Zitat Karl-Heinz Körholz
Die TiF-System-Totalprothetik dient in erster und in absoluter Linie dem Patienten und richtet sich in seinem Aufbau nach dessen Bedürfnissen unter der Berücksichtigung aller anatomischen, physischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten. Es ist ein gewachsenes System, was zum einen auf vielen guten, erforschten und zu Recht begründeten Ansätzen und dem Wissen seiner Vorväter wie Gysi, Gerber, Tanzer, Pound, Passamonti, Hiltebrandt, Haller, Schreinemakers uvm. basiert. Ebenso fließen so viele Einflüsse von heutigen Kollegen in dieses System mit ein, wie die „Amici di Gerber“ Stuck, Lerch, Bosshard, Gründler, aber auch viele wertvolle Informationen aus der klinisch zahnärztlichen Seite wie Guttowski, Grunert, Siebert, Vogel et al. Diese und so viele andere hatten stets zum Ziel, den Menschen, die erst durch ihre Zahnlosigkeit zu Patienten geworden sind, in ihren Lebensumständen zu helfen und ihnen ein wenig mehr Lebensqualität zurückzugeben. Aus diesen Beweggründen heraus ist die TiF-System-Totalprothetik entstanden und stetig weitergewachsen. Ich setze daher, um dieses Ziel im Sinne der Patienten zu erreichen, ausschließlich Methoden ein, die nicht immer unumstritten sind, die auch manchmal gegen althergebrachte Meinungen stehen, aber nach meiner Meinung wohl durchdacht sind. Daher sollte auf dem Materialsektor auch niemals auf sogenannte zweite Wahl zurückgegriffen werden, sondern ausschließlich die derzeit verfügbare „Spitzenqualität“ eingesetzt werden. Artikulatoren und deren Zubehörteile, Konfektionszähne, andere Hilfsmittel wie Gesichtsbögen und die eingesetzten Materialien müssen in ihrem Einsatz sinnvoll auf den Patienten bezogen werden. Deshalb können auch die die Mondial-Zahnlinie von Kulzer und die Mix-und-Match-Systematik bedenkenlos und ruhigen Gewissens als funktionelle Elemente in diese Systematik einfließen, so wie es in dieser gesamten Abhandlung hier vor uns liegt.

Die Aufstellung im Unterkiefer
Bei der TiF-Aufstellung wird in den Schulen und Universitäten in Deutschland in der Regel mit der Zahnaufstellung im Unterkiefer begonnen. Das hat den Sinn, dass die Modellanalyse, so wie sie im ersten Teil dieser Fachberichtsreihe beschrieben wurde, leichter eingehalten und kontrolliert werden kann und sich dieses für die Lernenden als leichter herausgestellt hat. Das Endergebnis ist aber nach seiner Fertigstellung im Ergebnis das gleiche, wie wenn mit der Aufstellung im Oberkiefer begonnen wird. Dies wurde bereits im zweiten Teil dieser Abhandlung ausführlich dargestellt.
Deshalb werden die Frontzähne im Unterkiefer im anterioren Bereich innerhalb des definierten Korridors platziert (Abb. 5). Während sich die mittleren und seitlichen unteren Frontzähne in ihrer Höhe im Bereich der Okklusionsebene befinden, werden die Eckzähne mit ihren Spitzen circa 1 bis 1,5 mm über diese hinaus aufgestellt (Abb. 1 bis 4). Gleichzeitig ist bei den Eckzähnen darauf zu achten, dass diese mit ihren distalen Facetten im harmonischen Bogen auch auf die definitiven Aufstell­linien zeigen.
Die unteren Prämolaren werden so aufgestellt, dass die ersten Prämolaren, also die 4er, in etwa die gleiche Höhe wie die 3er zur Okklusionsebene aufweisen, wobei die zweiten, also die 5er, wieder etwas „tiefer“ stehen und sich am Niveau der Okklusionsebene orientieren (Abb. 6 und 7). Werden die ersten Molaren aufgestellt, müssen mindestens drei Richtlinien beachtet werden:

