Herr Bachmann, seit wann beschäftigen Sie sich mit der Implantatprothetik und wie haben Sie die Entwicklungen in diesem Bereich erlebt?
Dirk Bachmann: Die Implantatprothetik ist seit vielen Jahren fester Bestandteil meines Laboralltags. Ob große oder kleine Restaurationen – seit jeher arbeiten wir eng mit Zahnärzten zusammen; in der Regel bereits ab der Planungsphase. Die Implantologie hat sich in einer vergleichsweise kurzen Zeit enorm entwickelt. Während die Osseointegration von Implantaten mittlerweile relativ gut „handlebar“ ist, stehen derzeit die Implantat-Abutment-Verbindungen beziehungsweise die Implantataufbauten im Fokus. Das ist gut, denn dieser Bereich entscheidet wesentlich über die Langzeitstabilität, die Weichgewebeintegration und das ästhetische Ergebnis. Wir als Zahntechniker übernehmen da eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe.

Frau Krämer, konische Verbindung oder plattformbasiert – was ist aus Ihrer Sicht die bessere Variante?
Carina Krämer: Auf die Frage gibt es keine einfache Antwort, denn der Beantwortung der Frage, ob conical oder platform, liegt eine individuelle Entscheidung zugrunde. Viele Faktoren spielen eine Rolle und in erster Linie der Wunsch beziehungsweise die Vorliebe des Zahnarztes sowie natürlich die individuelle Patientensituation. Mal ist die konische und mal die plattformbasierte (flach zu flach) Verbindung die bessere Wahl. Beide Varianten haben sowohl ihre Vorteile als auch ihre Einschränkungen.

Und nun bietet Dentaurum Implants mit tioLogic Twinfit ein Implantatsystem, das aufgrund des möglichen Abutment-Switch beide Varianten zulässt. Was halten Sie davon?
Bachmann: Für das tioLogic Twinfit-Implantat haben wir im Labor mittlerweile einige Suprakonstruktionen sehr erfolgreich umgesetzt. Viele Komponenten sind dem tioLogic-Implantatsystem entnommen, sodass es kaum einer Umstellung bedarf. Was einzigartig ist, ist der Abutment-Switch. Ich bin überzeugt davon, dass mit dieser Option viele tagtäglich auftretende Probleme der Implantatprothetik gelöst werden können. Ist beispielsweise ein Implantat relativ weit hoch gesetzt oder nur wenig periimplantäre Gingiva vorhanden, tauschen wir den konischen gegen einen plattfombasierten Aufbau und müssen keine ästhetischen Kompromisse eingehen. Andererseits bevorzuge ich in einigen Fällen einen konischen Aufbau, da dieser oft bessere Ergebnisse ermöglicht. Für mich ist das tioLogic Twinfit-Implantatsystem eine sehr sinnvolle Entwicklung, denn es gewährt mir unter anderem prothetisch eine große Freiheit.

Wann bevorzugen Sie eine plattformbasierte Implantat-Anschlussverbindung?
Bachmann: Wie meine Kollegin schon sagte: Grundsätzlich unterliegt die Auswahl primär einer Abstimmung mit dem Zahnarzt. Das plattformbasierte Vorgehen favorisieren wir beispielsweise bei stegretinierten Arbeiten beziehungsweise bei Steg-Abutments auf Implantatniveau. Eine weitere ideale Indikation ist in vielen Fällen zum Beispiel der große Implantatdurchmesser im Seitenzahnbereich. Wird dort ein plattformbasierter Aufbau verwendet, muss die prothetische Restauration in diesem Bereich nicht mehr viel „aufgedehnt“ werden.

Und wann erachten Sie die konische Verbindung als vorteilhaft?
Bachmann: Zu bevorzugen ist die konische Verbindung bei ästhetisch anspruchsvollen Situationen, etwa im Frontzahngebiet. So kann beispielsweise bei einem tiefgesetzten Implantat mit einer konischen Implantat-Aufbauverbindung ein schönes trichterförmiges Emergenzprofil geformt werden. Die Implantatkrone wirkt dann quasi, als wüchse sie aus dem Kieferkamm. Aber wie gesagt, der Zahnarzt ist letztlich der Entscheider.

