Keramik

Naturkonforme Restauration komplexer Frontzahnsituationen

Farbe wie gewachsen

Ein Beitrag von Ztm. Pascal Holthaus

Themen:  Keramik, Prothetik, Veneers, Ästhetik, Keramik, Verblendung, Diverses

In der Regel spricht man oft lediglich von einer „Frontzahnrekonstruktion“, wenn es darum geht, fehlende, geschädigte oder unästhetische Frontzähne zu rekonstruieren. Das ist per se auch absolut korrekt, denn es wird ja auch nichts anderes getan: Frontzähne werden rekonstruiert. Allerdings missachtet dieses Schlagwort all die Herausforderungen, denen sich ein Techniker-Zahnarzt-Team gegenübersieht, wenn sich der Patient „schöne, neue Frontzähne“ wünscht. Ztm. Pascal Holthaus geht hier anhand schwieriger Ausgangssituationen auf einen möglichen Lösungsansatz ein (ohne Sie mit Schichtbildern et cetera zu strapazieren), mit dem sich die größte Herausforderung im Frontzahnbereich – die Adaption der Zahnfarbe bei unterschiedlichen Stumpfsituationen – ganz gut in den Griff bekommen lässt.

 

 

Prolog

„Ja, ja, kein Problem, unser Zahntechniker bekommt das hin!“ – diesen oder ähnlich geartete Sätze bekommt man als Zahntechniker oft zu hören, wenn man am Patientenstuhl dabei sein kann.
Doch das ist leichter gesagt als getan. Viel leichter. Denn was ist, wenn das, was da unter der alten Krone oder nach dem Weg­schleifen zum Vorschein kommt, stark verfärbt ist, dennoch aber vollkeramisch versorgt werden soll!?
Ztm. Pascal Holthaus zeigt daher in diesem Beitrag seinen Weg, wie er mit verfärbten Stümpfen umgeht und wie sie sich gut in den Griff bekommen lassen.
Hauptaugenmerk des Artikels sind verfärbte Stüm­pfe (beispielsweise wegen metallischer Stiftaufbauten oder marktoter Zähne) im Frontzahnbereich, wenn es um die Anfertigung einzelner Frontzähne geht. Insbesondere bei der Rekonstruktion mittlerer Inzisiven, wenn der eine verfärbt ist und der andere nicht. In dem Beitrag geht Holthaus der Lösung der Frage nach, wie man diese Situationen am besten ästhetisch lösen und technisch umsetzen kann.
Ztm. Pascal Holthaus hat sich daher bei anderen Kollegen Techniken abgeschaut. Beispielsweise die, bei der man in IPS e.max Kronen einen entsprechenden farblichen Blocker aus Kunststoff einpinselt.
Auf dieser Technik basiert die Idee, direkt in die Gerüste einen entsprechenden Keramikliner oder -opaker einzubringen und zu brennen. Erste Ergebnisse haben gezeigt, dass dieser Trick recht gut funktioniert.
Allerdings muss man, wenn es gilt, zwei Frontzähne zu rekonstruieren, von denen einer verfärbt ist, in beide Gerüste den Opaker einbringen (wenn man einen hochtransluzenten ht-Rohling verwenden möchte), um eine einheitliche Farbwirkung zu erzielen. Die ht-Rohlinge sind so transluzent, dass sie die Stumpffarbe von innen nach außen transportieren. Somit wird dann auch die durch den Opaker geschaffene, künstliche Stumpffarbe bei beiden Kronen (der verfärbten und der nicht verfärbten) einheitlich transportiert. Um zu verhindern, dass man durch den internen Opaker-/Liner-Auftrag den Zementspalt zunichtemacht, wird beim Konstruieren der Gerüste der Zementspalt verdoppelt. Beim Aufpassen der noch nicht modifizierten Gerüste weisen diese daher zunächst eine ziemlich starke Spielpassung auf. Der Opaker wird schließlich noch vor allen anderen Bränden – ähnlich einem Spacer – bis zur Hohlkehle eingebracht und gebrannt.
Nachfolgend folgen einige Kurzvorstellungen von Patientenfällen, bei denen diese Technik erfolgreich zur Anwendung kam. Allerdings ist es oftmals die gesamte zahntechnische (und auch zahnmedizinische) Trickkiste, in die gegriffen werden muss, um die zum Teil komplexen Herausforderungen erfolgreich zu meistern.