Abbildung 01 bis 07

Zitat Karl-Heinz Körholz
Die Ausrichtung der Molaren nach lingual sollte nach Möglichkeit immer in Abhängigkeit der Innenwinkel der jeweiligen Zähne, die zum Einsatz kommen, geneigt werden, damit zum einen die Aufstellung und damit die Verzahnung der Antagonisten sehr einfach erfolgen kann. Zum anderen stehen dann die unteren Molaren in ihrer Neigung in einer idealen Position, sollte eine Balancierung seitens der Prüfungskommission im Unterricht oder aus der Praxis heraus gewünscht werden, da sich die Innenwinkel der Molaren in einem exakt gleichen Winkel zur transversalen Okklusionsebene befinden. Bei dem hier eingesetzten Mondial-Seitenzahn – insbesondere in den ersten unteren Molaren – sind die Innenwinkel 38° und 32° (Abb. 9). Das hat zur Folge, dass der Zahn um circa 3° nach lingual geneigt sein muss. Ist das geschehen, sind die Innenwinkel im Zahn zur Okklusionsebene gleich groß. Hier in diesem Fall als 35°. Das führt zu einer enormen Erleichterung zum Erreichen einer gegebenenfalls gewollten Balancierung und damit zu einem minimalen Einschleifen, was gleichzeitig die Schonung der Molaren mit sich bringt. Deshalb ist es absolut unerlässlich, dass sich jeder Zahntechniker in jedem Fall mit seinen Materialien und Werkstoffen äußerst sorgfältig auseinandersetzt, wenn er diese verarbeiten will. Wer das nicht will, wem das zu mühselig ist oder wer das nicht kann, sollte die Finger von der Zahntechnik lassen. Mit dem sogenannten TiF-Safe-Guard nach Karl-Heinz Körholz oder einem selbst gebastelten Winkel kann diese Neigung mit einem auf die Molaren aufgelegten Bohrer sehr sicher überprüft werden. Da wie oben erwähnt die Mondial-Molaren in einem Winkel nach lingual von idealerweise 3° zu neigen sind, ist der Zahn so aufzustellen, dass sich der aufgelegte Bohrer parallel zu der Vorgabe des Kontrollwinkels von 3° oder parallel zur Neigung des TiF-Safe-Guards befindet (Abb. 8 und 10). Gleichzeitig muss unbedingt beachtet werden, dass der Winkel oder der TiF-Safe-Guard exakt parallel zum Bohrer oder exakt darüber ausgerichtet werden muss (Abb. 10). Hilfreich ist dabei: Wenn die beiden mesialen Höcker auf die gleiche Höhe, also auf Okklusionsebene, gestellt werden, wird der 3°-Winkel automatisch eingehalten.
Des Weiteren gilt es zu beachten, dass die Ausrichtung der Seitenzähne zur ermittelten Aufstelllinie bis auf den ersten unteren Prämolaren immer durch alle Zentralfissuren verläuft. Einzig bei den ersten Prämolaren, den 4er, verläuft die Aufstelllinie zwischen der bukkalen Höckerspitze und der nach lingual versetzten Fissur (Abb. 11 bis 13).
Die letzte Kontrolle erfolgt in Bezug auf die Neigung der Molaren in sagittale Richtung: Während die 3er und 4er leicht über der Okklusionsebene stehen, die 5er im Bereich der Okklusionsebene ausgerichtet sind, werden die ersten Molaren mesial im Bereich und distal wieder über die Okklusionsebene aufgestellt und zwar in etwa auf die gleiche Höhe wie die Eckzähne und die 4er (Abb.14 und 15).

Abbildung 08 bis 15

Die Aufstellung im Oberkiefer
Nachdem der Unterkiefer komplett aufgestellt wurde, kann mit den oberen ersten Molaren begonnen werden. Insbesondere bei dem TiF-System hatte sich Karl-Heinz Körholz angewöhnt, den ersten oberen Molaren deshalb als ersten Zahn aufzustellen, damit definitiv gewährleistet werden kann, dass die 6er in eine ideale Position zu ihren Antagonisten gebracht werden können.
Achtung: hier Zahn-zu-zwei-Zahn-Beziehung
Gleichzeitig ist es jetzt die beste Möglichkeit zu entscheiden, ob die Seitenzähne in einer Zahn-zu-Zahn-Beziehung oder Zahn-zu-zwei-Zahn-

