Eine Software für das Herstellen von digitalen Modellen? Auf den ersten Blick mag sich der innovative Gedanke dahinter nicht jedem sofort erschließen. Auf den zweiten Blick jedoch kristallisieren sich die Besonderheiten vom Model-Creator Biss (Promadent) gegenüber herkömmlichen CAD-Anwendungen schnell heraus.

Von Annett Kieschnick

Einige Highlights der Software Biss im Überblick:

  • Stand-alone-Software ohne Lizenz­gebühr
  • Offener Import aller Datenformate (STL, OBJ) und Export für alle 3-D-­Drucker
  • Schnelle Verarbeitung intraoraler Scandaten (kurze Prozessketten)
  • Hohe Sicherheit (keine Datensammlung bzw. -weitergabe, keine Server- oder Cloudlösung)
  • Vollautomatik-Funktionen (zum Beispiel automatischer Reparaturmodus) und zugleich Flexibilität
  • Innovative Features von und für Zahntechniker
  • Ressourcenschonender Druck (zum Beispiel Aushöhlen des Modells)
  • Integration des Laborlogos sowie ­Namensgravur
  • Import jedweder STL-Dateien (zum Beispiel Attachments, Sockelplatte mit Pins)

„Verbessere, was du ohnehin tust, und mache etwas, was du noch nie gemacht hast.“ Mit diesen Worten beschreibt ein englischer Innovationsforscher die Grundlage für ein erfolgreiches Produkt. Es scheint, als wäre dies auch für Promadent ein Erfolgscredo. Von Zahntechnikern für Zahntechniker – die Software Model-Creator Biss wurde aus der Notwendigkeit heraus konzipiert, eigene Arbeitsabläufe einfacher, präziser und besser zu gestalten.

Die Welten wachsen zusammen

Aber beginnen wir am Anfang: Die Gründer von Promadent kennen den Alltag im Dentallabor aus Sicht des Anwenders genau und sind sich der Problematiken bewusst, die Digitalisierung mit sich bringt. Zunehmend wachsen analoge und digitale Welten zusammen und die Verbindung der Technologien scheint manchmal ein unüberwindbares Hindernis. Nicht so für kreative Tüftler, die etwas Schwung auf einen Markt bringen wollen, der von namhaften Weltunternehmen beherrscht wird. Der Geschäftsführer von Promadent, Simon Schacht, hat sich mit seinen Kollegen ein klares Ziel gesetzt: „Mit Herzblut, Kompetenz und Offenheit möchten wir das Vorankommen der Dentallabore in einem immer größer werdenden Markt fördern.“ Er begründet die Entwicklung der Model-Creator-Software: „Zu einer einheitlichen Fertigungskette gehört, aus digitalen Scandaten einfach und ohne Umwege ein Modell herstellen zu können. Der 3-D-Druck bietet alle Möglichkeiten, doch der Weg bis zum druckbaren Datensatz kann voller Hürden sein. Wir wollten eine robuste, intuitive und schnelle Modell-Software. Entstanden ist Biss.“

Model-Creator aus der digitalen Ideenschmiede Promadent

Seit Anfang 2019 begeistert das Start-up-Unternehmen aus Niedersachsen immer mehr Zahntechniker mit seiner Software; schnell, flexibel, kreativ – „zahntechnisch“ geprägt. In drei Minuten und mit drei Klicks gelangt der Anwender zum druckbaren Modell. Die Schwächen herkömmlicher Softwareangebote, die eine Modellherstellung lediglich als Baustein integrieren, kosten oft Zeit und Nerven. Dies wollten die Gründer von ­Promadent so nicht mehr akzeptieren, und so wurde aus einer Idee heraus eine eigene Software nur für die Modellherstellung entwickelt. Informatiker, Zahntechniker, CAD-Spezialisten, CAM-Spezialisten – das Team um Promadent hat jede Menge ­Kompetenz, viel Zeit und Liebe sowie Herzblut in die Software Biss investiert. Gemäß typischer Start-up-Kultur agieren sie authentisch und vor allem mit ganz viel Leidenschaft.