Fall 1 – gelöst mit Dr. Gerd Körner, Bielefeld

Bei den beiden Einsern im Oberkiefer handelte es sich um Kronen und bei den Zweiern um Sofortimplantate. Zahn 23 sollte ebenfalls mit einer Krone versorgt und für 13 ein Additional Veneer angefertigt werden. Die Abbildung zeigt nicht die Ausgangssituation, sondern die Situation nach dem Inserieren der Implantate mit eingesetztem Provisorium (Abb. 1a & b).

 

 

01a & b Patientenfall 1: Die Situation nach dem Inserieren von zwei Implantaten in regio 12 und 22 mit eingesetztem Provisorium, das die beiden oberen Inzisiven mit in die Versorgung einbezieht. Links ist die Situation mit Polfilter dargestellt

Für die Zahnstümpfe 11 und 21 sowie 23 wurden daher hochtransluzente Zirkonoxid-Gerüste (cercon ht) in verkleinerter anatomischer Form hergestellt. Für die Einser und die individuellen Abutments in regio 12 und  22 kamen light Rohlinge zum Einsatz und für die Zweier und Dreier cercon ht medium. In die Gerüste wurde zum farblichen Ausgleich bereits etwas Schultermasse eingebrannt. Zudem wurden sie mit Malfarben von außen etwas individualisiert (Abb. 2a & b). Dies war einer der ersten Fälle, für die das im Folgenden noch näher beschriebene Verfahren zum Einsatz kam. Bei Zahn 21 lag ein metallischer Stiftaufbau vor, der durch das Gerüst hindurch schien und es demaskierte (dieses vergrauen lässt), wodurch die harmonische Gesamtästhetik negativ beeinflusst wurde.

02a & b Für die Zahnstümpfe 11 und 21 sowie 23 wurden hochtransluzente Zirkonoxid-Gerüste (cercon ht) in verkleinerter anatomischer Form hergestellt. Auf die farblich charakterisierten Gerüste wurde etwas Schultermasse aufgebrannt. Zu diesem Zeitpunkt war dem Zahntechniker noch nicht bekannt, dass es einen Stiftaufbau farblich auszugleichen und zu maskieren galt

Die Abbildung 3 zeigt die mittels Polfilter aufgenommene Situation. Hieraus wird nochmals besser ersichtlich, dass die Farbwirkung bei dem Stumpf mit metallischem Aufbau etwas von Stumpf 11 abweicht. Auch wenn diese Abweichung/das Vergrauen nur schwach ist, so wird die Verblendung diesen leichten Grauton nach außen transportieren. Als Arbeitsmodelle kamen Steckstumpfmodelle zum Einsatz, weil sie die Schleimhautsituation am exaktesten wiedergeben. Mit Silikonschlüsseln vom diagnostischen Mock-up, das CAD/CAM-gestützt gestaltet und gefräst wurde, wurden vor dem eigentlichen Herstellungsprozess die Platzverhältnisse überprüft (Abb. 4). So können etwa wichtige Erkenntnisse darüber gewonnen werden, ob die Versorgung direkt verschraubbar gelöst werden kann oder ob die Situation mit einem individuellen Abutment und einer separaten Krone gelöst werden muss. Ausschlaggebend für diese Entscheidung ist, an welcher Stelle der Schraubenkanal austritt. Aus diversen Gründen, etwa dem Platzgewinn, ist eine einteilige, durchverschraubte Lösung einer zweiteiligen vorzuziehen [1].