Beziehung aufgestellt werden.
Dabei soll zur besseren Übersicht die Aufstellung zunächst in ihrer statischen Okklusion gezeigt werden. Im zweiten Abschnitt soll dann gezeigt werden, wie bei einer dynamischen Okklusion in der Balancierung vorgegangen werden kann.
Der obere erste Molar steht aber in jedem Fall, ob in der Zahn-zu-Zahn-Beziehung oder der Zahn-zu-zwei-Zahn-Beziehung, mit seinem palatinalen Höcker in der unteren zentralen Fossa. Der disto-palatinale Höcker sollte nach Möglichkeit in der Zahn-zu-zwei-Zahn-Beziehung auf der distalen Randleiste seines Antagonisten oder sogar zusätzlich in Kontakt mit der ­mesialen Randleiste des zweiten unteren Molaren kommen, wenn dieser aufgestellt werden sollte (Abb. 16 bis 18).

Zitat Karl-Heinz Körholz
Ob Seitenzähne in einer Zahn-zu-Zahn-Beziehung oder Zahn-zu-zwei-Zahn-Beziehung aufgestellt werden, ist zunächst einmal der Bauweise bzw. der Konstruktion des jeweiligen Zahntypen geschuldet. Mit anderen Worten: Es gibt Seitenzähne, die ganz speziell für die Zahn-zu-Zahn-Beziehung bzw. die Zahn-zu-zwei-Zahn-Beziehung modelliert wurden. Diese haben dann auch die beste Verzahnung in ihrer jeweiligen Zuordnung der Antagonisten zueinander. Es handelt sich bei solchen Seitenzahnlinien um einen gewollten und zuvor bestimmten Charakter, der zumindest jedem Anwender bekannt sein muss, bevor sich dieser völlig unbedarft an die Arbeit macht. Ebenso muss sich jeder Anwender dann auch bewusst sein, dass ein Zahn, der den Charakter der Zahn-zu-Zahn-Beziehung besitzt dann auch zunächst einmal auch so aufgestellt werden muss. Im Nachhinein zu behaupten, dass dann die Aufstellung dieses Zahnes in der Zahn-zu-Zahn-Beziehung falsch wäre, weil nur die Zahn-zu-zwei-Zahn-Beziehung deshalb richtig sei, weil man es schließlich in der Ausbildung oder dem Studium mit einem anderen Zahntypus so gelernt habe, ist einfach schlicht falsch. Aber: Wer geschickt ist, und sich ein wenig mit den Prinzipien der Okklusion auskennt, kann sich selbstverständlich auch in solchen Fällen behelfen. Die tägliche Praxis nötigt uns allzu oft zu solchen Wegen. Wie oder besser gesagt, dass der Mondial-Seitenzahn tatsächlich in beiden Kontaktbeziehungen aufgestellt werden kann, soll hier im Nachfolgenden gezeigt werden.

Abbildung 16 bis 18

Anschließend sollte der erste obere Prämolar in seiner Zahn-zu-zwei-Zahn-Beziehung zu seinen beiden unteren Antagonisten positioniert werden. Der erste obere Prämolar deshalb, weil dieser wesentlich sicherer in die Zahn-zu-zwei-Zahn-Beziehung aufzustellen ist. Speziell am oberen 4er ist deutlich die Kontaktbeziehung zu zwei Antagonisten erkennbar (Abb. 19).
Von vestibulär betrachtet ist besonders beim oberen ersten Prämolaren die Zahn-zu-zwei-Zahn-Beziehung sichtbar (Abb. 21). Betrachtet man die Kontaktbeziehung der Prämolaren von mesial, lässt sich der Kontakt zwischen der Höckerspitze des unteren 4ers auf der mesialen Randleiste seines oberen Antagonisten erahnen (Abb. 22). Deutlich zu sehen ist diese in der Abb. 20. Beim Aufstellen des zweiten Prämolaren wird schnell deutlich, warum dieser erst jetzt in die Zahnreihe eingefügt wird. Die klassische Zahn-zu-zwei-Zahn-Beziehung wird in der vestibulären Ansicht sehr deutlich (Abb. 25). In der Kontaktbeziehung greift aber der 5er mit seinem ­palatinalen Höcker eher in seine zuvor bestimmte Zahn-zu-Zahn-Beziehung zurück. Das ist auch sehr gut und passt auch. Dass es sich hier jedoch auch um eine Zahn-zu-zwei-Zahn-Beziehung handelt, lässt sich unschwer an den beiden Kontaktpunkten auf der distalen Randleiste des oberen zweiten Prämolaren erkennen (Abb. 24). Diese finden sich auf der unteren mesialen Randleiste des 6ers wieder (Abb. 23). In der vestibulären Ansicht (Abb. 25) ist ein wirklich schönes und harmonisches Bild der Aufstellung in der Zahn-zu-zwei-Zahn-Beziehung zu erkennen.
Wer sich mit der Reihenfolge der Zahnaufstellung nicht anfreunden kann, in der der obere erste Molar als erster Antagonist aufgestellt wird, sondern die Aufstellung der Seitenzähne in der Reihenfolge der Prämolaren und dann erst der Molaren bevorzugt, sei hier auch auf der gegenüberliegenden Seite dieser Weg beschrieben: Zuerst wird der erste obere Prämolar wieder in die Zahn-zu-zwei-Zahn-Beziehung ­gestellt (Abb. 26 und 27).

