als Orientierungshilfe für eine keramikgerechte Präparation

30 & 31 Da im Oberkiefer die Dicke der einzelnen Versorgungen stark variierte, wurde auf zwei unterschiedliche Presspellets zurückgegriffen

32 Nach der Bestimmung der Zahn- und Stumpffarbe wurden Fäden gelegt und die Situation abgeformt, sodass im Labor ein Meistermodell hergestellt werden konnte

2. Technische Phase
CAD/CAM-Unterstützung bei der Anfertigung der Oberkieferrestaurationen

Da es ja eine Tatsache ist, dass Zeit oft ein limitierender Faktor ist, mussten wir den Oberkiefer zeitlich versetzt versorgen. Hierfür wurden Tabletops und Kronen geplant. Auch im Oberkiefer leiteten wir uns selbst wieder mithilfe eines Mock-ups. Bei der Versorgung des Oberkiefers spielte die Technik eine große, jedoch nicht die entscheidende Rolle. Den Anfang bildete wieder ein Mock-up, mit dem wir dem Patienten das geplante Ergebnis visualisierten. Zusätzlich diente uns dieses als Orientierungshilfe für eine keramikgerechte Präparation (Abb. 29).

Da auch hier die Dicke der einzelnen Versorgungen stark variierte, griffen wir wieder auf unterschiedliche Presspellets zurück – in diesem Fall auf zwei. Hinzu kam der Umstand, dass die Farbe der Zahnstümpfe stark variierte (Abb. 30 und 31). Nach der Bestimmung der Zahn- und Stumpffarben wurden Fäden gelegt und die Situation abgeformt (Abb. 32). Auf Basis der Abformung wurde im Labor ein Meistermodell für die Sägestümpfe (Abb. 33) und ein zweites, ungesägtes Kontrollmodell gefertigt.

Um die mit dem Wax-up erarbeitete und im Mock-up fixierte Situation zu speichern, wurde es mitsamt dem Modell eingescannt und digitalisiert. Der Weg vom gewissenhaft erstellten Wax-up über das Mock-up ist extrem hilfreich. Denn dadurch sind wir in der Lage, den weiteren Behandlungsverlauf planbar zu machen. Indem wir unsere Lösung am Patienten ausprobieren, ihm diese präsentieren und von ihm absegnen lassen, wird das Ergebnis sehr gut planbar. Zusätzlich leitet es uns auch beim Designen der provisorischen und finalen Versorgung.
Wie bereits erwähnt, scannten wir erst das ungesägte Kontrollmodell und dann das Modell samt Mock-up (Abb. 34) und matchten schließlich diese Daten in der CAD-Software (Abb. 35). Auf Basis dieses einen Datensatzes können wir nun sowohl die temporäre als auch die finale Restauration erstellen (Abb. 36 und 37). Mithilfe der neuen, vielfarbigen primotec-Kunststoffe für die CAD/CAM-gestützte Fertigung der Provisorien (Abb. 38), sind wir sehr gut in der Lage, dem Patienten einen realistischen Eindruck davon zu verschaffen, wie die definitive Versorgung aussehen wird. Zudem sorgen die industriell polymerisierten Kunststoffe dafür, dass die Gewebe während der Tragezeit der Provisorien geschont und konditioniert werden.

Zu diesem Zeitpunkt weist jeder der beiden Versorgungsformen (provisorisch und definitiv) spezifische Design-Parameter auf, die im CAD/CAM-System hinterlegt sind, sie wir jedoch nach Belieben in der Software ändern können. Zudem ist es möglich, die einzelnen Schritte des Scans in der Reihenfolge zu wählen, wie es uns am liebsten ist. Der Scanner erstellt am Anfang einen Übersichtsscan, um die Position des Modells zu bestimmen. Hiernach fordert uns das System je nach der Art des Falls auf, einzelne Zähne oder Abutments zu scannen, um hierfür noch detailliertere Daten zu generieren.