03 Der metallische Stiftaufbau des Zahns 21 schien durch das Gerüst hindurch und demaskierte dieses. Eine harmonische ­Gesamtästhetik konnte so nicht erzielt werden. Die Polfilter-Aufnahme verdeutlicht dies. Auch wenn diese Abweichung nur schwach ist, so wird die Verblendkeramik diesen leichten Grauton später nach außen transportieren

04 Steckstumpfmodelle dienten als Arbeitsmodelle. Sie geben die Schleimhautsituation am exaktesten wieder. Mit Silikonschlüsseln vom diagnostischen Mock-up wurden die Platzverhältnisse überprüft. Hier zeigt sich, ob die Versorgung direkt verschraubbar gelöst werden kann oder nicht

Für die ästhetische Feinplanung wurde das Mock-up aufgesetzt und die Außenkontur der Zähne auf das Modellzahnfleisch übertragen (Abb. 5), um dieses entsprechend ­radieren und die Gingiva des Patienten später über das Abutment ausformen zu können. Die Planungsbasis bietet dabei das virtuell konstruierte Mock-up. Die CAD-gestützte Konstruktion birgt neben diversen Workflow-Vorteilen auch den Vorteil, dass man durch Hinzuziehen der virtuellen Zähne aus der Datenbank auch mal von der eigenen „Lieblingszahnform“ wegkommt.

05 Um das Emergenzprofil zu erarbeiten, wurde das gefräste Mock-up aufgesetzt und die Außenkontur der Zähne auf das Modellzahnfleisch übertragen

Für die Anfertigung der Hybridabutments werden konfektionierte Titan-Abutments (Astra Tech EV) etwas zurechtgeschliffen und so eine größere Retentionsfläche geschaffen und ein Rotationsschutz eingearbeitet (Abb. 6). Palatinal wurden auf Höhe der Implantatschultern kleine Kerben in das Modell gefräst, über die sich jederzeit der Sitz der Implantatkronen prüfen lässt.

Die fertigen zahn- und implantatgetragenen Vollkeramikrestaurationen sind in der Abbildung 7 auf dem Modell dargestellt.

06 Für die Hybridabutments werden konfektionierte Titan-Abutments etwas zurechtgeschliffen, um eine größere Retentions­fläche und einen Rotationsschutz zu schaffen. Palatinal wurden auf Höhe der Implantatschultern kleine Kerben am Modell angebracht, um den Sitz der Implantatkronen prüfen zu können

07 Die fertigen Vollkeramikrestaurationen auf dem Modell: zahngetragene Kronen auf den Zähnen 11 und 21 sowie auf Zahn 23. Unter 21 befindet sich ein metallischer Stiftaufbau. Implantatgetragene Kronen auf den Zähnen 12 und 22 sowie ein Additional Veneer auf Zahn 13

Es handelt sich im Detail um:

■ Zahngetragene Kronen auf den Zähnen 11 und 21 sowie auf Zahn 23. Unter 21 befin­det sich ein metallischer Stiftaufbau

■ Implantatgetragene Kronen auf den Zähnen 12 und 22

■ Additional Veneer auf dem Zahn 13

Alle Kronen basieren auf transluzenten Zirkonoxid-Gerüsten, die mit einer adäquaten Schichtkeramik verblendet wurden. Das Additional Veneer wurde mit derselben Verblendkeramik geschichtet.

Die beiden Implantatkronen konnten aufgrund der Implantatposition und -angulation problemlos als direkt verschraubte Kronen konzipiert und gestaltet werden (Abb. 8).

08 Die beiden Implantatkronen konnten aufgrund der Implantatposition und -angulation als direkt verschraubte Kronen konzipiert und fertiggestellt werden

Aus der Abbildung 9 wird gut ersichtlich, dass auf der Kroneninnenseite in Richtung labial Opaker aufgebrannt wurde, um die unterschiedlichen Stumpffarben wirksam zu blocken. Da dieser Fall quasi die Initialzündung für diese Technik lieferte (da sich der metallische Stiftaufbau sozusagen als Überraschung entpuppt hatte), wurde der Opaker nur in Richtung vestibulär aufgetragen, da bei der Planung der Zirkonoxid-Gerüste noch kein doppelter Zementspalt eingestellt worden war. In situ, mit den definitiv befestigten Einsern und dem Dreier sowie den eingeschraubten Implantatkronen in regio 12 und 22 zeigt sich, dass die Technik mit dem internen Opakern sehr gut funktioniert (Abb. 10a & b).