Abbildung 19 bis 27

In der vestibulären wie in der mesialen Ansicht (Abb. 28 und 29) ist kein Unterschied zu der Aufstellung im gegenüberliegenden Quadranten zu sehen (vgl. Abb. 21 und 22).
Wird der zweite Prämolar, der 5er, aufgestellt, muss sehr präzise darauf geachtet werden, dass die approximalen Bereiche absolut wachsfrei sind, damit dieser 100%ig Kontakt zum 4er erhält. Dann ergibt sich eben nicht nur ein perfektes Bild von ­vestibulär (Abb. 30), sondern auch okklusal ein äußerst befriedigendes Ergebnis in Bezug auf die Kontaktbeziehungen und die Zahn-zu-zwei-Zahn-Beziehung (Abb. 31 und 32). Als Letzter wird der erste Molar noch hinzugefügt. Selbstverständlich ist hier in ­erster Linie wieder auf die Kontaktbeziehung zwischen dem oberen palatinalen Höcker in der unteren zentralen Fossa zu achten. Dabei ist, wie bereits in den Abb. 16 und 17 zu sehen war, im Idealfall auf beiden palatinalen Höckern des OK im Unterkiefer eine sehr gute Kontaktbeziehung möglich. Die harmonische Ausrichtung der Seitenzähne in ihrer Verzahnung kann man in Abb. 25 und Abb. 33 sehen und gut vergleichen.

Abbildung 28 bis 35

Aufstellung der Frontzähne
Selbstverständlich sollen auch bei diesem Aufstellbeispiel die Frontzähne aufgestellt werden. Das geschieht nach dem gleichen Prinzip wie wir es im zweiten Teil dieses Fachberichtes gesehen hatten. Am sichersten beginnt man mit den oberen mittleren Schneidezähnen (Abb. 36), um die Mitte zum Unterkiefer treffend in Übereinstimmung bringen zu können. Dabei sollte aber darauf geachtet werden, dass die sagittale Stufe wieder gleichmäßig zu den unteren labialen Flächen der Unterkiefer-Frontzähne eingehalten wird (Abb. 37). Die Ergänzung der restlichen Front erfolgt im harmonischen Bogen (Abb. 38).
Betrachten wir nun die fertige Aufstellung mit individueller Zahnfleischmodellation. Hier lassen sich besonderes in den leicht schrägen sagittalen und kompletten lateralen Ansichten die harmonische Aufstellung und die Verzahnung sehr gut erkennen (Abb. 39 bis 43).
Im Teil 3b soll zu der exakt gleichen Unterkiefer-Aufstellung der Oberkiefer erneut aufgestellt werden, dabei aber die sinnvolle Vorgehensweise einer balancierten dynamischen Okklusion gezeigt und erläutert werden. Getrennt wurde die hier gezeigte TiF-Aufstellung nur deshalb, um das exakte Bild der statischen Okklusion der ­Mondial-Seitenzähne zu präsentieren, ohne das Einschleifkorrekturen dieses klare Bild beeinflussen.

Abbildung 36 bis 43