Biss-Update 2020

Seit September 2019 gibt es für den Model-Creator ein Update im Inhouse-Test-Modus, bei dem mehr als nur technische Feinheiten optimiert wurden. Die komfortable Performance der Software wird beim Blick auf die Frontend-Architektur deutlich. Der Balanceakt zwischen Komplexität und Übersichtlichkeit ist sehr gelungen. Der Zahntechniker profitiert von einer komfortablen Interaktion. Die Plattform ist intuitiv gestaltet und lässt ein routiniertes Arbeiten zu. „Sind wir mal ehrlich: Die Modellherstellung ist im Dentallabor nicht unbedingt der Bereich, in den viel Zeit investiert werden soll. Daher wollten wir eine Software, mit der wir auf schnellem Weg zum Ziel kommen und die uns zusätzlich einige nette Features bietet“, so Simon Schacht. Das ist den Spezialisten gelungen: In drei Minuten gelangt man zum druckbaren Modell.

Digitale „Gipsküche“

Der Model-Creator Biss steht – unabhängig vom Ein- und Ausgabegerät – als Stand-­alone-Software. Der Zahntechniker lädt die Daten aus dem Intraoralscanner und beginnt direkt mit der Modellherstellung. Das aufwendige Anlegen eines Auftragsformulars oder das Ausfüllen von „Zwangsparametern“ entfällt; Software öffnen und loslegen. Die Modellherstellung bedarf nur weniger Klicks. Die Software enthält Automatismen, die die Arbeit erleichtern. Zugleich wird dem Zahntechniker genügend Freiraum geboten. Es sind kleine Feinheiten, die große Verbesserungen bieten.

So können beispielsweise bei KFO-Modellen Einzelkomponenten wie ein Puzzle automatisch zusammengeführt werden. Beim Herstellen von Stumpfmodellen (Geller-Modell) ist es möglich, ein Kontrollpassungstool (­Seitenloch) einzuarbeiten. Zudem könnte durch Anlegen von Segmenten eine Art Sägeschnittmodell gedruckt werden. In die Software können STL-Dateien jedweder Art importiert werden. Dies ermöglicht unter anderem, das Modell um eine Sockel­platte mit Pins zu ergänzen. Auch das Adaptieren von Attachments oder Artikulator-­Stütz­struk­turen gelingt problemlos. Für Implantatmodelle kann eine eigene Bibliothek angelegt werden. Ganz selbstverständlich sind die Optionen, Gingivamasken zu generieren, Modelle zuzuschneiden oder bereits gesockelte Modelle zu editieren. Als weitere Besonderheit können zwei Scans mit einer Flächenüberlagerung zusammengeführt werden. Zudem hilft das automatische Aushöhlen des Modells dabei, ressourcenschonend zu arbeiten. Beschriftungen können spielend leicht auf dem Sockel angebracht werden. Zusätzlich kann das Labor das Modell mit seinem eigenen Logo versehen.

Die Inspiration für die vielen nützlichen Features kam größtenteils von Anwendern. Den Vorteil, als kleines Unternehmen aktiv auf Kundenwünsche zu reagieren, betont auch Simon Schacht. Und fragt man den Spezialisten nach dem idealen 3-D-Drucker für Modelle, berichtet er aus einem umfassenden Erfahrungsschatz. Ebenso verfügt das Promadent-Team über komplexes Wissen rund um den Intraoralscanner. Es lohnt sich auf jeden Fall, mit den Experten von Promadent in Kontakt zu treten, denn gesprochen wird „zahntechnisch“ und zugleich mit jeder Menge digitalem Know-how.

„Nienhagen Valley“

Bei einem Besuch in Nienhagen zeigt sich, wie die Leidenschaft, digitale Prozesse zu verbessern, zusammen mit hoher Kompetenz verschiedener Spezialisten sowie dem Mut, eigene Wege zu gehen, die Zukunft formen kann. Um die Energie und Lebendigkeit eines kleinen Start-ups werden Newcomer wie Promadent oft von großen Global-Playern beneidet. Die ansteckende Unternehmenskultur macht es leichter, Dinge zu bewegen und voranzutreiben – auch im beschaulichen Nienhagen mitten in Niedersachsen. Dort arbeitet das Team von Promadent konstruktiv, um Dentallabore auf dem Weg in die Digitalisierung zu begleiten. Unter anderem mit der Software Model-Creator Biss beweist das Unternehmen sein Gespür für die Notwendigkeiten des zahntechnischen Marktes.