09 Hier ist gut zu erkennen, dass auf der Kroneninnenseite in Richtung labial Opaker aufgebrannt wurde, um den Stiftaufbau wirksam zu blocken. Da sich der metallische Stiftaufbau beim ersten Try-in als Überraschung entpuppt hatte, war dies der erste Fall, der mit dieser Technik gelöst und deshalb der Opaker nur in Richtung vestibulär aufgetragen wurde

10a & b Mit den definitiv befestigten Kronen auf 11, 21 und 23 sowie den eingeschraubten Implantatkronen in regio 12 und 22 zeigt sich, dass die verfärbten Stümpfe sehr gut mit dem internen Opaker kaschiert werden konnten. Links die Aufnahme mit und rechts ohne Polarisationsfilter

Fall 2 – gelöst mit PD Dr. Arndt Happe, Münster

Bei diesem Patientenfall lag ein verfärbter Stumpf des Zahns 11 vor, der nicht mehr auf Bleaching reagierte. Um die Vergrauung der Gingiva im Bereich der Wurzel zu minimieren, war von Dr. Happe in diesem Bereich ein Bindegewebetransplantat aufgebracht worden (Abb. 11a & b).

Zur Versorgung und Harmonisierung wurde Zahn 12 für ein Veneer präpariert, für die Versorgung der Zähne 11 sowie 21 wurden zirkonoxidbasierte Vollkeramikkronen und für Zahn 22 ein 360 °-Veneer geplant.

Da in diesem Fall der Stumpf tiefschwarz war, musste ein etwas anderer Weg als im ersten Fall gegangen werden, um hier die gewünschte Helligkeit erzeugen zu können. Im Grunde wurden alle Möglichkeiten kombiniert, das heißt, es wurde ein neutral weißes Cercon ht Zirkonoxid-Gerüst verwendet, das aber wie ein Cercon base-Rohling gesintert wurde. Wenn man Cercon ht verwendet, dieses mit der fluoreszierenden Masse beschichtet und dieses wie „normales“ Cercon base-Zirkonoxid sintert, dann kann man dem weißen Zirkonoxid ein leicht gelbliches Chroma verleihen. Dadurch erhält man ein sehr helles, opakes Grundmaterial, das fluoreszierend ist. Die Kronengerüste selbst wurden innen mit Titan-Opaker bemalt und gebrannt. Um sich unnötige Umwege zu ersparen, ist es sinnvoll, zunächst den Opaker einzubringen und zu brennen und dann die Krone extern zu kolorieren, das heißt in einem zweiten Schritt die oberflächlichen Charakteristika aufzubringen. Der Vorteil eines internen Opakerauftrags liegt darin, dass man sich bis hin zum verfärbten Stumpf den ungebremsten Lichtfluss der Kombination Zirkonoxid-Gerüst/Verblendkeramik zunutze machen kann. Würde man das Zirkonoxid-Gerüst von außen opakern, so würde man die positiven Eigenschaften dieses Gerüstmaterials zunichtemachen. In diesem Fall könnte man ebenso gut auf die VMK-Technik zurückgreifen. Es gibt zwar mittlerweile auch opake Befestigungsmaterialien, allerdings muss man in Fällen wie diesem alle Register ziehen, um die starke Verfärbung abzublocken.

11a & b Patientenfall 2: Hier lag eine Verfärbung des Stumpfs von Zahn 11 vor, der nicht mehr auf Bleaching reagierte. Um die Vergrauung der Gingiva zu minimieren, hatte Dr. Happe in diesem Bereich ein Bindegewebetransplantat aufgebracht

In den Abbildungen 12a & b ist dargestellt, wie sich in der CAD-Software der Zementspalt verdoppeln lässt (hier zu sehen am Stumpf von Zahn 21). Für die beschriebene Technik des internen Opaker-Auftrags wird ein Zementspalt von 80 µm eingestellt (0,080 mm). Dieser Zementspalt ist notwendig, um Platz für den Opaker zu schaffen, der in die Gerüste eingebracht wird.