Abbildung 01 bis 07

Was konkret verbessert sich bei der Herstellung einer Restauration auf dem tioLogic Twinfit-Implantat?
Bachmann: Als Zahntechniker erhalten wir oft erst den Auftrag für das Herstellen einer Restauration, wenn die Implantate bereits inseriert sind. Wir haben dann das Modell vor uns, finden uns manchmal mit den Gegebenheiten ab und müssen versuchen – trotz limitierter Möglichkeiten – das Beste aus dem Auftrag herauszuholen. Oft geraten wir aufgrund der Anschlussgeometrie an Grenzen. Mit tioLogic Twinfit lassen sich diese Grenzen sprengen, da wir den jeweils passenden Aufbau flexibel wählen können. Der Abutment-Switch macht tioLogic Twinfit zu einem einzigartigen System, das nahezu alle Indikationen abdeckt.
Für uns als Zahntechniker ist natürlich auch der Blick auf das Prothetiksortiment wichtig. Das tioLogic Twinfit integriert das 4Base System für verschraubte Suprakonstruktionen mit Angulationen bis zu 50°. Zusätzlich bietet der angulierte Schraubenkanal die optimale Lösung für das komplette okklusal verschraubte Segment, sowohl für 4Base als auch für Hybridkonstruktionen. Der Schraubenkanal kann bis zu 20° zur Implantatachse anguliert werden und ermöglicht speziell im Frontzahnbereich einen diskreten Austritt im palatinalen Bereich.

Was bedeutet die Möglichkeit des Abut­ment-Switchs für Ihren Arbeitsalltag?
Bachmann: … ganz einfach – Freiheit bei der Gestaltung der Implantatrekonstruktionen. Wir müssen nicht mehr auf Kompromisslösungen ausweichen, sondern tauschen „einfach“ den Aufbau aus. Zudem erhalten wir gerade in der digitalen Welt mit diesem Implantat eine gute Kontrollmöglichkeit. Ich denke da speziell an das Scannen. Egal welche Art der Versorgung vorgenommen wird, der Aufbau vom tioLogic Twinfit sitzt immer gleich auf dem Implantatanalog, was uns eine große Sicherheit bietet.

Könnten die Aufbauten im Laufe der Tragezeit einer Implantatrestauration ausgetauscht werden?
Bachmann: Ganz genau! Und das ist sogar ein großer Vorteil für Patienten, Zahnärzte und letztlich für uns als Zahntechniker. Oft „wachsen“ doch die Implantatrekonstruktionen mit der Tragezeit. Was zunächst als implantologische Einzelzahnversorgung beginnt, kann sich im Lauf der Jahre zu einer komplexeren Restauration entwickeln. Werden dann weitere Implantate in die Versorgung eingebunden, kann der konische gegen den plattformbasierten Aufbau ausgetauscht werden. Wir haben somit die Sicherheit, dass alle Abutments der Restauration flach auf der Implantatschulter aufsitzen.

Was hat tioLogic Twinfit, was andere nicht haben?
Krämer: Wir haben ein Implantat und wir haben zwei Aufbauten, die zwei völlig unterschiedliche Philosophien abdecken. Das ist ein klares Alleinstellungsmerkmal, das die bereits genannten Vorteile mit sich bringt. Kurz gesagt: Mit tioLogic Twinfit steht uns ein System für alle Fälle zur Verfügung.

Vielen Dank für das Gespräch.
Annett Kieschnick,
Fachjournalistin, Berlin

Abbildung 08 bis 11


Ein Implantat (tioLogic Twinfit, Dentaurum Implants) und zwei Anschlussgeometrien

Für einen oberen Prämolaren soll eine Implantatkrone gefertigt werden. Um in diesem Artikel die Unterschiede der beiden Implantat-Anschluss­geometrien von tioLogic Twinfit (conical und platform) visualisieren zu können, hat Dirk Bachmann zwei Kronen für diesen Fall hergestellt. Gegenübergestellt wird der konische Aufbau der plattformbasierten Implantat-Abutment-Verbindung. Die Anschlussgeometrie des tioLogic Twinfit-Implantats bietet die Möglichkeit, flexibel den individuell optimalen Aufbau auszuwählen. Im vorliegenden Fall ist die plattformbasierte Implantat-Abutment-Verbindung dem konischen Aufbau vorzuziehen. Deutlich wird dies im zervikalen Bereich der Implantatkrone beziehungsweise des Abutments.