Das so erzeugte 3D-Modell entspricht ziemlich exakt dem realen Vorbild. Wenn wir bei der Begutachtung des 3D-Modells einen Fehler entdecken, so sind wir in der Lage, die betreffende Region erneut zu scannen und die so erzeugten Scan-Daten mit den vorhandenen zu matchen.

33 & 34 Das ungesägte Kontrollmodell und das Modell samt Mock-up wurden gescannt und dann die Daten in der CAD-Software gematcht

35 - 37 Auf Basis des gematchten Datensatzes konnte die temporäre und die finale Restauration designt werden. Die Provisorien wurden aus einem polychromen Provisorienkunststoff CAD/CAM-gestützt gefräst

38 Mit derartigen Provisorien ist man in der Lage, dem Patienten einen realistischen Eindruck davon zu geben, wie die definitive Versorgung aussehen wird

Das finale 3D-Modell wurde generiert, indem wir die 2D-Bilder der gescannten Modelle (mit und ohne Mock-up) exakt zusammenführten. Hierfür wurden in der Software drei Referenzpunkte definiert, über die die beiden Modelle in Beziehung gebracht werden (vgl. Abb. 34 und 35). Das verhält sich ähnlich, wie beim Puzzeln. Die meisten Scanfehler sind die Folge eines fehlerhaften Matching-Prozesses. Fehler, die wir in diesem Stadium nicht erkennen können und die den Fräsprozess beeinflussen, sodass sie uns später Probleme verursachen. Das Scan-System, das wir verwenden, ist von Imetric. Es basiert auf der photometrischen Messung mithilfe von strukturiertem Weißlicht. Ein von Imetric entwickelter, spezieller Kalibrier-Adapter des Scanners, in dem das Modell positioniert wird, hilft zusätzlich, die Match-Genauigkeit zu erhöhen. Der Kalibrierring verhindert Fehler, wie sie beim Überlappen der Modelldaten entstehen können. Die Präzision des Fräs- oder Schleifergebnisses hängt zu gleichen Teilen von der Präzision der Maschine und der des Scanners ab. Ist also das Scanergebnis unpräzise, dann wird auch das subtraktiv generierte Formteil unpräzise sein. Doch das soll reichen, sonst wird es hier zu Computer-technisch. Übersetzt soll das heißen, dass es trotz aller technischer Möglichkeiten und Hilfestellungen unabdingbar ist, dass ein Zahntechniker mit all seinem Wissen und seinen Fähigkeiten diesen Prozess überwacht. Nur wir sind in der Lage, die Daten richtig zu deuten und Zahnersatz oder Teile davon zu konstruieren, die auch wirklich Sinn ergeben. Ein weiterer Vorteil der CAD/CAM-Technik beruht darauf, dass ein damit hergestelltes Provisorium eine exakte Kopie des definitiv geplanten Zahnersatzes ist. Somit kann die finale Restauration sehr gut Probe getragen werden. Zudem lassen sich die daraus gewonnenen Informationen und Änderungen direkt auf die finale Restauration anwenden, sodass es später keine bösen Überraschungen gibt. Und das bei überschaubaren Kosten. Aufgrund des positiven Feedbacks, das der Patient nach der provisorischen Phase gegeben hatte, griffen wir einfach auf die CAD-Daten des Provisoriums zurück und modifizierten lediglich die Front etwas. Angedacht war, die einzelnen Konturen aus Wachs zu fräsen und mittels Presstechnik in Keramik umzusetzen. Für die Zähne 11 und 12 sowie 21 und 22 sollten hierfür IPS e.max Press MT A1- und für den Rest IPS e.max Press HT A1-Pellets verwendet werden.

Um in der Oberkieferfront ein Maximum an Ästhetik zu erreichen, schichteten wir diese händisch (Abb. 39 und 40). Als Gerüstmaterial diente Lithium-Disilikat. Für die Seitenzähne wird eine höhere Festigkeit gefordert, weshalb die vollanatomisch gefrästen Wachskronen presstechnisch in Lithium-Disilikat überführt wurden.