12a & b Um genug Platz für den internen Opaker zu schaffen, wurde in der CAD-Software der Zementspalt verdoppelt. Hier am Beispiel des Zahnstumpfs 21 dargestellt. Für die beschriebene Technik des internen Opaker-Auftrags wird ein Zementspalt von 0,080 mm eingestellt

Letztendlich zeigt sich beim fertigen Ergebnis, dass der verfärbte Stumpf zwar keinen Einfluss mehr auf die Krone hat, dafür aber immer noch in das Zahnfleisch einstrahlt und zu einem minimalen Vergrauen des marginalen Saums führt (Abb. 13a & b). Dieses Ergebnis zeigt Limitationen der Technik, da hier Faktoren zum Tragen kommen, auf die wir Zahntechniker keinen Einfluss haben. Und auch der behandelnde Zahnarzt muss in solchen Fällen abwägen, ob weitere, zum Teil chirurgische Maßnahmen angeracht und für den Patienten tragbar sind.

13a & b Beim fertigen Ergebnis zeigt sich, dass der verfärbte Stumpf zwar keinen Einfluss mehr auf die Krone hat, dafür aber immer noch in das Zahnfleisch einstrahlt und zu einem minimalen Vergrauen des marginalen Saums führt

Fall 3 – gelöst mit Dr. Gerd Körner, Bielefeld

Beim nächsten Fall sollten die Zähne 13, 12, 21, 22 und 23 mit Veneers und der Zahn 11 mit einer Krone versorgt werden (Abb. 14a & b). Zahn 11 war stark verfärbt und wurde auf den ersten Blick als störend empfunden. Zum Ausgleich der „lückig“ stehenden Oberkieferfront wurden die anderen Frontzähne in die Versorgung mit einbezogen. Zur Herstellung der fünf Veneers und der Krone wurde ein Steckstumpfmodell angefertigt (Abb. 15). Für Zahn 11 wurde ein Zirkonoxid-Gerüst hergestellt, dessen Innenfläche zur Kaschierung des verfärbten Stumpfes opakert wurde. Aus der Modellsituation wird bereits ersichtlich, dass die Krone für Zahn 11 mit wesentlich mehr Chroma versehen wurde, um damit den sehr dunklen Zahnstumpf zu maskieren (Abb. 16). Auf der Glasplatte wird nochmals der Unterschied der unterschiedlichen Restaurationsformen und vor allem das hohe Chroma der Einzelzahnkrone ersichtlich (bb. 17)

14a & b Patientenfall 3: Hier galt es, die Zähne 13, 12, 21, 22 und 23 mit Veneers und den Zahn 11 mit einer Krone zu versorgen. Zahn 11 war stark verfärbt und wurde als störend empfunden. Zum Ausgleich der „lückigen“ Oberkieferfront sollten zudem auch die anderen Frontzähne versorgt werden

15 Steckstumpfmodell zur Herstellung der fünf Veneers und der Krone. Zur Versorgung des Zahns 11 wurde ein Zirkonoxid-Gerüst hergestellt, dessen Innenfläche zur Kaschierung des verfärbten Stumpfes opakert wurde

16 Aus der Modellsituation geht bereits hervor, dass die Krone für Zahn 11 wesentlich mehr Chroma aufweist. Damit sollte der sehr dunkle Zahnstumpf maskiert werden

17 Auf der Glasplatte zeigt sich nochmals der Unterschied der unterschiedlichen Restaurationsformen und vor allem das hohe Chroma der Einzelzahnkrone für Zahn 11

Bei der Einprobe zeigte sich jedoch, dass der mit der Einzelzahnkrone versorgte und stark verfärbte Zahnstumpf immer noch durch die Versorgung schien, weshalb eine Neuanfertigung dieser Einzelkrone nötig wurde. „Schuld“ an dieser starken Farbabweichung war das zu helle Zirkonoxid-Gerüst (Cercon ht light) und weniger die Schichtung. Die Vollkeramikkrone wirkte dadurch etwas kühl und wies einen Graustich auf. Für die Neuanfertigung musste also bei der Wahl des Gerüstmaterials darauf geachtet werden, einen wärmeren Grundfarbton zu erzeugen. Um diesen Farbton zu eruieren, wurde mit einem Polarisationsfilter die Farbe des präparierten Nachbarzahns 21 bestimmt (Abb. 18a & b).

