Welche Vorteile ziehen Labor und Praxis im Alltag von einem High-Speed-Sintersystem?
Markus Bröder: Labore wie auch Praxen können ihr Serviceangebot um die sogenannte „Same Day Crown“ erweitern. Durch den extrem verkürzten Sinterprozess können Einzelzahnkronen und dreigliedrige Brücken an einem Tag von der Präparation bis zum finalen Einsetzen realisiert werden. Aber auch die Fertigung anderer Indikationen kann massiv verkürzt werden, wie beispielsweise eine Implantatversorgung aus Zirkonoxid-Abutment und -Krone. Waren zuvor mindestens zwei Tage in der Planung zu berücksichtigen, lässt sich diese Art von Restauration mit dem von uns neu eingeführten Hochgeschwindigkeits-Sintersystem Ceramill DRS High-Speed Zirconia Kit in weniger als 24 Stunden fertigen. Die natürliche Ästhetik und maximale Sicherheit bleiben dabei gewahrt.

Amann Girrbach hat ein neues Hochgeschwindigkeits-Sintersystem auf den Markt gebracht, das aus einem High-Speed-Sinterofen und dem darauf abgestimmten Zirkonoxid besteht. Was kann dieses Kit?
Bröder: Das Kit (Abb. 1) ist ein exakt abgestimmtes System. Kleine Zirkonoxid-Restaurationen werden im High-Speed-Sinter-Programm des Ceramill Therm DRS bereits in etwa 20 Minuten gesintert. Allerdings sollten für das High-Speed-Sintern nur die Materialien verwendet werden, die dafür freigegeben sind. Wir bieten Materialien in der Produktfamilie Zolid DRS passend zum Ofen an. Der Ofen Ceramill Therm DRS (Abb. 2) wurde sowohl mit den High-Speed-Sinterprogrammen von 20 bis 30 Minuten als auch weiteren Sinterprogrammen ausgestattet. So steht den Anwendern unter anderem auch ein Programm für das Speed-Sintern zur Verfügung, das sich durch Sinterzeiten von 60 bis 120 Minuten auszeichnet, je nach genutztem Material. Das ermöglicht dem Anwender die Nutzung des vollen Zirkonoxid-Portfolios und limitiert den Prozess nicht auf ein spezielles Material. Der Ofen ist außerdem nicht an ein bestimmtes CAD/CAM-System gebunden.

Welche Eigenschaften hat dieses Material und wie unterscheidet es sich von herkömmlichem Zirkonoxid?
Axel Reichert: Für das High-Speed-Sintern wurden speziell eingefärbte Multilayer-4Y-TZP-Blöcke entwickelt. 4Y-TZP, also mit 4 mol-% Yttriumoxid teilstabilisiertes Zirkonoxid kann als „Allrounder“ unter den Zirkonoxid-Generationen angesehen werden, denn 4Y-TZP wahrt die Balance aus Biegefestigkeit, einer guten mechanischen Eigenschaft und Transluzenz, einer guten lichtoptischen Eigenschaften, und deckt dadurch ein breites Spektrum an Indikationen ab. Der Indikationsbereich ist auf bis zu dreigliedrige Brücken beschränkt. Größere Restaurationen aus vergleichbaren Materialien, wie zum Beispiel Gen-X, sintert man konventionell, bis dreigliedrige Brücken können jedoch im Therm DRS auch im Speed-Verfahren in einer Stunde gesintert werden.

Abbildung 01 und 02

Das klingt alles sehr vielversprechend. Dennoch gibt es aufgrund fehlender Erfahrungen noch eine gewisse Skepsis am Markt gegenüber dem High-Speed-Sintern hinsichtlich der Langzeitstabilität. Wie sehen Sie das?
Reichert: Im Fokus der Entwicklung stand klar das Thema Sicherheit, denn nur von langlebigen Restaurationen profitieren Labor, Behandler und Patient. Aus diesem Grund wurden bereits in der Entwicklungsphase zahlreiche Studien von der LMU durchgeführt. Das Ergebnis war eindeutig: Der schnelle Sinterzyklus hat keinen relevanten Einfluss auf optische oder mechanische Eigenschaften des untersuchten Materialtyps. Zusätzlich bieten die hohe Biegefestigkeit von > 800 MPa und die damit verbundene Klassifizierung als Klasse 5 Zirkonoxid ein zusätzliches Sicherheitspolster.

Prof. Bogna Stawarczyk: Im Rahmen des Entwicklungs-Kooperationsprojekts ZF4052004AG6 des Zentralen Innovations­pro­gramms Mittelstand (ZIM), das vom Bundesministerium für Wissenschaft und Energie (BMWi) gefördert wurde, haben wir die Auswirkungen des High-Speed-Sinterns auf Restaurationen beobachtet. Aufgabe der LMU dabei war es, unsere Industriepartner mit wissenschaftlichem Input zu unterstützen. Sowohl das 4Y-TZP-Material als auch das High-Speed-Sintern sind neu auf dem dentalen Markt, was bedeutet, dass noch keine klinischen Langzeitstudien dazu verfügbar sind. Unsere Werkstoffkundeforschungsgruppe hat Restaurationen aus dem High-Speed-Sinterofen jedoch eingängig geprüft und wir haben sehr vielversprechende mechanische und optische Eigenschaften beobachtet. Insgesamt wurden in unserem Kooperationsprojekt 14 Studien durchgeführt, von denen neun bereits publiziert sind. Bis dato konnten wir keinerlei negative Einflüsse des High-Speed-Sinterns auf die Eigenschaften der gefertigten Restaurationen beobachten.

„Durch den extrem verkürzten Sinterprozess können Einzelzahnkronen und dreigliedrige Brücken an einem Tag von der Präparation bis zum finalen Einsetzen realisiert werden.“
Markus Bröder, Senior Product Manager Consumables von Amann Girrbach

„Im Fokus der Entwicklung stand klar das Thema Sicherheit, denn nur von langlebigen Restaurationen profitieren Labor, Behandler und Patient.“
Axel Reichert, F&E Teamleiter Material von Amann Girrbach

„Bis dato konnten wir keinerlei negative Einflüsse des High-Speed-Sinterns auf die Eigenschaften der gefertigten Restaurationen beobachten.“
Prof. Dr. Dipl.-Ing. (FH) Bogna Stawarczyk MSc von der Werkstoffkundeforschung der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik der LMU München

Abbildungen