Die vollanatomische Umsetzung der funktionell aufgewachsten Kronen (egal, ob digital oder analog) erweist sich als sehr hilfreich, da sich die darin eingearbeitete Morphologie (und somit auch die Funktion) nicht oder nur minimal ändert. Im Gegensatz dazu ist es äußerst schwierig, Kauflächen mitsamt ihrer funktionell-morphologischen Aspekte durch händisches Schichten zu kopieren.

Bevor wir mit dem Schichten und Brennen der Oberkieferfrontzähne beginnen, führen wir einen Washbrand durch. Dadurch gewähren wir den bestmöglichen Verbund zwischen der Verblendkeramik und dem Gerüstwerkstoff.

Die Art, wie wir die Schichtkeramik verarbeiten, ist sehr wichtig, denn beim Brennen schrumpft die Keramik. Wir müssen diesen Umstand daher beim Aufbau der Zähne berücksichtigen und mit einberechnen. Da wir die Schichtung möglichst auf einmal abschließen möchten, ist es sehr wichtig zu wissen, wo genau und wie viel Keramik benötigt wird. Zudem sollte immer die entsprechende Modellierflüssigkeit verwendet werden, da diese die optimalen Modelliereigenschaften der Schichtkeramik ideal unterstützt. Zudem sorgt sie für homogene Brennergebnisse. Wenn die Keramikmasse zu trocken angemischt wurde, dann bricht sie, und wenn sie zu feucht ist, dann verläuft sie und lässt sich nicht gezielt applizieren. Zudem hilft uns die Modellierflüssigkeit dabei, die idealen Verarbeitungseigenschaften länger zu erhalten, als mit destilliertem Wasser.

Als Basis diente IPS e.max Ceram Dentin A2, das im zervikalen Drittel aufgetragen wurde. Der Rest der Zahnform wurde mit IPS e.max Dentin A1 aufgebaut. Für die Mamelons kam IPS e.max Ceram Mamelon Light und für das letzte Schmelzdrittel kamen IPS e.max Opal Ceram Effect 1 und 2 zum Einsatz. Um vestibulär die Inzisalkanten aufzuhellen, wurde dort IPS e.max Ceram Opal Effect 3 appliziert. Auf diesem Weg wird auch die Länge der Zähne definiert. Um die Kontraktion auszugleichen, wurde die Zahnform mit IPS e.max Ceram Enamel komplettiert.

39 & 40 Aufgrund des positiven Feedbacks, das der Patient nach der provisorischen Phase gegeben hatte, wurden die CAD-Daten der Provisorien leicht modifiziert und die Kronen aus Wachs gefräst, um sie in Presskeramik umzusetzen. Die Oberkieferfrontzähne wurden händisch geschichtet 

41 & 42 Für die Frontzähne wurden Lithium-Disilikat-Gerüste händisch verblendet. Die Seitenzähne wurden monolithisch aus Wachs gefräst und in IPS e.max Press überführt. Minimale Farbanpassungen erfolgten mit IPS e.max Ceram Shade-, Essence- und Glaze-Malfarben

43 & 44 Letztendlich konnten für den Oberkiefer zwölf Vollkeramikkronen hergestellt werden, die sich durch bemerkenswerte Materialeigenschaften und ein hohes Maß an Ästhetik auszeichnen

45 - 49 Die vorbereiteten zwölf Oberkiefer-Vollkeramikkronen sind bereit, um definitiv Eingegliedert zu werden (wie auf den Seiten 106 und 107 beschrieben). Letztendlich konnte dem Patienten im Ober- und Unterkiefer Zahnersatz angeboten werden, der ihm ein neues Lächeln, vor allem aber auch eine neue Funktionalität zurückgab – ob beim Kauen, Schlucken oder Sprechen