18a & b Bei der Einprobe zeigte sich, dass der verfärbte Zahnstumpf immer noch durch die Versorgung schien. Für die Neuanfertigung musste ein wärmeres Zirkonoxid-Gerüst angefertigt werden. Mithilfe der Polfilterfotografie wurde die Stumpffarbe des Nachbarzahns ermittelt

Bei der Neuanfertigung der Krone für Zahn 11 wurde für den gewünschten, gelblicheren Grundcharakter ein Zirkonoxid-Gerüst aus Cercon ht medium verwendet. Dieses wirkt von sich aus gelblicher und somit wärmer. Bei der Schichtung selbst wurde dann genauso vorgegangen wie bei der vorherigen Krone. Beim Einsetzten der neu angefertigten Krone auf Zahn 11 zeigte sich, dass die Wahl des chromatischeren Zirkonoxids als Gerüstmaterial die richtige war. Die Krone fügt sich nun harmonisch ein und der stark verfärbte Stumpf konnte gut kaschiert werden. Die Kombination aus dem Cercon ht medium Zirkonoxid-Gerüst und dem intern aufgebrannten Opaker hat die Vergrauung im Stumpf­bereich eliminiert. In den ­Ab­­­b­ildungen 19a & b ist die Situation direkt nach dem definitiven Befestigen dargestellt. Aus diesem Grund ist das Zahnfleisch noch etwas gereizt.

19a & b Für die Neuanfertigung der Krone für Zahn 11 wurde ein Zirkonoxid-Gerüst aus Cercon ht medium verwendet. Dieses wirkt von sich aus gelblicher und somit wärmer. Bei der Schichtung selbst wurde dann genauso vorgegangen wie bei der vorherigen Krone. Die Situation wurde direkt nach dem definitiven Befestigen fotografiert, weshalb das Zahnfleisch noch etwas gereizt ist

Fall 4 – gelöst mit PD Dr. Amelie Bäumer-König, Bielefeld

Bei diesem Fall stand eine Veneer-Ver­sorgung der Zähne 13, 12 und 11 sowie 22 und 23 an (Abb. 20a & b). Die Zähne 13 bis 11 sowie 22 und 23 wiesen verfärbte Zahnhalsfüllungen auf, mussten daher lediglich minimal beschliffen werden. Zahn 21 war mit einer älteren Krone versorgt, weshalb nach dem Entfernen derselben eine Neuanfertigung notwendig wurde. Nach dem Entfernen der alten Krone und dem Präparieren der Zähne kam ein metallischer Stiftaufbau zum Vorschein (Abb. 21). Die prothetische Herausforderung bestand also wieder einmal nicht nur darin, die beiden Inzisiven komplett unterschiedlich prothetisch zu versorgen (Veneer neben Krone), sondern auch den metallischen Aufbau zu maskieren. Die zahntechnische Herangehensweise war auch hier dieselbe wie bei den vorherigen Fällen, das heißt, in das Zirkonoxid-Gerüst wurde ein Opaker eingebracht und gebrannt. Steckstumpf- oder Gellermodelle waren auch hier das Mittel der Wahl, da sie alle Informationen über den Zahnfleischsaum liefern (Abb. 22). In der Abbildung 23 s

20a & b Patientenfall 4: Bei diesem Fall galt es, die Zähne 13, 12 und 11 sowie 22 und 23 mit Veneers zu versorgen. Zahn 21 war mit einer älteren Krone versorgt und sollte im Zuge der Harmonisierung der Oberkieferfront neu versorgt werden

21 Metallischer Stiftaufbau auf Zahn 21: Die Herausforderung bestand darin, die beiden komplett unterschiedlich prothetisch zu versorgenden Inzisiven farblich aneinander anzupassen

22 In das Zirkonoxid-Gerüst wurde auch bei diesem Fall ein Opaker eingebracht und gebrannt. Die Steckstumpfmodelle lieferten alle Informationen über den Zahnfleischsaum

In der Abbildung 23 sind die fertigen Versorgungen vor dem Glanzbrand dargestellt. In diesem Fall wurden für Zahn 21 zwei Kronen angefertigt; eine auf Basis eines Cercon ht- Gerüsts mit eingebranntem Opaker und eine mit einem Cercon Base-Gerüst, auf das Schultermasse aufgebrannt wurde. In der Abbildung 24 sind die Vollkeramik­restaurationen auf dem Modell und separat dargestellt. Hier zeigt sich, dass mit hauchdünnen Veneers eigentlich so gut wie kein Einfluss auf die Farbwirkung genommen werden kann. Die Zahnfarbe wird vielmehr vom Untergrund, also den Stümpfen und dem verwendeten Befestigungsmaterial beeinflusst. Rechts im Bild ist die Vollkeramikkrone auf Basis des Cercon ht-Gerüsts mit eingebranntem Opaker zu sehen. Die fertigen Veneers und die Krone auf Zahn 21 sind in der Abbildung 25 beim Try-in dargestellt. Der Cercon-Liner muss beim ersten Brand über der Brenntemperatur der Keramik gebrannt werden, da es bei den Folgebränden durch Erweichen des Opakers ansonsten zu Passungsproblemen kommen könnte.

23 Die fertigen Versorgungen vor dem Glanzbrand. In diesem Fall wurden für den Zahn 21 versuchsweise zwei Kronen angefertigt; eine mit Cercon ht Gerüst mit eingebranntem Opaker und eine mit Cercon Base-Gerüst, auf das Schultermasse aufgebrannt wurde

24 Hier zeigt sich, dass mit Veneers eigentlich so gut wie kein Einfluss auf die Farbwirkung genommen werden kann. Rechts im Bild ist die Vollkeramikkrone auf Basis des Cercon ht-Gerüsts mit eingebranntem Opaker zu sehen

25 Die fertigen Veneers auf den Zähnen 13 bis 11 sowie 22 und 23 und die Krone auf 21 beim Try-in. Der verfärbte Zahnstumpf 21 konnte gut maskiert werden, strahlt jedoch leicht in das Zahnfleisch

Fall 5 – gelöst mit Dr. Gerd Körner, Bielefeld

Bei diesem Patientenfall stand eine Komplettversorgung an. In der Front mussten in regio 12 und 22 Implantate prothetisch versorgt werden. Für die Einser und Dreier galt es, vollkeramische Einzelkronen anzufertigen, wobei die Eckzähne metallische Stiftaufbauten aufwiesen (Abb. 26). Des Weiteren wurden vollkeramische Einzelkronen für die Zähne 14 bis 17, sowie 24 und 26 hergestellt. In regio 25 und 27 wurde eine implantatgestützte Brücke nötig, da der Pfeiler 26 nicht zu erhalten war. Im Unterkiefer mussten die Zähne von 35 bis 44 mit Vollkeramikkronen versorgt, und für regio 36 und 37 zwei implantatgestützte Einzelzahnkronen sowie zur Versorgung der Implantate in regio 45 und 47 eine vollkeramische Brücke angefertigt werden (Abb. 27). Die Herausforderung bestand auch in diesem Fall wieder darin, die metallischen Stiftaufbauten auf den Oberkiefereckzähnen mithilfe der vollkeramischen Restaurationen verschwinden zu lassen, respektive zu maskieren. Bei derart großen und somit komplexen Restaurationen wird vor der Anfertigung der definitiven Versorgung immer ein gefrästes PMMA-Mock-up hergestellt (Abb. 28) und mit diesem im Rahmen einer Anprobe die Form, Stellung und Funktion (der Biss) eruiert. Wenn die angebotene Bisshöhe angenommen wird, kann problemlos mit der Umsetzung in die definitive Versorgung begonnen werden. Die vollkeramischen Kronen und Brücken wurden mithilfe einer speziellen Paste aufgepasst (Abb. 29).