Auf diese Weise stimmen die Zahnformen nach dem Brennen, sodass die Mikro- und Makrotexturen direkt mit dem Handstück und diamantierten Schleifkörpern eingearbeitet werden können. Vor dem Glanzbrand wurde noch im Rahmen einer Rohbrandeinprobe mit dem Standardfarbschlüssel die Zahnfarbe kontrolliert und die Wirkung mit dem Zahnarzt und Patienten besprochen. Minimale Farbanpassungen wurden schließlich mit IPS e.max Ceram Shade-, Essence- und Glaze-Malfarben durchgeführt. Letztendlich konnten so für den Oberkiefer zwölf Vollkeramikkronen angefertigt werden, die sich durch hervorragende Materialeigenschaften und ein hohes Maß an Ästhetik auszeichnen (Abb. 41 bis 44).

Vorbereitet und definitiv Eingegliedert wurden die Vollkeramikkronen nach dem wie auf den Seiten 106/107 beschriebenen Protokoll (Abb. 45 bis 49). Letztendlich konnten wir den Patienten auf dem beschriebenen Weg im Ober- und Unterkiefer mit Zahnersatz versorgen, der ihm nicht nur beim Lächeln, sondern auch beim Kauen, Schlucken und Sprechen Freude bereitet (Abb. 50 bis 60).

50 - 54 Impressionen der vollkeramischen Versorgungen im Ober- und Unterkiefer. Indem die Vorteile bewährter planerischer Mittel und Techniken mit modernen Fertigungsmethoden kombiniert wurden, gelang der Spagat zwischen „künstlerischem Leichtsinn“ und der für den Fortbestand des Labors notwendigen Wirtschaftlichkeit

55 - 59 Die Verbindung aus händischem Modellieren in Wachs, Digitalisieren, Überführen in Kunststoffprovisorien, Probetragen, Adaptieren, in Wachs fräsen, in Lithium-Disilikat-Keramik pressen sowie dem Verblenden reduzierter Lithium-Disilikat-Gerüste sorgt für einen reproduzierbaren Workflow, den Erhalt der erarbeiteten Funktion und gleichzeitig ästhetische Ergebnisse 

60 Diese Schwarz-Weiß-Aufnahme von rechtslateral verdeutlicht die homogenen Oberflächen der vollkeramischen Kronen. Dabei handelt es sich um teil- und vollverblendete Presskeramikkronen

61 Am Ende der Behandlung und prothetischen Versorgung zeigen sich alle Beteiligten glücklich und zufrieden (v.li.): Die Behandlerin Dr. Maria Barac, der Patient und der Zahntechniker Cristian Petri

Zusammenfassung

Neue Technologien und Materialien haben die Art und Weise wie wir unseren Gesundheitsservice anbieten und wie wir unser Geschäft ausbauen, aber auch wie wir unsere prothetischen Restaurationen anfertigen revolutioniert. 90 Prozent des festsitzenden Zahnersatzes werden nun mit digitaler Unterstützung gefertigt. Lediglich für ästhetische Aspekte greifen wir in manchen Fällen auf das klassische Handwerk zurück.
In der Tat sind die handwerklichen Fähigkeiten eines erfahrenen Zahntechnikers wichtig, wenn er CAD/CAM nutzt, jedoch nicht in 100 Prozent der Fälle. Es ist zeitlich aber auch verfahrenstechnisch sehr aufwendig, wenn wir für die klassischen, handwerklichen Methoden unterschiedliche Materialien und Methoden kombinieren. Das steigert die Produktionszeit und Produktionskosten. Und auch wenn der Einsatz neuer Materialien und Methoden höhere Investitionen nach sich zieht, so ist damit die Arbeitszeit signifikant kürzer, die Präzision höher und vor allem die Qualität reproduzierbarer. Letztendlich ist es die gewonnene Zeit, von der wir alle profitieren: der Patient, der Zahnarzt und wir Zahntechniker. ■

PRODUKTLISTE
drucken
Ihre Nachricht
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
loading