26 Patientenfall 5: Bei diesem stand eine Komplettversorgung an. In regio 12 und 22 Implantatkronen, für die Einser und Dreier vollkeramische Einzelkronen. Die Eckzähne wiesen metallische Stiftaufbauten auf

27 Vollkeramische Einzelkronen für die Zähne 14 bis 17, 24 sowie 35 bis 44. In regio 25 bis 27 (da der Pfeiler 26 nicht zu erhalten war) sowie 45 bis 47 implantatgestützte Brücken. Zudem in regio 36 und 37 zwei implantatgestützte Einzelzahnkronen

28 Bei derart komplexen Restaurationen wird vorab immer ein gefrästes PMMA-Mock-up hergestellt, mit dem im Rahmen einer Anprobe die Form, Stellung und Funktion (der Biss) eruiert werden

29 Wenn die neue Bisshöhe angenommen wird, kann mit der Umsetzung in die definitive Versorgung begonnen werden. Die vollkeramischen Kronen und Brücken wurden mit pasta rossa von anaxdent aufgepasst

Die einzelnen, aufgepassten Zirkonoxid-Gerüste wurden entsprechend gekennzeichnet, um sie bei der Gerüsteinprobe eindeutig und schnell zuordnen zu können. Auch dass die Kennzeichnung immer labial/bukkal angebracht wurde, erleichterte die eindeutige Zuordnung und Platzierung der Gerüste (Abb. 30).

30 Die aufgepassten Zirkonoxid-Gerüste wurden labial/bukkal entsprechend gekennzeichnet, um sie bei der Gerüsteinprobe eindeutig und schnell zuordnen und einsetzen zu können

In die beiden Kronen-Gerüste für die Zähne 13 und  23 wurde vor der keramischen Verblendung wieder ein entsprechender Opaker eingebracht und dieser bei 940 °C gebrannt (Abb. 31). Alle fertigen Kronen, Brücken sowie Hybridabutments sind in den Abbildungen 32 und 33 dargestellt. Wer genau hinsieht, der erkennt in der Abbildung 33 die eine der intern opakerten Eckzahnkronen und die zervikale Stufe, die nicht opakert werden darf. Der Patient wurde somit in Summe mit 28 vollkeramischen Einheiten versorgt (zuzüglich der individuellen Hybridabutments). Wer würde anhand der Abbildungen 34 und 35 auf die Idee kommen, dass kein Zahn im Mund des Patienten mehr echt ist.

31 In die beiden Gerüste für die Kronen der Zähne 13 und 23 wurde wieder vor der keramischen Verblendung ein entsprechender Opaker eingebracht und dieser wie ein Schulterbrand bei 940°C gebrannt

32 & 33 Alle fertigen Kronen, Brücken sowie Hybridabutments. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich eine der intern opakerten Eckzahnkronen

34 & 35 Der Patient wurde in Summe mit 28 vollkeramischen Einheiten (zuzüglich der individuellen Hybridabutments) versorgt. Wer würde anhand dieser Abbildungen denken, dass kein Zahn im Mund des Patienten echt ist

Fazit

Geht nicht, gibt es nicht. Getreu diesem Motto ist es die ständige Auseinandersetzung mit dentalen Problemstellungen und technischen Herausforderungen, die den Zahntechniker antreiben, ja, seinen Beruf auszeichnen. Die Techniken, mit denen Zahntechniker versuchen, bestimmter Fälle Herr zu werden, sind ebenso wenig Schema F, wie die Patienten alle gleich sind. Die Möglichkeiten, verfärbte Stümpfe zu kaschieren, sind vielfältig; ob nun über sehr opake Befestigungsmaterialien, oder sehr opake Gerüste. Ztm. Pascal Holthaus verfolgt mit seiner Idee den Ansatz, die positiven lichtoptischen Eigenschaften der Keramik­restauration zu erhalten und lediglich dort eine optische Barriere zu schaffen, wo die Verfärbung auftritt: an der Grenzfläche zum verfärbten oder metallischen Stumpf. Hierfür geht er den Weg, in die entsprechend designten Zirkonoxid-Gerüste einen Liner aufzutragen und diesen zu brennen. Dadurch kann er seinen Behandlern Kronen an die Hand geben, mit denen die Verfärbungen abgeblockt werden. Letztendlich müssen also in der Praxis keine weiteren Schritte unternommen werden, um die Verfärbungen zu kaschieren. Dies führt zu einem gut handhabbaren Workflow und einer hohen Trefferquote bei der Zahnfarbe.

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